Interview mit Bischof Schwarz

Kirche bunt ABO

Banner Kirche Bunt

 
 

Wer erbt den Besitz?

Niemand macht sich gerne Gedanken über den eigenen Tod. Wer es trotzdem tut und ein Testament macht, kann damit Streit in der Familie vermeiden. Fragen rund um die Verlassenschaft hat Notar Mag. Leopold Dirnegger für Kirche bunt beantwortet.

Wenn das Gesetz bestimmt

Wenn es kein Testament gibt, dann bestimmt das Gesetz, wer was bekommt. Der juristische Fachbegriff dafür lautet „gesetzliche Erbfolge“. Dabei unterscheidet man vier Gruppen oder Parentelen von Angehörigen: Zur ers­ten Gruppe zählen die Nachkommen, also eheliche, uneheliche und adoptierte Kinder sowie   – falls ein Kind bereits verstorben ist – Enkelkinder. Erst wenn es niemanden in dieser Gruppe gibt, kommt die zweite Gruppe zum Zug, das sind die Eltern des Verstorbenen und deren Nachkommen, also die Geschwister des Erb­lassers. Wenn es in dieser Parentele niemanden gibt, erben die Großeltern und deren Nachkommen, danach die Urgroßeltern (ohne Nachkommen).
Der Ehegatte – oder eingetragener Partner – ist eine Art „Beiwagerl“: Sind Nachkommen da, steht ihm ein Drittel des Nachlasses zu; wenn nicht, dann gehören ihm zwei Drittel. Manche Menschen denken, dass, wenn es keine Kinder gibt, der Partner automatisch alles erbt. Dem ist jedoch nicht so. Einen Lebensgefährten sieht das neue Erbrecht 2017 nur dann als Erben vor, wenn sonst – mangels anderer Erben – das Vermögen an den Staat fallen würde.
Sind gar keine testamentarischen oder gesetzlichen Erben vorhanden, geht der Besitz an den Staat.


So viel geht an das Finanzamt

Seit 2008 gibt es in Österreich keine Schenkungs- und Erbschaftssteuer mehr. Die Übernahme von Liegenschaften führt jedoch zur Grunderwerbssteuer, die sich nach dem Grundstückswert richtet. Dafür gilt ein Stufentarif: Bis 250.000 Euro fallen 0,5 Prozent Steuer an, von 250.000 bis 400.000 Euro 2 Prozent, darüber sind es 3,5 Prozent.


Eine Immobilie vererben

Auch hier gelten die schon erwähnten Erbquoten, d. h. alle Erben werden Miteigentümer. Das stellt natürlich oft ein Problem dar. Die Erben einigen sich dann meistens im Laufe des Verlassenschaftsverfahren, wie sie das Erbe teilen: Entweder wird die Immobilie verkauft oder einer übernimmt und findet die anderen ab. Ich kann natürlich eine Immobilie auch zu Lebzeiten übergeben oder regle die Übergabe mit einem Testament. Welche Lösung besser ist, ist von Fall zu Fall verschieden.


Setzt ein Testament die gesetzliche Erbfolge außer Kraft?

Grundsätzlich ja. Der Testamentserbe wird Eigentümer des Vermögens und kann darüber frei verfügen. Aber: Nahe Angehörige, nämlich Ehegatten und Nachkommen, haben einen Mindestanspruch, Pflichtteil genannt. Dieser beträgt die Hälfte der gesetzlichen Erbquote. Dieser Anspruch muss mit Geld ausgezahlt werden. Diese Angehörigen haben also eine Geldforderung gegenüber dem Erben. Der Pflichtteil kann durch bestimmte Umstände herabgesetzt werden, etwa wenn mehr als 20 Jahre kein familiäres Naheverhältnis bestanden hat. Will jemand den Pflichtteil herabsetzen, muss er das im Testament festhalten.

Jemanden enterben

Eine Enterbung ist sehr selten und in der Praxis schwer durchsetzbar. Das Gesetz räumt einige schwerwiegende Gründe ein: etwa wenn jemand bestimmte gerichtlich strafbare Handlungen gegen den Erblasser begangen hat. Der Wunsch der Enterbung muss der Erblasser im Testament aussprechen und begründen.
So verfasse ich ein gültiges Testament. Wenn das Testament handschriftlich geschrieben wird, braucht man keine Zeugen; es genügt die Unterschrift und der Zusatz „Das ist mein letzter Wille“. Zu empfehlen ist auch, das Datum festzuhalten. Wird das Testament nicht handschriftlich verfasst, muss ein eigenhändiger Zusatz „Das ist mein letzter Wille“ vermerkt werden und ich brauche drei gleichzeitig anwesende Zeugen. Diese müssen unterschreiben, „als Zeuge“ dazuschreiben und ihre Identität etwa durch die Adresse oder das Geburtsdatum erkennbar machen.

Wo das Testament aufbewahren

Es empfiehlt sich, das Testament bei einem Notar oder Rechtsanwalt zu hinterlegen. So wird es automatisch in das Zentrale Testamentsregister aufgenommen. Bei zuhause deponierten Testamenten besteht die Gefahr, dass sie nicht gefunden werden.

Das kostet der Letzte Wille

Üblicherweise wird eine Pauschale verrechnet, die zwischen 300 und 800 Euro liegt. Diese beinhaltet Beratung, Abfassung und Hinterlegung des Testaments. Es empfiehlt sich, die Kosten vorab zu klären.

Die häufigsten Fehler

Ein Verstoß gegen Formvorschriften macht ein Testament ungültig! Bei selbst formulierten Texten bleibt zudem häufig offen, wer nun der Rechtsnachfolger, also der Erbe, ist. Das kann zu Unschärfen und Mehrdeutigkeiten führen. Ich empfehle deshalb, ein Testament vom Fachmann prüfen zu lassen.

Das kann nicht sein …

Einem Tier beispielsweise kann ich nichts vermachen. Einen Verein, eine Firma, eine Partei oder die Kirche kann ich in meinem Testament bedenken. Ich kann auch bestimmte Auflagen machen, etwa dass der Erbe sich um meinen Hund kümmern soll, allerdings braucht es dafür konkrete Formulierungen. Nicht alle Auflagen und Bedingungen sind zulässig.

 

Umfrage

Nur 30 Prozent der Österreicher über 40 haben ein Testament gemacht – das geht aus einer aktuellen Umfrage des „market“-Instituts hervor. In Niederösterreich trifft das auf ungefähr jeden Vierten zu. 47 Prozent gaben an, durch ein Testament „ein gutes Gefühl der Ordnung“ zu haben, 41 Prozent wollen Streit unter den Angehörigen vermeiden und 40 Prozent möchten die Aufteilung des Nachlasses nicht dem Zufall überlassen.

 

Vortrag 

Einen Vortrag über „Verlassenschaft und Testament“ hält Notar Mag. Leopold Dirnegger im Rahmen des Tags der offenen Tür bei der städtischen Bestattung St. Pölten am 14. September um 10.30 Uhr. Ort: beim Hauptfriedhof, Goldeggerstraße 52. Im Rahmen dieses Tags der offenen Tür 2018 gibt es kostenlose Führungen, Vorträge und Lesungen. Keine Anmeldung erforderlich!