Wort zum Sonntag – von Anna Rosenberger

Wonach sehnen wir uns? Es ist Sommer und damit auch die Zeit der vielen Sommertheater und Konzerte. In beinahe jedem größeren Ort unseres Landes treten Künstlerinnen und Künstler auf, um den Menschen Unterhaltung zu bieten. Viele von uns können es sich leisten, sich auszusuchen, was anspricht und was gefällt.

Die Menschen strömen allerorts zu den Aufführungen und genießen es. Da werden gewisse Sehnsüchte gestillt wie z. B.: gute Musik zu hören, Theater zu sehen, andere zu treffen, einen entspannten Abend zu erleben, gut zu essen und zu trinken u. v. m. Im Evangelium des vorigen Sonntags hörten wir auch schon von einer großen Men­schen­menge, die Jesus folgte. Es werden sogar Zahlen genannt, es waren etwa 5000 Männer und dazu Frauen und Kinder. Sie folgten Jesus, weil sie mehr von diesem Wunderheiler hören wollten. Sie kamen allerdings ohne Autos, Shuttlebusse usw. und es gab dort auch keine Labstellen für die vielen, die gekommen waren.

Sie waren zu Fuß unterwegs, um ihren Wunderheiler, ihren Star zu hören und zu sehen. Durch das Brotvermehrungswunder wurden sie gesättigt. Zumindest vorerst einmal. Jesus hatte ihr Grundbedürfnis nach Essen gestillt, denn alle waren satt geworden und es war sogar noch etwas übriggeblieben. Danach zog Jesus sich zurück, um auszuruhen. Wieder folgten ihm die Menschen, strömten ihm nach. Sie wollten mehr von ihm hören und auch bekommen.
Auch wir kennen das gut in unserer heutigen Gesellschaft. Der Hunger nach mehr wird immer größer und manchmal auch unverschämter. Je mehr uns angeboten wird, umso größer ist die Sehnsucht, noch mehr zu wollen.

Da reicht es nicht mehr, dass es im kleinen Geschäft im Ort nur eine Sorte Brot, eine Sorte Milch usw. gibt. Nein, das Produktangebot muss noch viel größer und umfangreicher sein, die Preise noch niedriger, noch ausbeuterischer.
Wir Menschen neigen dazu, immer mehr haben zu wollen: mehr und besseres Essen, größere Wohnungen und Häuser, größere und schnellere Autos, mehr Geld, Besitz, Urlaub, Rechte, Luxus. Aber macht uns dies wirklich glücklicher? Und es gilt der Frage nachzugehen: Wonach haben wir eigentlich Sehnsucht?

Genau darauf geht Jesus im heutigen Evangelium ein. Da heißt es: Mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben. Da baten sie ihn: Herr, gib uns immer dieses Brot! Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.

Eine Speise von ganz anderer Qualität

Es gibt also eine Speise von ganz anderer Qualität, eine Speise, die nicht verdirbt, sagt Jesus. Eine Sättigung, die nicht vom Essen, sondern vom Hören, vom Fühlen kommt. Da gibt es eine Speise, die nicht mit dem Magen, sondern mit dem Herzen, mit dem Sinn und Verstand aufgenommen werden will. Jesus lädt uns ein, dem nachzuspüren, was uns wirklich leben und überleben lässt, was unsere tiefsten Sehnsüchte nach einem geglückten und gelungenen Leben sind. Er lädt uns ein, sich dessen immer wieder neu bewusst zu werden, was die wahren Werte im Leben sind. Werte wie Freundschaft, Begegnung, Zu­friedenheit, Offenheit, Herzlichkeit, Glück und vor allem ganz viel Liebe.
Das größte und schönste Geschenk für uns Menschen ist, dass Gott uns als seine Kinder liebt und sich uns im Brot des Lebens schenkt. Es liegt an uns, diese Einladung immer wieder neu anzunehmen.

 

Die Autorin

Anna Rosenberger ist Diözesanvor­sitzende der Katholischen Frauen­bewegung, Wort-Got­tes-Feier-Lei­te­rin, Pfarrgemeinderätin, Erwachsenenbildnerin, PGR-Klausurbegleiterin u. v. m. Sie ist verheiratet, Mutter von drei erwachsenen Töchtern und hat mittlerweile sechs Enkel­kinder.