Interview mit Bischof Schwarz

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Reiches Erbe von Byzanz

Foto: Schallaburg_Byzanz & der Westen, 1000 vergessene Jahre, Klaus Pichler

Einzigartige Objekte einer ebenso glanz- wie wechselvollen Epoche zeigt die diesjährige Ausstellung auf der Schallaburg.

Byzanz und der Osten war vor sechs Jahren Thema einer großen Schau auf der Schallaburg. Mit der Ausstellung „Byzanz & der Westen. 1000 vergessene Jahre“ bietet das Renaissanceschloss heuer allen an Kunst, Kultur, Geschichte und Religion Interessierten wieder einen besonderen Leckerbissen. In 20 Räumen wird eine wechselvolle Geschichte präsentiert und in einen Bezug zur Gegenwart gesetzt.
Die Ausstellung setzt am Ende des 4. Jahrhunderts bei der Teilung des Römischen Reiches (395) in West und Ost ein und erstreckt sich über 1000 Jahre, in denen sich das Verhältnis zwischen dem Westen und Byzanz massiv verändert. Schauplatz ist das Mittelmeer – ein Ort, der seit jeher Kulturen verknüpfte und bereicherte.

Der Glaube eint – und trennt

Nichts trennt Byzanz und den Westen mehr als die gemeinsame Religion – der christliche Glaube. Religiöse Spannungen vermischen sich immer mehr mit den politischen Konflikten, etwa als die Deutschen ihr Reich zum „Heiligen Römischen Reich“ erklären. Im Jahr 1054 dann der Skandal: Der Papst und der Patriarch von Konstantinopel schließen einander gegenseitig aus der Kirche aus. In den folgenden Jahrhunderten wird die Kluft immer tiefer.

Der Krieg im Zeichen des Kreuzes verändert die Beziehung zwischen Ost und West (beide gehören dem Christentum an). 1095 ruft Papst Urban II. zum Kreuzzug ins Heilige Land auf. Zum einen um dort Pilgerwege zu sichern und zum anderen als Unterstützung der Byzantiner im Kampf – die Kreuzfahrer erobern Jerusalem von den Muslimen und gründen eigene Reiche. In den folgenden 100 Jahren schließen sich zehntausende Ritter aus dem Westen weiteren Kreuzzügen an. So wird auch der Kontakt mit Byzanz eng wie nie zuvor.

Dann die Katastrophe: Die Eroberung und Plünderung Konstantinopels 1204 im vierten Kreuzzug durch eine französische und venezianische Flotte lässt das Machtverhältnis zugunsten des Westens kippen. Drei Tage lang plündern die Angreifer die reichste Stadt der christlichen Welt und lassen wenig übrig. Sie teilen die Schätze und das Reich untereinander auf und verbreiten den katholischen Glauben auf byzantinischem Boden. Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Das verstehen selbst viele Kreuzfahrer nicht. Denn eigentlich waren sie ja zur Befreiung des Heiligen Landes von den Muslimen aufgebrochen.

Nach der Plünderung Konstantinopels werden weitere byzantinische Gebiete durch die Kreuzfahrer aufgeteilt. Die Venezianer bekommen wichtige Hafenstädte und die französischen Kreuzritter die restlichen Gebiete – ihrem neuen griechischen Umfeld verleihen sie ein westliches Antlitz. Eine neue Gesellschaftsordnung und katholische Strukturen setzen sich in den einst byzantinischen Gebieten durch; es geht um ein Stück innereuropäischer Kolonialgeschichte.

Als die Byzantiner 1261 Konstantinopel zurückerobern, ist vom eins­ti­gen Glanz des Reiches nicht viel geblieben. Wissenschaft, Kunst und Architektur setzen zu neuer Blüte an. Als die Osmanen eine immer größere Gefahr darstellen, bleibt den Byzantinern keine Wahl und sie wenden sich um Hilfe an den Westen. Die Bedingung an den Osten lautet: Der byzantinische Kaiser muss die Oberhoheit des Papstes über die orthodoxe Kirche anerkennen. 1453 fällt Konstantinopel an die Osmanen.

