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„Was wäre die Kirche ohne Frauen?“

Foto: zVg/kfb

Vor 70 Jahren wurde die Katholische Frauenbewegung (kfb) in der Diözese St. Pölten gegründet. Aus diesem Anlass stand Anna Rosenberger, Diözesanvorsitzende der kfb St. Pölten, im „Kirche bunt“-Interview Rede und Antwort über die vergangenen sieben Jahrzehnte, über das von der kfb Erreichte, über den Mut von Frauen und ihre Position in Kirche und Gesellschaft.

Was verbindet und was trennt die kfb heute mit jener vor 70 Jahren?

Anna Rosenberger: Uns trennen zwar 70 Jahre, aber uns verbindet mit den Frauen von damals das Frausein in all seiner Buntheit und Vielfalt und sich als Christinnen in der je eigenen Lebenszeit einzusetzen für Kirche und Welt. Frauenleben ist vielfältig – und es gilt, dieses Leben in seiner Individualität zu stärken. Ab dem Zeitpunkt, als die kfb Österreichs 1947 in Maria Plain von der Österreichischen Bischofskonferenz als offizielle katholische Laienorganisation gegründet wurde, machten sich Frauen auf den Weg. So wurde im Jahr 1948 die kfb auch in unserer Diözese gegründet.  Seit damals engagieren sich Tausende von Frauen im Rahmen der kfb alljährlich in unserer Diözese, in den Dekanaten und Pfarren. Frauen gestalten und leben Kirche mit und die Frage „Was wären die Pfarren, was wäre die Kirche ohne Frauen?“  taucht immer wieder auf.


Ist die kfb zufrieden mit dem, was sie in den sieben  Jahrzehnten erreicht hat?

Anna Rosenberger: Unser Jubiläumsmotto und Jahresthema „Frauen.Leben.Stärken“ drückt wohl am besten aus, was wir als kfb in den sieben Jahrzehnten getan und erreicht haben. Frauen leben ihre Stärken und Frauenleben stärkt das Leben anderer usw. Es ist schwer messbar, wieviel ärmer unsere Gesellschaft und das Leben  wäre, hätte es die kfb in den 70 Jahren nicht gegeben. Die kfb war immer schon eine Organisation, eine Gemeinschaft von Frauen für Frauen – und das innerhalb der kirchlichen Struktur –, die sich eingesetzt haben, mitgeholfen und vor allem mitgestaltet haben. Nicht messbar ist die große Kraft der Gemeinschaft, die in der kfb gelebt wird. Eine Gemeinschaft, in der Frauen einander gegenseitig stärken, austauschen, ihr Leben teilen und darüber hinaus sich aktiv in der Kirche und Gesellschaft einbringen. Unsere Vorgängerinnen in der kfb haben so viel Großartiges geleistet und Initiativen ins Leben gerufen wie z. B. die Aktion Familienfasttag der kfb, die es heuer seit 60 Jahren in Österreich gibt und die zu den größten kirchlichen Spenden­aktionen zählt. Die kfb-Weihnachts­packerl­aktion, die es seit 1979 nur in unserer Diözese gibt und durch die mittlerweile weit über 3000 Packerl jährlich von kfb-Gruppen in der Vorweihnachtszeit an Menschen am Rande der Gesellschaft, denen es nicht so gut geht, übergeben werden können. Die Missionskerzenaktion, die es auch nur in unserer Diözese gibt und das schon seit 1972. Die Liste wäre noch lange, wenn ich alles aufzählen würde, was die kfb in diesen 70 Jahren bewegt und bewirkt hat. kfb-Frauen haben sich in diesen Jahrzehnten auch in ihrem Selbstbewusstsein weitergebildet, haben gelernt, nicht nur Dienende und Gebende zu sein, sondern zutiefst biblisch auch immer wieder gut auf sich selbst zu achten. Wir kfb-Frauen konnten vieles erreichen und bewirken und darauf sind wir auch stolz. Vieles, das heute ganz selbstverständlich ist, war in den Jahrzehnten zuvor überhaupt nicht denkbar. Aber es gibt nach wie vor noch viel zu tun.

