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Interview mit Bischof Schwarz

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Was früher in den Gärten wuchs

Die mittelalterlichen Klöster waren es, die das vielfältige gärtnerische Wissen der Antike sammelten, bewahrten und weitergaben. Die Klostergärten dienten damals sowohl der Selbstversorgung mit Nahrung sowie als Apotheke. Über ihren Nutzen hinaus waren sie Orte der Erholung und der Erbauung.

Das reiche gärtnerische Wissen der Antike drohte unterzugehen. Es waren die damals noch jungen Klöster, die Kenntnisse über Pflanzen und über Techniken des Gartenbaus sammelten, bewahrten und den kommenden Generationen überlieferten. Für die Mönche und Nonnen des Mittelalters waren Gärten – wie für alle Menschen – überlebenswichtig, denn sie brachten Nahrung sowie Würz- und Heilmittel. Die Klöster hatten sich selbst zu versorgen und waren zudem wichtige medizinische Zentren für die Allgemeinheit. „Das Kloster soll, wenn möglich, so angelegt werden, dass sich alles Notwendige, nämlich Wasser, Mühle und Garten, innerhalb des Klosters befindet und die verschiedenen Arten des Handwerks dort ausgeübt werden können“, schreibt Benedikt von Nursia in seiner Regula Benedicti im 6. Jahrhundert nach Christus.

Drei verschiedene Gärten

Die Gärten des Mittelalters sind natürlich verschwunden, doch es gibt Schriften und Bilder aus diesen Jahrhunderten. Aus dem frühen Mittelalter ist ein wertvolles und einzigartiges Dokument erhalten: der berühmte St. Gallener Klosterplan, der einzige Bauplan aus dem frühen Mittelalter (um 820), gezeichnet von Mönchen auf der Insel Reichenau. Er zeigt ein ideales Kloster und enthält drei verschiedene Gärten: einen Arzneikräutergarten, einen Obstgarten (auf dem Friedhof) sowie einen Gemüsegarten. In die Beete sind die Namen der hier wachsenen Pflanzen eingetragen. Im selben Kloster schrieb Abt Wa­lahfrid Strabo um 840 ein Garten-Lehrgedicht, in dem er 24 Heilpflanzen genau beschrieb.

Die lange Liste Karls

Beide Dokumente basieren auf einem der wichtigsten Werke der Gartenbaukultur des Mittelalters: dem „Capitulare de villis“ Karls des Großen, einer Verordnung des Königs für den Betrieb der königlichen Gutshöfe. Das Hauptaugenmerk Karls lag dabei eindeutig auf Essbarem: Bohnen, Erbsen, Kohl, Mangold und Salat waren die Hauptnahrungsmittel dieser Zeit. Auch Apfelbäume sind stark vertreten, wie etwa der Speierling, eine alte Apfelsorte. Auch heute eher seltene Pflanzen wie Mauskraut, Siegwurz oder Donnerkraut wollte Karl in seinen Gärten sehen sowie zahlreiche Heilkräuter: Es finden sich Abführmittel sowie Pflanzen gegen Husten und andere Unpässlichkeiten. Die Kräuter hatten einen hohen Stellenwert: Auf dem St. Gallener Klosterplan ist der Kräutergarten in nächster Nähe zum Arzt- und Apothekerhaus, zum Badehaus für die Kranken und zum „Haus für Aderlässe und die Einnahme von Medizin“ eingezeichnet. Aber auch Blumen (Rosen, weiße Lilien, Schwertlilien) werden aufgelistet, die sowohl wegen ihrer Heilkraft als auch wegen ihres Dufts und ihrer Heilung spendenden Schönheit angepflanzt wurden.

Primeln und Pfingstrosen

Mittelalterliche Gärten waren offenbar sehr vielfältig. Der Archäobotaniker Andreas G. Heiss hat in Niederösterreich nach den Spuren mittelalterlicher Gärten gesucht und Pflanzen unterschiedlicher Herkunft gefunden: neben echten „Mitteleuropäerinnen“ wie Pri­meln, Himmelsleiter oder Akelei auch Pflanzen aus Vorderasien wie die Pfingstrose oder aus dem Mittelmeerraum den Goldlack. Von den Römern hatte man ein großes Spektrum an Küchenkräutern übernommen, wie etwa Liebstöckel, Salbei und Lavendel. Auch eine große Vielfalt bei Gemüsepflanzen kann Andreas G. Heiss nachweisen. In Niederösterreich sind Weißkraut und Rotkraut sowie wahrscheinlich der Wirsingkohl bekannt gewesen, allerdings haben Karfiol, Brokkoli, Kohlrabi und Kohlsprossen erst ab der Renaissance den Weg in die mitteleuropäischen Gärten gefunden. Heiss fand weiters verkohlte Samen der Salatgurke: Ursprünglich aus Indien stammend, tauchte dieses Gemüse ab den Frühmittelalter in unseren Breiten auf. Auch die Hanfkultur nahm um diese Zeit zu.

Die Natur als „Spiegel“

Klostergärten waren nicht nur nach nützlichen Kriterien angelegt, sie dienten auch der Erholung und der Erbauung. Weil man den engen Zusammenhang zwischen Natur und Religion sah, berücksichtigte man bei der Pflanzung auch den Symbolwert der Pflanzen. So beginnt Abt Walahfrid Strabo seine Kräuter-Beschreibung mit dem Salbei, der die bedeutendste Heilkraft habe, und endet mit der Rose, die die stärkste Symbolkraft besitze. Die Rose erinnerte die Menschen damals an die Gottesmutter Maria, ebenso wie Lilie, Pfingstrose und Akelei. Einige Pflanzen erhielten christianisierte Bezeichnungen: Georgenkraut statt Baldrian, Johanniskraut oder Jageteufel statt Hartheu. Die Obstbäume stellten mit ihrem Vegetationsrhythmus ein Sinnbild der Auferstehung dar, weshalb der Baumgarten oft auch als Klosterfriedhof diente. Immergrüne Pflanzen wie Efeu oder Rosmarin verwiesen auf das ewige Leben. Und jeder Garten war gleichsam ein Abbild des Garten Edens. Patricia Harant-Schagerl

 

Ausstellung

Durch tausend Jahre Gartengeschichte führt die Sonderausstellung „Garten – Lust.Last.Leidenschaft“ im Museum Niederösterreich in St. Pölten: von der neolithischen Revolution und der keltischen Landwirtschaft über Karl den Großen, die mittelalterlichen Klostergärten, die Barockgärten bis hin zu den Not-, Armen- und Schrebergärten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sowie aktuellen Garten-Trends.
Geöffnet Dienstag bis Sonntag, jeweils 9 bis 17 Uhr.