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Was Väter ihren Söhnen bedeuten

Foto: gpointstudio – stock.adobe.com

So mancher Vater ist sich vielleicht gar nicht bewusst, wie wichtig er für das Leben seiner Kinder ist. Besonders Söhne brauchen ihre Väter, um später selbstbewusst, kraftvoll und verantwortungsbewusst ihr Leben gestalten zu können.

Buben sind anders als Mädchen, nicht nur was ihren Körper, sondern auch was ihre Interessen und Bedürfnisse beim Heranwachsen betrifft. Welche Herausforderungen die Erziehung von Burschen mit sich bringt und was insbesondere Buben für eine gesunde Entwicklung brauchen, zeigt der Linzer Eduard Waidhofer, Psychologe mit Schwerpunkt Familien- und Männerberatung, in seinem neuen Buch „Jungen stärken“. Er betont dabei die Bedeutung, die Väter für ihre Söhne haben. Sie seien vor allem ein wichtiges Vorbild, sie geben ihren Söhnen Halt und Orientierung. „Vätern ist oft gar nicht bewusst, wie wichtig sie für ihre Kinder sind“, beobachtet Eduard Waidhofer in seiner langjährigen Praxis bei der Beratung von Männern.

In Kontakt und im Gespräch sein

Kinder bräuchten den emotionalen Kontakt zum Vater, so Waidhofer. Kinder „emotional engagierter“ Väter seien in der Regel selbstbewusster, leistungsfähriger und sozial kompetenter. Väter, die über einen „guten Draht“ zu ihren Kindern verfügen und Verantwortung für deren Wohl übernehmen, stärken damit ihre Kinder. Sie tun dies, indem sie Regeln aufstellen und für ihre Einhaltung sorgen, Interesse für die Lebenwelt der Kinder zeigen, Werte vermitteln und für die Kinder ansprechbar sind.

Dass Burschen sich anders entwickeln als Mädchen, lässt sich auch am männlichen Hormon Testosteron „ablesen“, das bereits in der achten Schwangerschaftswoche produziert wird. Nach dem ersten Lebensjahr sinkt der Testosteronspiegel, verdoppelt sich um das vierte Lebensjahr und steigt in der Pubertät um das Zwanzigfache an. Viele typisch „männlichen“ Verhaltensweisen lassen sich laut Waidhofer auf dieses Hormon zurückführen: geballte Energie, Risikobereitschaft, Grenzen austesten, die Vorliebe für „männliches“ Spielzeug.
Was Mann-Sein bedeutet, lernen Buben im Laufe ihrer Entwicklung in erster Linie durch den Vater. Sie brauchen ein authentisches Vorbild, mit dem sie sich identifizieren können und diese Identifikation setze im zweiten bis dritten Lebensjahr ein, so Waidhofer. Am Vorbild des Vater lernen sie, was Stärke und Selbstsicherheit bedeutet, wie eine positive und respektvolle Beziehung mit der Partnerin gelebt wird, wie man mit Leistung und Scheitern umgeht, wie man Verantwortung übernimmt.

Für die Entwicklung von Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit, also der Überzeugung etwas bewirken zu können, ist es wesentlich, dass der Vater gelassen „Fehler“ zulässt, ohne vorschnell Lösungen anzubieten. Ein Vater, der dem Sohn den Rücken stärkt, egal was passiert, kann ihm Flügel verleihen. Die Anerkennung und Wertschätzung des Vaters („Ich bin stolz auf dich!“) wirken segensreich für das gesamte weitere Leben.

Liebevolle und starke Führung

Pubertierende Burschen brauchen auch Grenzen und klare Ansagen. Für Burschen haben Grenzen sozusagen „einen Aufforderungs­charakter“, meint Eduard Waidhofer, eine Einladung zum Austesten. „Jungen brauchen eine liebevolle, aber auch starke Führung.“

Die Pubertät ist auch die Zeit der Ablösung vom Elternhaus: Der Sohn identifiziere sich zwar mit dem Vater, grenze sich aber auch zunehmend von ihm ab, meint Waidhofer. Der Sohn will anders werden als der Vater und lehnt ihn vielleicht sogar ab, um sich leichter von ihm zu lösen. Irgendwann müsse der Vater akzeptieren, dass der Sohn anders ist, als er sich das erhofft hatte. Das stellt laut dem Psychologen eine der größten Herausforderungen des Vaterseins dar und könne für den Vater eine schmerzliche Erfahrung sein. „Doch der Sohn wird trotzdem unbewusst viel vom Vater übernehmen“, so Waidhofer.

Eduard Waidhofer, Jungen stärken. So gelingt die Entwicklung zum selbstbewussten Mann. Verlag Fischer & Gann 2018, ca. 300 Seiten, Hardcover, Preis 22,70 Euro, ISBN 978-3-903072-68-8.