Das Kirche bunt Team bei der Verabschiedung von Mag. Josef Wessely, dem langjährigen Chef vom Dienst, mit Bischof DDr. Klaus Küng, mit Generalvikar Prälat Mag. Eduard Gruber, dem neuen Herausgeber von Kirche bunt und mit Weihbischof Dr. Anton Leichtfriednton Leichtfried

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Trauernde trösten ist gelebte Barmherzigkeit

Kirche bunt-Fastenserie. Folge 2 von P. DR. Pius Maurer OCist. „Niemand soll traurig werden im Haus Gottes“, schreibt der heilige Benedikt von Nursia in seiner Klosterregel (Kapitel 31, Vers 19). Gott hat für den Menschen kein Leben der Traurigkeit bestimmt, sondern ein Leben in Fülle, ein Leben der Zufrieden­heit und der geistlichen Freude, sagt doch Jesus: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10). Wir leben aber in einer Welt, in der es auch viel Leid und Krankheit, sogar Katastrophen und den Tod gibt.

Vor einigen Jahren erschien der amerikanische Bestseller „Die Hütte“ von William P. Young. Der Vater einer glücklichen Familie kann nicht verhindern, dass seine jüngste Tochter entführt und Opfer eines tödlichen Gewaltverbrechens wird. Aus erster Fassungslosigkeit entsteht eine tiefe Traurigkeit. Es gibt so etwas wie diese große Traurigkeit. Sie überzieht und prägt das Leben eines Menschen und oft sogar seiner ganzen Familie. Sie färbt alles grau ein und raubt dem Menschen viel Kraft. Sie wirkt lähmend, hält ge-fangen, macht resignativ und lässt den Alltag trüb und hart erscheinen. Das Buch (bzw. mittlerweile auch der Film) „Die Hütte“ lassen den Vater der Familie einen tiefen Lernprozess durchmachen und eine geheimnisvolle Begegnung mit Gott erleben. Die Geschichte geht gut aus, nicht weil die jüngste Tochter wieder in das irdische Leben zurückkehren würde, sondern weil der Vater und dann seine ganze Familie eine ganz andere, eine vertiefte Lebenseinstellung gewinnen.

Verschiedene Ursachen – verschiedene Hilfe

Die Ursachen von großer Traurigkeit können sehr verschieden sein, zum Beispiel der Tod eines lieben Menschen, ein eigener schwerer Fehler, eine schlimme Krankheit, Depressionen, Misserfolg, schlimme Nachrichten und vieles mehr. Sicher: je nach Ursache braucht es auch verschiedene Hilfen. Bei krankhaften Depressionen ist eine psychotherapeutische Behandlung unverzichtbar.
„Trauernde trösten“: Dieses Werk der Barmherzigkeit ist insofern nicht einfach, als die Ursache der Trauer oft nicht beseitigt werden kann. Tote auferwecken, geschehene grobe Fehler wieder rückgängig zu machen, unheilbare Krankheiten zu heilen, hier stößt der menschliche Helfer an seine Grenzen. Und doch gibt es Möglichkeiten, Trauernde wieder aufzurichten.

Zuhören – und Worte des Trostes

Wer ein tragisches Schicksal durchmacht, erfährt manchmal auch Isolation. Es ist Angst von Seiten der Mitmenschen da, den Trauernden falsch anzureden oder ihm weh zu tun oder ihn zum Weinen zu bringen. Aber gerade für Trauernde ist es gut, nicht allein gelassen zu werden. Das Sprichwort: „Geteiltes Leid ist halbes Leid“, hat viel Wahres. Das einfache Zuhören, das miteinander Reden kann zumindest ein wenig das Leid lindern.  Auch für das miteinander Weinen braucht man sich nicht zu schämen. Das ist doch menschlich! Dem Trauernden hilft es manchmal, sein Fragen einfach auszusprechen oder herauszuschreien: „Warum lässt Gott das zu?“ Dieses Fragen braucht nicht
beantwortet zu werden. Niemand kann es wirklich beantworten. Es ist genauso berechtigt wie das Wort Jesu am Kreuz: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mk 15,34).
Wer sehr Trauriges erlebt hat, macht verschiedene Phasen der Trauerverarbeitung durch. Nach einer gewissen Zeit ist es gut für den Trauernden, wieder in den normalen Alltag zurückzukehren. Nach dem Motto: „Das Leben geht weiter“, oder: „Das Leben muss weitergehen“, kann der Tröstende dem Trauernden mitunter helfen, wieder zur gewohnten Arbeit oder zu den üblichen Beschäftigungen oder zu einer bisher geschätzten Freizeitbeschäftigung zurückzukehren. Wer trösten will, tut gut daran, Mut zuzusprechen und das Lob für Lobenswertes auch auszusprechen.

Besonders wer selbst schon viel mitgemacht hat, kann andere leichter trös­ten, weil da ein gewisses Verständnis und besondere Empfindsamkeit gereift sind. Eine Bekannte, die sehr früh ihren Gatten verloren hatte, hat schon manchen mit dieser ihrer Erfahrung geholfen: „Nach viel Trauer und zahlreichen Tränen wurde mir bewusst: Ich muss das jetzt annehmen, wie es ist. Selbstmitleid führt mich nicht weiter. Ich muss versuchen, meine Situation zu akzeptieren.“

Hoffnung

Wer tröstet, sollte vor allem ein Hoffnungsgeber sein. Es besteht immer die Hoffnung, dass wieder bessere, schönere Momente kommen. Die Hoffnung stirbt nämlich nie, wie Kardinal Christoph Schönborn in Ansprachen immer wieder betont. Die Hoffnung bleibt und führt uns durchs Leben und einst ins ewige Leben.

Gott miteinbeziehen

Einen Trauernden zum Gebet hinführen, auch das kann zum Trost beitragen. Das Beten ist ein Ausdruck der Hoffnung. Das Beten weitet den Blick für die Welt Gottes. Das Beten öffnet uns für Gott und ermöglicht ihm, auf unser Leben helfend einzuwirken. In Fragen des Tros­tes sollten wir auch auf den Heiligen Geist nicht vergessen. Es heißt nicht grundlos in der christlichen Liturgie: „Komm, o komm, du Tröster mein!“ Der Heili­ge Geist vermag es, gute Gedanken einzugeben, eine vertiefte Lebenseinstellung zu schenken und – von innen her – Trost zu spenden.

 

Impulse

  • Die Trauernden nicht alleine lassen. Ein Anruf, ein Gespräch, ein Besuch kann, je nach Situation, helfend wirken.
  • Die Trauernden alles aussprechen lassen, was ihnen am Herzen liegt: auch Kritik, Zweifel an Gott, Schuld­gefühle, Angst. Das wirkt befreiend.
  • Den Trauernden zuhören und das Leid nicht verharmlosen, aber Worte oder Zeichen der Hoffnung schenken.

 

Der Autor

P. Dr. Pius Maurer OCist wurde 1971 geboren, seine Heimatpfarre ist Unterdürnbach bei Maissau. 1989 trat er in das Zisterzienserstift Lilienfeld ein und studierte an­schlie­ßend Theologie in Heiligenkreuz, Rom und Jerusalem. 2002 erwarb er das Doktorat am Päpstlichen Liturgischen Institut Sant’Anselmo in Rom. Er ist Prior des Stiftes Lilienfeld und Professor für Liturgiewissenschaft an der Phil.-Theol. Hochschule St. Pölten und wirkt als Pfarrer in Lilienfeld sowie als Excurrendo-Provisor von Traisen.