Interview mit Bischof Schwarz

Kirche bunt ABO

Banner Kirche Bunt

 
 

Valletta und Leeuwarden – Europas Kulturhauptstädte 2018

Valletta, die kleinste und die südlichste Hauptstadt der EU, und Leeuwarden im Norden der Niederlande laden heuer als Europäische Kulturhauptstädte mit vielen Veranstaltungen und Projekten die Besucher ein.

Valletta, die maltesische Hauptstadt im Mittelmeer, und Leeuwarden, die Hauptstadt der niederländischen Provinz Westfriesland, verbindet nicht nur, dass sie heuer gemeinsam die Europäischen Kulturhauptstädte sind, sondern auch ein wichtiges Nahrungsmittel: die Erdäpfel. Seit 1850 werden jedes Jahr gegen Ende September die ersten Saaterdäpfel aus der nordfriesischen Gemeinde Het Bildt nach Malta verschifft. Im März kommen die neuen Erdäpfel zurück. In Vorbereitung auf das heurige Jahr gibt es seit 2014 ein ungewöhnliches literarisches Projekt: Es werden mit den Saatkartofeln friesische Gedichte nach Malta geschickt. Zurück kommen Erdäpfel mit maltesischen Gedichten.

Aber noch etwas verbindet die beiden Städte: die Zweisprachigkeit. Während es in Leeuwarden Friesisch und Niederländisch sind, sind es in Valletta die Sprachen Malti, eine semitische Sprache mit vielen englischen und italienischen Lehnwörtern, und Englisch. Denn bis 1964 war die Insel im Mittelmeer britische Kolonie. Daran erinnert heute auch die Tatsache, dass auf Malta die Autos links fahren.
Malta ist mit einer Größe von 316 Quadratkilometern und rund 430.000 Einwohnern das kleinste Land in der Europäischen Union, Valletta, auch „die Schöne“ genannt, ist mit weniger als 6.000 Einwohnern deren kleins­te Hauptstadt.

Jahrelang machte die Republik Malta kaum von sich reden. Spätestens seit dem Mord an der regierungskritischen Journalistin und Bloggerin Daphne Caruana Galizia wird der kleine Inselstaat international kritisch beäugt. Das Land steht als Steuerparadies am Pranger. Und seit Veröffentlichung der sogenannten „Panama-Papers“ liegen Korruptionsvorwürfe in der Luft. Umso willkommener ist der Regierung nun, dass die Hauptstadt des Landes in den kommenden Monaten positive Schlagzeilen als Europäische Kulturhauptstadt produzieren wird. Zehn Jahre hat man sich darauf vorbereitet. Über das Jahr wird es in Valletta und in vielen weiteren Orten auf den beiden Hauptinseln hunderte von Veranstaltungen geben. Der offizielle Auf­takt erfolgte am 14. Jänner – u. a. mit der Eröffnung der großen Ausstellung unter dem Titel „Malta. Land des Meeres“, die von der gebürtigen Linzerin Maren Richter kuratiert wird. Das Motto der Kulturhauptstadt lautet „Festa“ (Feier). Denn die Malteser feiern gern. Eines der größten Feste findet am 10. Februar statt. Dann wird jenes Schiffbruches gedacht, den der Apostel Paulus vor der maltesischen Küste erlitten haben soll. Nach ihm ist auch eine Kirche in Valletta benannt.

Es heißt, im katholischen Malta gebe es 365 Kirchen, für jeden Tag des Jahres eine. Juwel der Altstadt ist die Johannes-Kathedrale, errichtet zwischen 1573 und 1578. Dort hängt auch das einzige von Caravaggio (1571-1610) signierte Ge­mälde, die „Enthauptung Johannes des Täufers“. Der Maler war Anfang des 17. Jahrhunderts vor einer Mordanklage von Rom nach Malta geflohen.
Die Festung Valletta war schon immer umkämpft. In den vergangenen 2.500 Jahren herrschten dort erst die Römer, dann die Araber – und schließlich der Malteserorden. Für Afrikaner war Malta lange Zeit das Tor nach Europa. 360 Kilometer sind es ins libysche Tripolis. Viele Namen der Straßen, die im Karree angelegt sind, beginnen mit „Al-“. Überhaupt übernahmen die Malteser so einige Wörter von den Arabern.

