Das Kirche bunt Team bei der Verabschiedung von Mag. Josef Wessely, dem langjährigen Chef vom Dienst, mit Bischof DDr. Klaus Küng, mit Generalvikar Prälat Mag. Eduard Gruber, dem neuen Herausgeber von Kirche bunt und mit Weihbischof Dr. Anton Leichtfriednton Leichtfried

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Richterin als Anwältin der Familien

Dr. Ursula Kovar ist seit September vergangenen Jahres die neue Vorsitzende des Katholischen Familienverbandes (KFV) der Diözese St. Pölten. Mit „Kirche bunt“ sprach sie über die Situation der Familien heute, über Herausforderungen und neue Wege des KFV.

Sie sind seit Oktober 2017 neue Vorsitzende des Katholischen Familienverbandes (KFV) der Diözese St. Pölten. Was bedeutet für Sie Familie?

Dr. Ursula Kovar: Die Familie ist die beste Lebensschule und der Ort, wo Werte gelehrt und weitergegeben werden, wie z. B. das Leben von menschlichen Beziehungen, das Lernen von Empathie oder Hilfsbereitschaft. Der Glaube stärkt die Familien – das sieht man besonders in krisenhaften Entwicklungen, die ich ja gerade in meinem Beruf erlebe. Uns geht es um die Freude an und mit Kindern.

Wo sehen Sie denn – auch in Ihrer Funktion als Familienrichterin – die größten Herausforderungen von Familien heute?
Dr. Ursula Kovar: Es ist für die Familien zunehmend schwerer geworden. Als ich vor 25 Jahren als Familienrichterin angefangen habe, gab es noch viele Familien mit drei, vier Kindern – das war damals nichts Ungewöhnliches. Es war leistbar, weil die Mieten leistbarer und die Arbeitsplätze relativ sicher waren. In den letzten zehn Jahren ist ein unglaublicher Druck, ein Funktionieren-Müssen reingekommen, viele Familien sind damit beschäftigt, ihre existenziellen Bedürfnisse befriedigen zu können. Deshalb fordern wir vom Katholischen Familienverband auch: Die Familienleistungen müssen evaluiert werden – Familie muss wieder leistbar werden.

Wird der Verband unter Ihrer Führung politischer?
Dr. Ursula Kovar: Der KFV hat sich immer schon dort, wo es um Familien geht und wo es Sinn macht, zu Wort gemeldet. Das war auch unter meinem Vorgänger Dr. Josef Grubner so. Wir wollen ein politisches Sprachrohr der Familie sein. Was aber nicht im Sinne von Parteipolitik missverstanden werden darf.

Und welche Anliegen hat der KFV derzeit?
Dr. Ursula Kovar: Wir haben unsere Schwerpunkte der neuen Landesregierung überreicht. Niederösterreich ist ein sehr familienfreundliches Land, aber es gibt gewisse Punkte, da sehen wir Handlungsbedarf: Bei der Valorisierung der familienbezogenen Leistungen, bei der Einsetzung eines Familienausschusses im Landtag, bei der Autonomie und Wahlfreiheit von Familien bei der Kinderbetreuung oder bei der Wiederfinanzierung des Oma-/Opadienstes.

Die Förderung für den Oma-Opa-Dienst wurde gestrichen. Ist das das Ende für diesen Dienst?
Dr. Ursula Kovar: Nein! Wir wissen, dass Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner diesem Dienst sehr positiv gegen­übersteht, und wir hoffen, dass wir demnächst mit ihr darüber sprechen und eine gute Lösung finden können. Ich bin überzeugt, dass jede kleinteilige Struktur, die Familienbeziehung nachbilden kann – wie es übrigens auch für die Tagesmütter zutrifft –, wertvoll ist, weil sie für die Kinder optimal ist. Derzeit haben wir in Niederösterreich übrigens 250 Omas und Opas und 25 Tagesmütter im Einsatz.

Mit welchen Herausforderungen sehen Sie den KFV in der heutigen Zeit konfrontiert?
Dr. Ursula Kovar: Wir sind in einer Zeit, in der man schauen muss, dass wir möglichst viele Familien für uns interessieren und gewinnen können. Das wollen wir über viele Einzelgespräche erreichen – auch in den Pfarren mit den Pfarrern und mit den Pfarrgemeinderäten, die für Familien zuständig sind. Denn wir haben viel zu bieten.

Was hat der Katholische Familienverband zu bieten?
Dr. Ursula Kovar: Von ganz praktischen Sachen angefangen wie der Schulanfangszeitung über das Angebot der Tagesmütter oder des Oma-/Opadienstes bis hin zu Aktionen wie jetzt die Fas­tenaktion ,,plusminus“ und den jährlichen Urlaubsangeboten des KFV – um nur einige Angebote zu nennen. Was man nicht so leicht vermitteln kann, was aber nicht minder wichtig ist, ist die Lobby-Arbeit, die wir für die Familien leisten.

Haben Sie sich für den KFV ein Ziel gesetzt? Wo wollen Sie hin?
Dr. Ursula Kovar: Unser Ziel ist, dass es für Familien eine Wertschätzung gibt, denn die Familie ist die Basis und die Zukunft unserer Gesellschaft. Wenn es den Familien gut geht, geht es auch der Gesellschaft gut. Deshalb ist es wichtig, dass Familien Unterstützung bekommen – finanziell, materiell und immateriell. Wichtig ist uns, dass familienfördernde Maßnahmen im Regierungsprogramm stärker verankert werden. Dass Familien in der Regierung eine Stimme haben – dass die Familie insgesamt ein stärkerer politischer Faktor wird und einfach die Wertigkeit bekommt, die ihr zusteht.

KFV bietet alljährlich die beliebte und anerkannte Fastenaktion ,,plusminus“ an. Was bedeutet für Sie die Fastenzeit?
Dr. Ursula Kovar: Für mich ist das eine Zeit, in der ich mich rückbesinne auf das, was wirklich wichtig ist. Ich werde achtsamer – für mich ist das eine Zeit des Innehaltens.
Interview: Sonja Planitzer