Interview mit Bischof Schwarz

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Wort zum dritten Adventsonntag - von Bischof Alois Schwarz

Friede, der alles Verstehen übersteigt: Immer dichter – und immer reicher – geht es auf Weihnachten zu. Das heutige Evangelium führt uns „mitten im Advent“ in eine universale Fragestellung, die in uns Menschen gelegt ist, die uns begleitet, an der sich Philosophen und Propheten abgearbeitet haben. Die Frage „Was sollen wir tun?“ begegnet uns dreimal im Lukasevangelium des diesjährigen dritten Adventsonntags. Die dreimalige Fragestellung weist auch auf deren besondere Bedeutung und Wichtigkeit hin. Aus der Sicht von drei „Ständen“ werden diese Fragen gestellt: als gesellschaftliche Frage, die die „Leute“, also die Allgemeinheit, die Öffentlichkeit, die Gesellschaft stellen; sodann als wirtschaftliche Frage, die die Zöllner, das sind in damaliger Zeit die Finanz- und Wirtschaftsfachleute, stellen; und schließlich als politische Frage, die die Soldaten, das sind hier die für die Exekutive der staatlichen (Besatzungs-) Macht Zuständigen, stellen.

Gott erweist verlässlich seine Treue

Die Antwort, die Johannes der Täufer den jeweils Fragenden gibt, mag uns heute zu simpel erscheinen. Doch wir dürfen nicht vergessen, dass Lukas in seinem Evangelium entschieden ein Anwalt der Armen und der ungerecht Behandelten ist, denen Gott verlässlich seine Treue erweist. Für Lukas ist „Solidarität mit den Armen“ kein Fremdwort, sondern Verkündigungs- und Lebensauftrag.

Ethische Fragen und Haltungen „geistern“ nicht einfach so herum. Sie stellen sich meis­tens dann erst und wieder, wenn „es ernst wird“. Der Evangelist Lukas weist ohne Umschweife auf diesen Ernst der Lage hin, wenn er sagt: „Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Schon hält er die Schaufel in der Hand, um die Spreu vom Weizen zu trennen und den Weizen in seine Scheune zu bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen. Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk in seiner Predigt.“

In diesen „brennenden Fragen“ nimmt Johannes der Täufer kein Blatt vor den Mund. Was wird er uns heute sagen im Blick auf die brennenden ethischen Probleme, die sich aus der wirtschaftlichen, finanziellen und mehr noch Vertrauens- und Sinnkrise unserer Tage stellen? Wir sind heute in der Tradition eines Johannes des Täufers herausgefordert, eine glaubwürdige und verlässliche Antwort darauf zu suchen. Gleichzeitig sagt er uns auch: „Es kommt aber einer, der stärker ist als ich.“ In diesem Menschensohn wird das Heilsversprechen eingelöst, von dem die Lesungen berichten: „Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte“ macht uns zuversichtlich, voll Hoffnung, voll Freude. Auch die zweite Lesung verspricht uns: „Der Herr ist nahe, sorgt euch um nichts“, und fordert uns gleich zweimal auf: „Freut euch!“

Im Blick auf das kommende Fest der Mensch­werdung des Sohnes Gottes, Jesus Chris­tus, werden wir konkret, wer unsere Mitte, wer das Zentrum unserer Überlegungen ist. Mit Ihm im Zentrum werden wir auch die schmerzlichen Krisen unserer Wirklichkeit nicht verleugnen dürfen, sondern uns ihnen stellen, so wie Johannes der Täufer den fragenden Menschen seiner Zeit nichts vorgemacht hat, sondern ihnen ethische und religiöse Orientierung und Verantwortungsbewusstsein zugemutet hat, die weit über aktuelle Krisen hinaus Bestand haben und Frucht bringen sollten. Deshalb ist Johannes der Täufer nach dem Evangelisten Lukas auch kein „Situa­tions­ethiker“. Er hat in jedem Falle im Blick, was Gott will und auch was von Gott her verbindlich ist und zu sein hat.

Dazu wurde Gott in seinem Sohn Jesus Christus Mensch in den Herzen der Menschen und für alle Welt, in denen sein Wort einen Widerhall und Aufnahme findet und viele entdecken, dass ihre Fragen nach Sinn, nach Zukunft und Leben von seiner begleitenden Liebe beantwortet werden.

Fragen wir uns also heute umso mehr:

- Finden wir Freude und Friede in diesem Heilsversprechen? 

- Überlasse ich der Furcht mein Leben – oder kann ich im Gebet und im Gottvertrauen Frieden finden?

- Wie kann ich Frieden in die Welt bringen?

Der Friede, der in dieser Freude des 3. Adventsonntags liegt, übersteigt unser Verstehen. Der Herr ist nahe. Wir können getrost Frieden und Freude spüren. Möge, liebe Leser und Leserinnen, der Friede dieser Freude heute und im neuen Jahr in Ihrem Haus einkehren und Ihnen Verwandlung der Herzen schenken, damit die Welt reicher wird an menschlichem Glück, an göttlicher Atmosphäre, an Befreiung von Armut und Not. Möge der Himmel singen und Friede sein bei den Menschen seiner Gnade. Darin klingt uns schon eine Vorahnung dessen entgegen, was die Engel dann an Weihnachten über der Krippe singen werden: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade“ (Lk 2,14).

In der Freude mit Euch verbunden

Euer,

+ Alois Schwarz