 

Katharina von Siena ist seit 2014 die Patronin der kfb. Warum gerade diese Heilige?

Anna Rosenberger:  Die Auseinandersetzung der kfb Österreichs mit dem Diakonat der Frau führte dazu, dass wir uns der deutschen Initiative „Netzwerk Diakonat der Frau“, die immer am Gedenktag der heiligen Katharina von Siena Aktivitäten setzt, anschlossen.  2014 haben wir als kfb Österreichs beschlossen, uns Katharina von Siena als Patronin und Weggefährtin zur Seite zu stellen. Es gab intern darum zwar viele Diskussionen, weil sie so schlecht mit ihrem Körper umgegangen ist und sich so kasteit hat, aber letztlich war sie extrem mutig und hat für ihre Zeit Unglaubliches geleistet und erreicht. Und das ist ja unser Auftrag: mutig zu sein und unser Frausein zu leben. Unser Ziel ist es, alljährlich um den Gedenktag von Katharina von Siena am 29. April eine diözesane Katharinenfeier abzuhalten und so dieser Heiligen zu gedenken.


Wie zeigt sich der Mut der Frauen in der Kirche heute?

Anna Rosenberger:  Frauen haben  gelernt, zur Sprache zu bringen, was sie bewegt. Gerade die Frauen sind es – und darunter viele kfb-Frauen –, die sich in den Pfarren engagieren und mutig einbringen, die die Pfarren lebendig halten. Frauen setzen sich ein, gestalten und wirken mit. Sie zeigen ein großes Durchhaltevermögen trotz aller Widerstände, die Frauen nach wie vor erfahren. Frauen haben gelernt, ihren Glauben,  ihre Spiritualität zu leben – die zahlreichen Angebote von Frauenliturgien in unserer Diözese beweisen dies. Es sind großartige und mutige Frauen,  die sich als Pastoralassistentinnen, als Wort-Gottes-Feier-Leiterinnen, als Engagierte in den Pfarren einsetzen und der Kirche ein weibliches Gesicht geben.
 

Wo steht die kfb heute? Wird sie politischer?

Anna Rosenberger: Die kfb gehört als größte Gliederung zur Katholischen Aktion und als diese haben wir den Grundauftrag, auch gesellschaftspolitisch zu wirken. Natürlich gibt es Themen, zu denen wir uns als kfb einfach melden müssen, wenn wir zu unserem ,k‘ stehen wollen. Papst Franziskus hat ja gesagt: Sich in die Politik einzubringen, ist für Christen ein Muss. Gesellschaftspolitisch haben wir schon einiges erreicht bzw. müssen wir dranbleiben an den Themen, die uns bewegen und betreffen. Kirchenpolitisch haben wir wohl noch einiges zu tun. Die Frauen sind weit davon entfernt, in der Kirche Gleichstellung zu erleben. Als größte kirchliche Frauenorganisation sehe ich es als unseren Auftrag, Frauen, die eine Berufung in sich spüren, Stimme zu geben.


Wie will die kfb heute in der Kirche und in der Gesellschaft auf ihre Positionen aufmerksam machen?

Anna Rosenberger: Meine persönliche Position ist, nicht kämpferisch, sondern im christlichen Kontext aufeinander zuzugehen. Mit gegenseitiger Achtung und Wertschätzung und dass man dem oder der anderen ermöglicht, die eigene Position verstehen zu lernen, warum man sich benachteiligt fühlt. Ein schönes Bild gab es da für mich vor zwei Jahren, als wir uns der Schweizer Initiative „Kirche mit den*Frauen“ anschlossen und  mehr als 800 Frauen schweigend über den Petersplatz in den Dom einzogen. Und da stellte sich für mich die Frage: Was ist, wenn die Frauen in der Kirche verstummen? Meine Lieblingsstelle in der Bibel ist Genesis 1: ,Gott erschuf den Menschen als sein Abbild. Als Mann und Frau erschuf er sie.‘ Das ist ein Riesenauftrag, Abbild Gottes zu sein auf dieser Welt! Das gilt für Mann und Frau – in all unseren Unterschieden. Wir müssen nicht gleich werden, aber wir haben beide eine Berechtigung.
Interview: Sonja Planitzer

