Interview mit Bischof Schwarz

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„Stille Nacht“ – ein Lied berührt die Welt

Vor 200 Jahren am Heiligen Abend im Jahr 1818 erklang „Stille Nacht, heilige Nacht“ zum ersten Mal. Von Oberndorf im Salzburgerland eroberte das Lied die Welt und ist heute das Weihnachtslied schlechthin. Viele verbinden mit „Stille Nacht“ auch ganz persönliche Geschichten.

Für Papst Franziskus fasst das Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ das Geheimnis der Geburt Jesu auf besondere Weise zusammen. „In seiner tiefen Schlichtheit lässt uns dieses Lied das Geschehen der Heiligen Nacht begreifen“, so der Papst, dem an­lässlich des heurigen 200-Jahr-Jubiläums eine Delegation österreichischer Abgeordneter bei der Generalaudienz am 12. Dezember die Benefiz-CD „200 Jahre Stille Nacht, heilige Nacht – Ein Lied geht um die Welt“ übergeben wurde. Darauf singen Politikerinnen und Politiker aller Parlamentsfraktionen Weihnachtslieder. „Jesus, der Retter, der in Betlehem geboren wurde, offenbart uns die Liebe Gottes des Vaters. Ihm wollen wir unser ganzes Leben anvertrauen“, sagte Franziskus und bekannte zugleich, dass „Stille Nacht, heilige Nacht“ sein Lieblingslied ist.

Ein Lied, das zu Weihnachten weltweit erklingt

In mehr als 300 Sprachen wurde das Lied übersetzt und für Millionen Menschen weltweit gehört „Stille Nacht, heilige Nacht“ einfach zu Weihnachten dazu. In den Pfarren wird es traditionell am Ende der Christmette und beim Hochfest am Christtag gesungen, es erklingt bei den Weihnachtsfeiern in Krankenhäusern oder Pflegeheimen – und natürlich wird es in den Familien unterm Christbaum gesungen. Wenn es erklingt, steigen in der Seele verschiedene Bilder auf. Und viele verbinden damit Kindheitserinnerung und Erinnerungen an erste musikalische „Auftritte“ im Kreise der Lieben. Wie Erich Wagner-Walser, Direktor des Bildungshauses St. Hippolyt in St. Pölten: „Ich war vielleicht neun oder zehn Jahre alt und hab das Lied auf der Gitarre spielen gelernt. Ich war sehr stolz, als ich es am Heiligen Abend in der Familie begleiten durfte.“

Viele Erinnerungen – vor allem musikalischer Art – verbindet auch Lucia Deinhofer, die gemeinsam mit ihrem Mann Johannes das Bildungshaus St. Benedikt in Seitenstetten leitet, mit „Stille Nacht, heilige Nacht“. Etwa daran, als sie beruflich bei den 

Pastoralen Diens­­ten in St. Pölten tätig war und zu Weihnachten beim Anlasschor mitsang, um die Weihnachtsgot­tesdienste für die Insassen der Justizanstalt St. Pölten zu verschönern. „Der Gesichtausdruck dieser Menschen währ­end wir ,Stille Nacht, heilige Nacht‘ sangen, prägte sich wohl im voll besetzten Saal bei uns Mitwirkenden in besonderer Weise ein – bis heute.“

Heuer zu Weihnachten wird für Lucia Deinhofer und ihre Familie die internationale Bedeutung des Liedes aus Österreich im Besonderen spürbar, da ihr Sohn seinen einjährigen Auslandszivildienst in Südindien mit Straßenkindern leistet. „So werden wir wohl mit ihm in der Heiligen Nacht per Skype zumindest „Stille Nacht“ in deutscher und vielleicht in der indischen Regionalsprache Cannada singen. So wird einmal mehr bewusst, dass die freudige Botschaft von der Geburt Jesu in allen Ländern der Welt ankommt.“

Stille Nacht – ein Lied, das Menschen berührt

Mit „Stille Nacht, heilige Nacht“ verbindet so mancher aber auch besondere Erinnerungen an bestimmte Menschen. Barbara B., Mutter von drei erwachsenen Töchtern, erzählt: „Meine Mutter liebte es, wenn wir in der Familie vielstimmig ,Stille Nacht, heilige Nacht‘ gesungen haben. Als sie vor vier Jahren im Oktober starb, war die Trauer natürlich groß und wir hatten alle regelrecht Angst vor dem ers­ten Weihnachtsfest  ohne Oma und vor dem Singen ihres so geliebten Weihnachtsliedes.“ In Erinnerung an die Mutter beschlossen Barbara, ihr Mann, ihre Töchter und deren Freunde eine besondere Ges­te am Nachmittag des Heiligen Abends zu setzen: „Wir sind zum Friedhof gegangen, haben uns um das Grab meiner Eltern aufgestellt, gebetet und dann haben wir vielstimmig – so wie es meine Mutter liebte – ,Stille Nacht, heilige Nacht‘ gesungen. Für uns war das ein ganz besonderer Moment, der uns unsere Mutter ganz nahe brachte und uns alle sehr getröstet hat.“ Dieser Gang zum Friedhof wird nun alljährlich in dieser Weise fortgeführt.

„… schlafe in himmlischer Ruh!“

Auch die Mundartdichterin Veronika Kiemayer aus der Pfarre Ulmerfeld-Hausmening verbindet „Stille Nacht, heilige Nacht“ mit einer Erinnerung an ihre verstorbene Mutter: „Wir waren vier Kinder, unsere Mutter starb zu Allerheiligen. Natürlich kam damals in unserer Familie keine richtige Vorfreude auf das Weihnachtsfest auf. Sehr oft fühlten wir uns einsam und verlassen, auch wenn uns unser Vater umso mehr seine Liebe spüren ließ. Als elf­jähriges Kind suchte ich Trost in meiner kindlichen Fantasie. Für mich war jede Schneeflocke ein Kuss meiner Mutter, den sie mir vom Himmel herabschickte.

Als wir am Heiligen Abend vor dem Christbaum das Lied ,Stille Nacht, heilige Nacht‘ sangen, hatten wir alle Tränen in den Augen. Trotz der gedrückten Stimmung verspürte ich in diesen Augenblicken einen großen Frieden. Ich fand sogar ein wenig Zuversicht, denn ich wuss­te, unsere Mutter ist nun befreit von allen Schmerzen. Ich war mir ganz sicher, dass sie jetzt mitten unter uns ist, uns sehen kann und dass sie meinen größten, einzigen Wunsch zum lieben Gott tragen wird: ,Bitte, gib uns Kindern wieder eine Mutter!‘ So bekam der Schluss vom ,Stille Nacht‘-Lied für mich eine ganz andere Bedeutung. Ich sang diesen Text nur für unsere Mutter: ,... schlafe in himmlischer Ruh!‘“ Und auch ihr Wunsch, erzählt Veronika Kiemayer, ging später in Erfüllung.Sop