Interview mit Bischof Schwarz

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Wort zum 1. Adventsonntag - von Bischof Alois Schwarz

Wachet und betet! Der erste Adventsonntag führt uns in die Angst, die Ratlosigkeit und in die Einsamkeit. Während draußen schon die Weihnachtslichter leuchten, beginnen wir hier in der Kirche mit allem anderen als Weihnachtsstimmung. Das Evangelium führt uns zunächst nicht nach Betlehem oder in die uns vertraute Freude über Weihnachten. Es braucht zunächst eine Zeit des Bewusstwerdens: Ohne Advent kein Weihnachten. Die Liturgie der Kirche mutet uns Texte zu, die vom Kommen des Menschensohnes bei der Vollendung der Welt sprechen. Die Lesung gibt uns Hoffnung: „Seht, es werden Tage kommen, da erfülle ich das Heilswort.“

Im Evangelium hören wir, ganz und gar ohne Kitsch und ohne Rührseligkeit, vom Ankommen Gottes am Ende der Zeiten. In sehr dramatischen Worten wird die Bestürzung und Ratlosigkeit der Menschen geschildert. Hier geht es nicht um Adventzauber und Kerzenschein. Hier werden wir mit der persönlichen Angst konfrontiert, einer Urangst im Menschen, die die Einsamkeit und das Getrenntsein von Gott betrifft.

Solche Ereignisse der Einsamkeit und des Zurückgeworfenwerdens auf das Menschsein gibt es immer wieder. Nicht selten kommen Menschen in ihrem persönlichen Lebensumfeld in solche oder ähnliche bedrückende Situationen. Für manche stürzt die Welt zusammen auf Grund eines Verkehrsunfalls, andere sind in Krankheiten hineingezogen, wieder andere erleben Naturkatastrophen als ihre letzte Stunde. Viele große und kleine Vorkommnisse schieben sich zwischen mich und Gott.

Der Advent gibt uns eine Chance, diese Angst und Verletzlichkeit, dieses Getrenntsein in uns erneut wahrzunehmen. In genau diese Verletzlichkeit und oft auch Verzweiflung hinein zeigt es sich, ob wir sagen können: „Der Menschensohn ist im Kommen.“ Was wird uns „einfallen“, bei all den persönlichen Schicksalsschlägen? Wie werden wir umgehen mit der Ankunft Gottes? Kann er in unser Herz, in unser Leben kommen? Haben wir Vertrauen auf ihn? „Richtet euch auf“, sagt Jesus im Evangelium, denn „eure Erlösung ist nahe“! Ob uns das ins Ohr kommt oder zu Herzen geht, wenn es für uns soweit ist?

Doch gerade dies feiern wir im beginnenden Advent: dass uns in den Ext­rem- und Krisensituationen des Lebens Rettung zugesagt wird und erfahrbar ist. In täglicher Bemühung und durch tägliches Wachsamsein können wir in unserer Erinnerung Seine wertvollen Worte aufnehmen, lebendig und „wach“ halten: „Eure Erlösung ist nahe.“ Wir haben die Rettung und das Heil zugesagt bekommen, wir dürfen hoffen auf den Menschensohn. Machen wir uns bereit? Machen wir uns bereit!

In adventlicher Hoffnung über den Glauben sprechen

Oft höre ich die Frage „Aber wie kann die Kraft zum Durchhalten gefunden werden? Wie kann man Vertrauen lernen, auch in der Not?“. Die Einladung Jesu „Wachet und betet!“ ist die Antwort
auf diese Frage und zugleich Programm für die gan­ze Adventzeit. Ich lade Sie ein, darüber nachzudenken:

✶ Kann der Sohn Gottes jetzt in mir Mensch werden?
✶ Wie kann ich das Kind Gottes in mir (wieder) entdecken?
✶ Lasse ich mich darauf ein, dass in mir Jesus Christus geboren werden soll?
✶ Traue ich mich, mit solchen Gedanken in den Advent hineinzugehen, ankunftsfreudig zu sein und ankunftsbereit zu werden, wenn es darum geht, Gott zur Sprache kommen zu lassen und zu bringen?

Es gibt das wundervolle Adventlied „Macht hoch die Tür, die Tor’ macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit.“ Beginnen wir, Türen und Tore zu unseren Herzen zu weiten für die Ankunft des Menschensohnes in uns.

Im Wachen und Beten
mit euch verbun­den

Euer Bischof
Alois Schwarz