 

Das Fest

Tag: Am 28. April lädt die kfb St. Pölten ab 10 Uhr zur 70-Jahr-Jubiläumsfeier ein.  Auf dem Programm stehen: kurzer Frauenpilgerweg mit Stationen zum Dom; Grußworte und Dankliturgie im Dom; gemütlicher Ausklang mit Imbiss und Getränken.

Ort: Zusammenkommen um 10 Uhr bei den Pastoralen Diensten in der Klostergasse 15 in St. Pölten. Bei Schlechtwetter: Im Kreuzgang im Dom zu St. Pölten.

Anmeldung: kfb-Büro, Tel. 02742/324 3373; E-Mail: .

 

 

Katholische Frauenbewegung feiert 70-Jahr-Jubiläum


Die Katholische Frauenbewegung (kfb) wurde von der Bischofskonferenz Österreichs im Jahr 1947 für Österreich und im Jahr 1948 für die Diözese St. Pölten als offizielle Frauen-Laienorganisation der katholischen Kirche gegründet. Folgend ein Abriss über die wichtigsten Ereignisse in den letzten sieben Jahrzehnten.

1940er-Jahre: Nach dem 2. Weltkrieg gibt es kräftige Lebenszeichen von katholischen Fraueninitiativen: So finden am 22. August 1948 Wallfahrten nach Maria Taferl, Maria Dreieichen und Hohen­eich statt, an denen insgesamt 17.000 Frauen teilnehmen.

1950er-Jahre: Seit 1958 findet die „Aktion Familienfasttag“, die entwicklungspolitische Aktion der kfb, auch in der Diözese St. Pölten statt. Die Aktion ist die größte Sozialaktion Österreichs.

1960er-Jahre: Im Jahr 1963 gibt es zum ersten Mal ein Jahresthema und das lautet „Schritt halten mit der Zeit“. 1968 erscheint die erste Ausgabe von „kontakte“, der regelmäßigen Zeitschrift der kfb St. Pölten.

1970er-Jahre: Vorbereitung und Gespräche zur Diözesansynode (1972). 1972 startet die Aktion Missionskerzen. Und im Herbst 1979 ruft die kfb gemeinsam mit der Katholischen Jugend erstmals zur Weihnachtspackerlaktion auf.

1980er-Jahre: Für Frauen und Kinder in Notsituationen wird am 1. Dezember 1984 das Haus der Frau in Not in St. Pölten eröffnet. Im Herbst 1986 finden die ersten Selbstbewusstseinsseminare statt. Zum 30. Familienfasttag 1988 entsteht der bis heute bestehende und aktive kfb-Arbeiskreis „Entwicklungsarbeit“.

1990er-Jahre: Rainbows, ein Programm zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen bei Scheidung/Trennung der Eltern oder Verlust eines Elternteils beginnt mit der ersten Gruppe in der Diözese St. Pölten aufgrund einer kbf-Initiative. Erstmals wird im Arbeitsjahr 1997/98 die Arbeit der kfb in den Pfarren systematisch durch den jährlichen kfb-Jahresbericht erfasst.

2000er-Jahre: Am 17. März 2000 findet erstmals ein Benefiz­suppenessen im NÖ Landhaus statt. Die Seminarreihe „Frauen­herbst“ ist ein neues Angebot für Frauen in der Lebensmitte.

2010er-Jahre: 2011 wird die kfb St. Pölten als Erwachsenen- und Weiterbildungseinrichtung mit dem EBQ-Qualitätsgütesiegel zertifiziert. 2014 wird Katharina von Siena zur Patronin und Weggefährtin der kfb ernannt. 2015: Neuwahl der kfb-Diözesanleitung.

Quelle: kontakte/Ausgabe 1/2018