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Was mich trägt - Christine Cermak

Verantwortung gegenüber anderen – ein Porträt von Christine Cermak, Zwettl, 57 Jahre alt, verheiratet, Mutter von zwei erwachsenen Söhnen.

Eigentlich wäre sie derzeit mit ihrem Mann als Entwicklungshelferin in Papua Neuguinea. Doch ein heftiges Denguefieber ihres Gatten hat nach nur acht Wochen Einsatz diesen Traum von Christine Cermak zunichte gemacht. Nun versucht sie in ihrer Heimatstadt Zwettl „wieder anzukommen“, wie sie sagt. Und sie ist in ihren Beruf als Religionslehrerin zurückgekehrt.

Reisen und die Sehnsucht nach der Weite und anderen Kulturen haben Christine Cermak schon seit ihrer Jugend gepackt. Bereits damals träumte sie, einmal als Entwicklungshelferin zu arbeiten. Nach ihrer Schulzeit war sie zunächst im Wirt­schafts­ministerium beschäftigt, ehe sie 1989 über den ÖED (Österreichischer Entwicklungsdienst) mit ihrer Familie für drei Jahre in die Zentralafrikanische Repub­lik ging. Ihr war bewusst, dass Menschen in Ländern des Südens Hilfe und Unterstützung brauchen: „Wir leben in Wohlstand und haben so viele Möglichkeiten, die andere nicht haben.“ Man habe daher Verantwortung gegenüber jenen, denen es nicht so gut geht.

Nach ihrem Einsatz in Afrika hat Christine Cermak ihr Leben neu orientiert. Eine Firmvorbereitung mit Jugendlichen hat sie dazu angeregt, erinnert sie sich. Sie absolvierte in Wien die berufsbegleitende Ausbildung zur Religionslehrerin. „Dabei habe ich selbst viel über meinen Glauben erfahren“, weist sie hin. Nun ist sie seit 18 Jahren als Religionslehrerin in Rastenfeld und weiteren Volksschulen tätig. In all diesen Jahren hat sie die Verantwortung für andere Menschen nie aus den Augen verloren. Sie hat mit einem Team den Weltladen in Zwettl gegründet und diesen bis 2017 geleitet. Aus ihren Einsätzen weiß sie: Es gibt noch viel zu tun, um die Welt gerechter zu machen. Es sei gleichsam eine moralische Pflicht, mit jenen Menschen zu teilen, die keine so guten Voraussetzungen haben. Dies zeigt sich auch darin, dass sie mit ihrem Gatten Andreas die Flüchtlingsinitiative „Willkommen Mensch“ in Zwettl gegründet hat. Die Erfahrungen darin waren jedoch sehr ambivalent.

Wenn auch ihr großer Traum vom Einsatz in Papua Neuguinea nicht in Erfüllung gegangen ist, ist sie dennoch überzeugt, dass alles im Leben Sinn hat. So auch die aktuelle Situation. Christine Cermak will weiterhin ihre Überzeugung und ihr Engagement für Menschen im globalen Süden, soweit es ihr möglich ist, einsetzen. Von Hans Pflügl