Interview mit Bischof Schwarz

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Sich für das Glück bereit machen

Barbara Pachl-Eberhart, die 2008 ihren Mann und ihre beiden Kinder bei einem Unfall verlor, ermutigte beim diözesanen Frauentag zu Glück und Freude.

Sie ist eine Frau, deren Schicksal man zunächst gewiss nicht mit den Worten Glück und Freude verbinden würde, und doch hat sie beim diözesanen Frauentag der Katholischen Frauenbewegung am 22. September im Bildungshaus St. Hippolyt die Teilnehmerinnen genau dazu ermutigt: Barbara Pachl-Eberhart, die 2008 ihren Mann und ihre beiden Kinder verlor. Ihr Mann Heli  war damals an einem unbeschrankten Bahnübergang wohl kurz unachtsam, er fuhr weiter – ein Zug raste in den Kleinbus. Heli war sofort tot, die beiden Kinder kamen schwer verletzt ins Krankenhaus. Der sechsjährige Thimo starb einen Tag später und am Tag darauf die 22 Monate alte Fini.

„Nach dem Tod meiner Familie traue ich mich heute zu sagen: Ja, ich bin wieder glücklich“, so Barbara Pachl-Eberhart bei ihrem Vortrag. Die 44-Jährige ist heute Buchautorin („Vier minus drei“), hält Vorträge und hat auch privat wieder ihr Glück gefunden: Sie ist wieder verheiratet und hat eine eineinhalbjährige Tochter. „Ich bin wieder guten Mutes und optimistisch. Ich fühle Sinn und bin dankbar für alles, was mir das Leben bisher geschenkt hat“, sagte die Autorin. Das sei eine leise Freude, eine „Rückspiegelfreude“, verwies Pachl-Eberhart auf die „narrative Therapie“. Demnach deutet jeder Mensch seine Lebensgeschichte aus seinen Erinnerungsbausteinen: Der eine sieht sich als Pechvogel und sieht viel mehr die Pechsträhnen im Leben, der andere sieht sich als glücklichen Menschen, weil er sich viel mehr an die glücklichen Momente im Leben erinnert. Die Autorin zeigte sich überzeugt: „Es macht Sinn, sich auf vergangene Glücksfäden und - momente zu konzentrieren, dann fällt uns auch jetzt mehr auf, was Glück ist.“

Als eine weitere Richtung des Glücks bzw. der Freude definierte die Autorin das laute, jubelnde, überspringende Glück des Augenblicks. Sie nannte es die „Bauchkribbelkniewackeljubelfreude“ , ein Mehr an Freude, das man viel zu selten verspürt und das man nicht einfordern könne. „Für diese Freude kann man sich nur bereit machen“, betonte Barbara Pachl-Eberhart und gab den Zuhörerinnen einige Gedanken dafür mit auf den Weg, denn „in Punkto Glück machen es sich die Menschen oft selber schwer, mit Sätzen wie: Lass es Dir doch einmal wieder gut gehen! Du solltest etwas für Dich tun!“ Pachl-Eberhart: „Es geht nicht um das sollen, sondern um das dürfen, ja müssen – nämlich nicht irgendwann, sondern jetzt.“ Und es gehe nicht um das „einmal“, sondern das „immer wieder“, um kleine Momente des Glücks im Leben.

„In meiner allerschwersten Zeit, in der ich das Glück gar nicht erwartet oder erhofft habe, habe ich begonnen nach Momenten zu suchen, in denen es mir ein klein bisschen besser ging“, berichtete die Autorin. Aus dieser Erfahrung wisse sie, dass es sich lohne, auf die Suche zu gehen und in sich zu horchen, womit man sich selber eine kleine Freude bereiten könnte. Sie habe dabei verschiedene Aspekte des Glücks kennengelernt: das unerwartete Glück etwa, als sie nach der ersten schweren Zeit gespürt habe, dass „etwas überlebt hat“, dass ihre Familie nicht einfach weg war, sondern „anders da“ ist und das nicht alles zu Ende ist. 

Sie habe auch eine „freche Freude“, ein „Justament-Glück“ in der schweren Zeit entdeckt.  Pachl-Eberhart: „Ich habe zu meinen Freundinnen gesagt: ,Wisst ihr was, meine Situation ist schrecklich, aber ich brauche jetzt nicht mehr so früh aufzustehen.‘ Das war ein Tabu, wie ich an den Reaktionen meiner Freundinnen merkte, aber für mich war es wenigstens diese Freude.“ 

 

Die vielen Aspekte des Glücks und der Freude

Und sie habe in der schweren Zeit ihres Lebens das Glück der Sorgfalt erkannt. „Als meine Familie gestorben war, hatte ich plötzlich viel Zeit. Ich hatte nichts mehr zu tun und die einzige Chance, die ich hatte, um mein Leben trotzdem noch sinnerfüllt zu leben, war, dass ich das Wenige, das es zu tun gab, sehr langsam und sehr sorgfältig tat.“ So habe sie etwas eingeübt, was ein philosophischer Satz so treffend beschreibt: „Was du tust, das tu mit Freude.“

Und sie habe erkannt, dass zum Glück und zur Freude auch das Weinen und Zerbrechen gehört. Pachl-Eberhart: „Wenn Menschen mir sagten, dass sie mich bewundern, dass ich an meinem Schicksal nicht zerbrochen bin, dann habe ich geantwortet: Das stimmt gar nicht! Ich bin ganz oft zerbrochen.“ Sie wolle nicht verbittern, doch man verbittere genau dann, wenn „wir es uns nicht erlauben,  ab und zu zu zerbrechen, hinzufallen und wirklich nicht mehr zu können“, so die Autorin. Zum Menschen gehören Weinen, Lachen und die Ganzheit aller Gefühle. „Alle ausgedrückten Gefühle schenken uns eine gewisse Art des Glücks.“ Sop