Niederländisch und Friesisch

2042 Kilometer Luftlinie nordwestlich von Valletta findet sich Leeuwarden – die Hauptstadt der Provinz Friesland im Norden der Niederlande. Etwa drei Viertel der 650.000 Provinzeinwohner sprechen neben Niederländisch auch „Frysk“, also Friesisch. Leeuwarden liegt wie viele friesische Gemeinden unter dem Meeresspiegel – rund 110.000 Menschen leben dort.
Offiziell eröffnet wird die Kulturhauptstadt am letzten Jänner-Wochenende. Das Motto lautet „iepen mienskip“: das ist Westfriesisch und bedeutet „offene Gesellschaft“. Man will durch zahlreiche Performances und Workshops einen gesellschaftlichen Wandel hin zu mehr Offenheit und Nachhaltigkeit anstoßen. Neben klassischen Ausstellungen bietet Leeuwarden zahlreiche partizipative Projekte, wie wöchentliche Diskussionsveranstaltungen. Auch in Leeuwarden sind hunderte Veranstaltungen und viele Projekte geplant. Eines der Projekte heißt „Unter den Türmen“, damit soll leerstehenden Dorfkirchen in Leeuwarden und Umgebung neues Leben eingehaucht werden.


Durch das Projekt zeigen sich die großen Herausforderungen für die Kirchen in den Niederlanden insgesamt. So ist die römisch-katholische Kirche zwar die größte Einzelkirche, aber rund 1,2 Prozent der Bevölkerung besuchen am Sonntag die Kirche. Schon vor Jahren beklagte Erzbischof Willem Jacobus Eijk von Utrecht, dass „jährlich 100 Kirchen geschlossen werden“ müssen.
Ein (unvollendeter) Kirchturm ist  das Wahrzeichen der Stadt – der „Oldehoven“. Der Turm sollte an eine Kirche angebaut werden. Doch das Projekt ging im wahrsten Sinne des Wortes schief: Während der Bauarbeiten sackte der rund 120 Meter hohe Turm immer wieder ab und so steht er heute ein wenig krumm da und erinnert an den schiefen Turm von Pisa.

Ein kleines Amsterdam

In der „Grote Kerk“, der großen Kirche in Leeuwarden, liegen die Gebeine von Maria Luise von Hessen-Kassel, Fürstin von Nassau-Diez und Prinzessin von Oranien. Sie gilt als Mutter des europäischen Adels. Zu ihren Nachfahren gehören die englische Queen Elizabeth II. und der niederländische König Willem-Alexander. Bekannt ist Leeuwarden aber auch als Geburtsort von drei anderen bekannten Menschen: Die Tänzerin und Spionin Mata Hari ist hier als Margaretha Zelle aufgewachsen. Der Graphiker und Zeichner Maurits Cornelis Escher wurde in Leeuwarden geboren – ebenso wie Rembrandts große Liebe Saskia von Uylenburgh.
Die Leeuwardener Altstadt erinnert sehr an Amsterdam. Aus den hohen Fenstern der rötlich-braunen Backsteinhäuser scheint abends das Licht der Wohnstuben auf das Pflaster. Gardinen haben die wenigsten. Niemand stört sich daran, dass man von der Straße aus das Leben drinnen beobachten kann. Und im heurigen Jahr hofft man wohl, dass viele Besucher durch die malerische Innenstadt bummeln werden.  Sop

 

EU-Kulturhauptstadt 2024

Im Jahr 2024 wird Österreich eine der beiden Kulturhauptstädte Europas stellen – und das nach Linz im Jahr 2009 und Graz im Jahr 2003 – bereits zum dritten Mal. Im September des Vorjahres gab St. Pölten als erste Stadt seine Kandidatur für den Titel „Europäische Kulturhauptstadt 2024“ bekannt. Dabei soll die ganze Region eingebunden werden. Die Kosten der Bewerbung in Höhe von 2,4 Millionen Euro teilen sich die Stadt St. Pölten und das Land Niederösterreich zu gleichen Teilen.

Neben St. Pölten haben auch andere Städte bzw. Regionen ihr Interesse bekundet – darunter Bad Ischl und das Salzkammergut, die Region Obersteiermark West oder die Region Rheintal (mit Bregenz, Dornbirn, Feldkirch und Hohenems). Bis Ende 2018 läuft die erste Bewerbungsfrist. Nach der Jurysitzung im Frühjahr 2019 wird eine Shortlist der aussichtsreichsten Bewerber veröffentlicht. Die in die engere Auswahl gekommenen Städte müssen ihre Konzepte danach präzisieren. Die finale Bekanntgabe der Kulturhauptstadt erfolgt im Dezember 2019 durch eine unabhängige und internationale EU-Jury.