Das Byzantinische Reich ist damit Geschichte, sein Erbe wirkt aber weiter: In der orthodoxen Welt ist es allgegenwärtig. Die Geschichte von Byzanz und dem Westen mündet in der Ausstellung in ein offenes Ende: Beispielhaft wird gezeigt, wie Byzanz Europa bis heute prägt – besonders rund um das Mittelmeer. Städte wie Venedig (Italien), Zadar (Kroatien), Monemvasia (Griechenland), Konstantinopel (Türkei), Iraklio (Griechenland), Akkon (Israel), Alexandria (Ägypten), Palermo (Italien), Marseille (Frankreich), Karthago (Tunesien), Portus (Italien) umreißen den politischen Einfluss und die kulturelle Vielfalt jenes Imperiums, das im Abendland über Jahrhunderte den Ton angab.

Die Ausstellung mit einzigartigen Exponaten wurde vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz (RGZM) in Zusammenarbeit mit der Abteilung Byzanzforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie dem Institut für Byzantinistik und Neogräzistik der Universität Wien für die Schallaburg konzipiert. Einzigartig ist die Schau durch Kunstwerke und bedeutende archäologische Funde aus namhaften Sammlungen wie dem Musée du Louvre, der Schatzkammer von San Marco in Venedig oder dem Israel Museum in Jerusalem. Auf einer eigens eingerichteten Online-Plattform kann das Ausstellungspublikum Fragen an das Wissenschaftsteam stellen und bekommt diese binnen drei Tagen persönlich beantwortet.

 


Ausstellungs-Tipps

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Byzanz & der Westen. 1000 vergessene Jahre
Näheres zur Ausstellung im nebenstehenden Beitrag.
Ort: Schallaburg.

Öffnungszeiten (bis 11. November):
Mo-Fr 9-17 Uhr, Sa, So, Fei 9-18 Uhr. Jeden So vom 17. 6. bis 7. 10., 14-15 Uhr, Vorträge, Diskussionen und mehr.
www.schallaburg.at

Wunder Wald
Ort: Die beeindruckende Jahresausstellung des Kunstmuseum Waldviertel in Schrems gibt bis 13. Jänner 2019 Einblicke in die komplexen Geheimnisse des Waldes.
Öffnungszeiten:
März bis Juni und September: Di-So und Feiertage: 10-17 Uhr; Juli und August täglich
10-18 Uhr; Oktober bis Jänner:
Mi-So und Feiertage 10-17 Uhr
www.daskunstmuseum.at

Luther in Göttweig – Teil II
Stift Göttweig brennt – Schicksalsjahr 1718
Ort: Das Stift Göttweig wartet heuer gleich mit zwei Sonderausstellungen auf. Als Nachhall zum Luther-Gedenkjahr werden Grafiken und Bücher aus der Reformationszeit präsentiert. Und vor 300 Jahren zerstörte ein Brand einen Großteil der Stiftsanlage. Außenstationen im Stiftshof verdeutlichen die Dramatik.
Öffnungszeiten: Bis zum 1. November täglich geöffnet von 10 bis 18 Uhr.
www.stiftgottweig.at, Tel. 02732/85581-231

GARTEN – Lust. Last. Leidenschaft.
Ort: Die Schau im Landesmuseum Niederösterreich in St. Pölten gibt Einblicke in mittelalterliche Gärten und Klostergärten,
behandelt aber auch Themen wie den Klimawandel.
Öffnungszeiten (bis 10. Februar 2019): Dienstag bis Sonntag und Feiertage 9-17Uhr
www.museumnoe.at

Egon Schiele privat – eine biographische Annäherung
Ort: Im neu gestalteten Egon Schiele Museum Tulln sind zum 100. Todestag des Künstlers Originalwerke und Tondokumente aus Schieles Familie ein Schwerpunkt der Schau. Letztere bilden eine Reise durch Schieles Leben anhand von Tonaufnahmen, die die Schiele-Forscherin Alessandra Comini vor mehr als 50 Jahren aufgezeichnet hat.
Öffnungszeiten (bis 4. November): Dienstag bis Sonntag und Feiertage 9-17Uhr.
www.schielemuseum.at

Baden Zentrum der Macht 1917-1918 –
Kaiser Karl I. und das Armeeoberkommando in Baden
Ort: Das Kaiserhaus Baden (Hauptplatz 17) widmet im Gedenkjahr 2018 den beiden letzten Jahren des Ersten Weltkrieg eine Ausstellung. Rund 1200 Exponate thematisieren die letzten Regierungsjahre Kaiser Franz Josephs, die vergeblichen Friedensbemühungen Kaiser Karls und die militärische Entwicklung bis zum Waffenstillstand im November 1918.
Ausstellungsdauer: 21. April bis 4. November 2018;
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und Feiertage 9-17Uhr