Interview mit Bischof Schwarz

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Wort zum Sonntag - von Sr. Ulrike Schaussberger

Gott der Überraschungen. Wenn uns jetzt die Natur mit sattem Grün und heranreifenden Früchten erfreut, erinnern wir uns wieder einmal mit Staunen an das Wachsen, Werden und Reifen. Jedes Jahr überrascht uns die Natur mit ihren stillen Wundern.

Ist es nicht auch mit dem Wort Gottes so ähnlich? Wir hören/lesen manche Bibelstelle immer wieder; und jedes Mal „überrascht“ uns Gott mit einer neuen Erkenntnis, mit einem neuen Zugang. Im Evangelium des heutigen Sonntags erzählt Markus, wie Jesus in einem bodenständigen Gleichnis das Reich Gottes verständlich macht. Die Bilder aus der Natur und der damaligen Arbeitswelt sind den Zuhörern vertraut. In einer einfachen und verständlichen Erzählweise lädt Jesus die Jünger ein, über das Reich Gott und sein Wirken unter den Menschen nachzudenken. Das Reich Gottes ereignet sich nach den Worten Jesu im Hier und Jetzt – unter uns und mit uns.

Im Vertrauen aussäen und loslassen

Im Gleichnis geht der Mann nach der Aussaat seinem gewohnten Lebens­rhyth­mus nach: „… dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag.“ Er tut nichts Besonderes. Er hat nur den Samen der Erde anver­traut. Ist er ein sorgloser Bauer? Oder hofft er nach erfahrungsreichen Jahren, dass wieder alles gut gedeiht und wächst?

In der scheinbaren Sorglosigkeit des Sämanns sehe ich ein großes Vertrauen in die Kräfte der Natur und in die Liebe zu einem Schöpfergott, der uns diese Erde geliehen hat. Der Bauer weiß, dass sich der Same im Dunkel der Erde verändert und zu einer reichen Ähre heranreift. Er weiß auch, dass er alles den Kräften der Natur überlassen muss. Er kann im Vertrauen loslassen, auch wenn nicht jeder Same aufgeht und die Vögel des Himmels sich ihren Anteil holen. Er überlässt das, was er verantwortungsvoll und mit Mühe geleistet hat, der Zeit und dem, der das Geheimnis der Kraft in das Weizenkorn gelegt hat: Gott. Von Simone Weil stammt das tröstliche Wort: „Warum sollte ich mir Sorgen machen? Es ist Gottes Sache, an mich zu denken.“ Ja, es ist Gottes Sache, Gottes Schöpfungsgedanke, dass der Same gedeihen kann.

„… der Samen keimt und wächst und der Mann weiß nicht, wie“

Haben wir nicht alle schon in unserem Leben die Erfahrung gemacht, dass sich Situationen und Menschen zum Positiven verändert haben? „Der Same keimt und wächst und der Mann weiß nicht, wie.“ Der Same des Guten geht immer auf; oft gerade dort, wo wir es nicht vermuten.

Vom Theologen Gotthard Fuchs ist der Satz: „Wer im Warten das Erwarten übt, kann auch den nächsten Schritt tun: das Unerwartbare erwarten.“ Das Unerwartete erwarten und trotzdem loslassen – das ist zutiefst „göttlich“. Gott beschenkt uns nicht mit reifen Ähren; aber er schenkt uns den Samen. Gott macht nicht unsere Arbeit; aber er gibt uns Fähigkeiten und die Freude, am Reich Gottes mitzuarbeiten.

Nur eine Handvoll Körner

Als Kindergartenpädagogin war mir die religiöse Begleitung der Kinder ein Herzensanliegen. Das Senfkorn „Glaube“ konnte ich Kindern nicht einfach einsetzen, sondern nur ausstreuen und hoffen, dass es wächst. Eine Handvoll Körner genügt. Ich wünsche uns Christen der Diözese St. Pölten, dass wir gemeinsam mit dem neuen Bischof den Samen ausstreuen und daran glauben, dass die Saat zu einer reifen Ähre heranwächst.
Von einem/r unbekannten Chris­ten/Christin stammt der Satz: „Glaube heißt: dass Gott durch mich Wunder vollbringt; durch mich, der/die ich nicht mehr als eine Handvoll Körner ausgestreut habe.“

 

Die Autorin

Sr. Ulrike Schaussberger wurde 1946 geboren und ist in Kleinreifling (OÖ) in einer Großfamilie aufgewachsen. 1961 trat sie bei den Franziskanerinnen-Schulschwestern in Amstetten ein. Sie war in Aschbach und St. Pölten 47 Jahre als Kindergartenpädagogin tätig. Sie ist Leiterin des diözesanen Kindergartenreferates, Hausoberin in St. Pölten und Generalrätin in ihrer Kongregation sowie Mitarbeiterin in der Dompfarre St. Pölten für den Bereich Kinderwortgottesdienst.