Interview mit Bischof Schwarz

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Vor 300 Jahren geboren ­– der „Kremser Schmidt“

Der große niederösterreichische Barockmaler Martin Johann Schmidt, genannt der „Kremser Schmidt“, wäre heuer 300 Jahre alt geworden. Der „Meister des Hell und Dunkel“ wurde in Grafenwörth bei Krems geboren und in der dortigen Pfarrkirche am 25. September 1718 getauft. Mehrere Ausstellungen widmen sich im Jubiläumsjahr dem Schaffen des Künstlers.

Als „den letzten großen Maler des religiösen Andachtsbildes“ bezeichnete der Kunsthistoriker Rupert Feuchtmüller den „Kremser Schmidt“ in seiner 1989 verfassten über 600 Seiten starken Monographie über den Künstler. Von 1749 bis zu seinem Tod am 28. Juni 1801 wohnte Martin Johann Schmidt in Stein an der Donau und prägte mit seinen zahlreichen Werken die sakrale Kunstlandschaft vor allem der österreichischen Donauländer, indem er viele ihrer Kirchen und Klöster mit seinen Gemälden ausstattete.

Sein Vater, Johann Schmidt (1684-1761), stammte aus Oberhessen und war Bildhauer. Im Zug der regen Bautätigkeit der Barockäbte im Donauraum kam er nach Grafenwörth und trat in den Dienst des Stiftes Dürnstein, wo er an der künstlerischen Ausgestaltung wesentlichen Anteil hatte. Sohn Martin Johann durfte auf die Baustelle mitkommen und machte auch die Bekanntschaft mit Malern. Der junge Schmidt nutzte durch die Vermittlung seines Vaters die Möglichkeit, die umfangreichen Grafiksammlungen der Donaustifte Dürnstein und später auch Göttweig für Studienzwecke zu verwenden. Seine Ausbildung erhielt er beim Maler Johann Gottlieb Starmayr, fand aber unter dem Einfluss der in Niederösterreich tätigen Künstler wie Paul Troger, Martino Altomonte und Johann Georg Bergmüller bald zu einem eigenständigen Stil. Vor 1750  dürfte er eine Studienreise nach Oberitalien absolviert haben, da sich insbesondere in seinem Zeichenstil, aber auch in der malerischen Handschrift seiner frühen Ölgemälde Anregungen daraus finden.

Schon bald sind die Werke Martin Johann Schmidts gekennzeichnet von der stimmungsvollen, warmen Hell-Dunkel-Malerei – ein Charakteristikum des „Kremser Schmidt“. Meist wird biblisches Geschehen wiedergegeben. Besonders kunstvoll dabei: seine Lichtführung, die Wesentliches hell erleuchtet und hervorhebt. Weniger Wichtiges wird bloß von Lichtreflexen gestreift, alles Übrige versinkt in nur undeutlich strukturiertem Dunkel.
Martin Johann Schmidt war ein äußerst sesshafter Künstler und verließ Krems-Stein nur sehr selten. Dass sich seine Arbeiten trotzdem im gesamten Raum des ehemaligen Habsburgerreiches finden – oft sogar in entlegenen Landpfarrkirchen – lässt sich auf die guten Beziehungen zu mehreren Orden zurückführen. Er führte deren Aufträge in seiner Werkstatt aus, um dann die fertigen Gemälde an die jeweiligen Bestimmungsorte zu verschicken.

Seine große Bedeutung erlangte er in erster Linie durch die unverwechselbaren Ölgemälde. Von Stein aus lieferte er die Werke in Stifte, Kirchen und Schlösser in Nieder- und Oberösterreich, Kärnten und in der Steiermark. Aber auch in Salzburg, Bayern, Böhmen, Mähren, Slowenien und Ungarn findet man Arbeiten des „Kremser Schmidt“. Große Bestände aus dem Schaffen des Künstlers verwahren die Stiftssammlungen von Göttweig und Seitenstetten. Mit dem Benediktinerstift Seitenstetten verband den „Kremser Schmidt“ schon seit seiner frühen Schaffenszeit eine enge Beziehung. Er hielt sich auch mehrmals in dem Mostviertler Kloster auf. Als Hauptwerk gestaltete er das Sommerrefektorium und den Maturasaal aus.

Wie viele Einzelwerke des Künstlers insgesamt noch erhalten sind, da gehen die Zahlen auseinander. In einer Aussendung des Stiftes Seitenstetten, das dem „Kremser Schmidt“ heuer ebenfalls eine Ausstellung widmet, ist von 2000 nachgewiesenen Ölbildern die Rede. Dazu kommt ein großes zeichnerisches und druckgraphisches Lebenswerk, sowie
u. a. Deckenfresken wie jene in Krems, Dürnstein, Göttweig und Herzogenburg.

Kunst, die das Gemüt anspricht

Über Charakter, Wesen und Art des „Kremser Schmidt“ gibt es nur wenige Zeugnisse. Er dürfte aber ein einfacher, bürgerlicher, sparsamer und bis ins hohe Alter sehr fleißiger Mann gewesen sein.
Martin Johann Schmidts Kunst vermag jedenfalls das Gemüt des Betrach-ters spontan anzusprechen. „Durch ihre menschlichen, den Beschauer direkt anrührenden Dimensionen und Stimmungsmomente erlangte seine Malerei außerordentliche Beliebtheit und Volkstümlichkeit“, heißt es im Vorwort des Ausstellungskatalogs des St. Pöltner Diözesanmuseums, das noch bis 31. Oktober die „Kremser Schmidt“-Sonderschau „Out of the Dark – Das Strahlen des Sakralen“ zeigt. F. Bertl

 

Kremser Schmidt Relecture

Acrylbilder nach Motiven des Barockmalers Martin Johann Schmidt präsentiert der Künstler Raphael Bergmann vom 25. September 2018 bis 10. Feb-ruar 2019 im Bildungshaus St. Hip-polyt in St. Pölten. „Imaginär begebe ich mich wie ein Malergeselle aus der Zukunft in das Atelier des ‚Kremser Schmidt‘ und arbeite frech beim Entstehen der Bilder mit. Meine Farbgebung ein wenig geprägt durch die Pop-Art, die Formgebung durch die abstrakte Malerei, meine Einstellung zu den religiösen Themen gefiltert durch Philosophie und Theologie seit der Aufklärung“, so der Künstler zu seiner Arbeit. www.hiphaus.at.

 

Weltberühmt in Krems

„Weltberühmt in Krems. Vom Kremser Schmidt zu Padhi Frieberger“ ist der Titel der Ausstellung der Landesgalerie Niederösterreich im museumkrems zum 300. Geburtstag des „Kremser Schmidt“, die noch bis 28. Oktober in Krems zu sehen ist. www.landesgalerie-noe.at/de/Kremser-Schmidt.