Wort zum Sonntag - von P. Dr. Athanasius Wedon OMI | Kirche bunt
 

 
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Wort zum Sonntag - von P. Dr. Athanasius Wedon OMI

Foto: feferoni - stock.adobe.com

Von Sinnen“ sagen die einen, „besessen“ die anderen. Sie können nicht verstehen, was Jesus da tut, und warum er mit diesen absonderlichen Gestalten verkehrt. Jesus bringt Freunde nach Hause, die wohl bei den meis­ten Eltern auf unverhohlene Ablehnung stoßen würden. Die Verwandten missbilligen seinen Umgang und möchten den Eigenbrötler unter ihre Kontrolle bringen. Weit entfernt von dem Gedanken, er könnte einen göttlichen Auftrag erfüllen, stellen sie ihre Fehldiagnose und können Jesu Verhalten nicht einordnen. <--break->

Eine zweite Gruppe nimmt Aufstellung: Schriftgelehrte aus Jerusalem, die in Jesus einen Diabolus und Volksverhetzer sehen. Seine Wun­der seien dämonischer Natur, behaupten sie, weshalb sie ihn mit allen Mitteln bekämpfen. Doch wendet sich Jesus gegen seine An­klä­ger mit der Bemerkung, sie ignorierten das offensichtlich Gute, das er tut, und verkehrten die Wahrheit in ihr Gegenteil. Absichtlich hießen sie das Gute dämonisch und das Dämonische gut. Mit ihrem böswilligen Gerede sündigten sie gegen den Heiligen Geist.

So nah – und doch unverstanden

Inzwischen treffen die Mutter Jesu und seine Brüder vor dem Haus ein; sie bleiben draußen stehen, möchten mit denen im Haus keinen Kontakt haben. Dort trägt Jesus einem Kreis von Interessierten seine Erzählungen in Form von Gleichnissen vor. Darin ist er ein Meister. Seine Verwandten lassen ihm eine aufdringliche Botschaft zukommen, fordern ihn auf, herauszukommen. Jesus nimmt das zum Anlass zu erklären, dass eine Familie sich nicht durch Blutsbande legitimiert, sondern einzig durch den Gehorsam Gott gegenüber. Dadurch sagt sich Jesus zwar nicht von seiner eigenen Familie los, verweist jedoch auf eine Zusammengehörigkeit, die jede leibliche Bindung übersteigt. Er gründet eine neue Familie zweifellos in der Hoffnung, die eigenen Verwandten mögen ihn als denjenigen erkennen, der er ist. Natürlich haben diese ihre Probleme damit, den Wandel zu verstehen, den Jesus vollzogen hat: von einem Dorftischler zum mächtigen Propheten. Missverständnis, ja Ablehnung durch die eigenen Verwandten – damit beginnt die Pas­sion Jesu, sein Weg ans Kreuz.

Aus Draußenstehenden werden „Insider“

Nach seinem Tod und seiner Auferstehung wenden sich die Dinge zum Besseren. Wenn Lukas in seiner Apos­tel­ge­schich­te von der Geburtsstunde der Kirche berichtet, finden wir die Jünger bereits in einem gemeinsamen Ge­betskreis mit einigen Frauen, der Mutter Jesu und seinen Brüdern (Apg 1,14). Es scheint so, als ob die leiblichen Verwandten sich doch noch mit der neuen Glaubensfamilie verbunden haben. Jetzt stehen sie nicht mehr „drau­ßen“ mit ihren Be­rüh­rungs­ängs­ten, sondern sind vereint mit denen, die Jesus als ihren Herrn anerkennen. Diese Anerkennung ist grundlegend für das Leben der Kirche. Jesu Heimholung durch seine Verwandten hat einen anderen Verlauf genommen: Es ist Jesus, der seine Verwandten zu sich heimholt und sie in seine Glaubensfamilie eingliedert. So versammeln wir uns jede Woche mit Maria und allen Brüdern und Schwestern, um Jesu Gedächtnismahl zu feiern und uns gegenseitig im Glauben zu stärken.

 

sendungstreu

der da drinnen ist von sinnen
rufen die da draußen

nazaret brennt!

lass dir zeit. du bist vorbereitet

kann doch niemand zugleich
diesseits
und jenseits der schwelle stehen

A. Wedon

 

Der Autor

P. Dr. Athanasius Wedon OMI, 1962 in Stuttgart geboren, ist Moderator der Pfarren Artstetten und Pöbring.