Interview mit Bischof Schwarz

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Neue Wege der Leitung einer Pfarre

Wie geht es weiter mit der Pfarre, wenn unser Pfarrer in Pension geht? Diese Frage stellte sich ein Visionsteam in der Pfarre Stattersdorf-Harland. Jetzt werden in der Pfarre neue Wege ausprobiert, bei denen die Verantwortung und Leitung der Gemeinde auf ein Dreier-Team aufgeteilt wurden. 

Beim Erntedankfest am 21. Oktober wurde das für drei Jahre bestellte neue Leitungsteam feierlich im Rahmen des Gottesdienstes entsandt: Pastoralassistentin Sabine Kaminsky und die beiden ehrenamtlichen Mitarbeiter Thomas Dienstbier und Ernst Klaus haben damit die Leitung der Pfarre Stattersdorf-Harland bei St. Pölten übernommen.

Im März 2019 wird Dechant Pfarrer Ernst Bergmann 70 Jahre alt und im September 2020 will er in Pension gehen. „Vor dem Hintergrund, dass ich bald in Pension gehen werde, haben wir uns seit einem Jahr Gedanken gemacht, wie es weitergehen kann, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass in Zeiten wie diesen eine einzelne Pfarre besetzt wird“, sagt Ernst Bergmann im Gespräch mit „Kirche bunt“. Bei einer Pfarrgemeinderatsklausur im Bildungshaus St. Benedikt in Seitenstetten unter der Anleitung von Lucia und Johannes Deinhofer im November letzten Jahres wurde der Wunsch nach einer Visionsgruppe laut. Diese Visionsgruppe, bestehend aus ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Pfarre, hat sich intensiv damit beschäftigt, wie eine Pfarre in Zukunft gut geleitet werden kann, auch dann, wenn vielleicht kein Pfarrer mehr vor Ort lebt. Alle Überlegungen wurden immer wieder im Pfarrgemeinderat eingebracht und beschlossen.

Dechant Bergmann war es wichtig, dass er die Mitglieder im Visionsteam bewusst aus verschiedenen Milieus der Pfarre auswählen konnte und dass die Pastoralassistentin ihr volles Einverständnis zu den beiden ausgewählten ehrenamtlichen Leitern gab. Bergmann: „Sabine als Hauptamtliche muss mit den beiden ausgewählten ehrenamtlichen Leitern arbeiten können, sonst funktioniert das nicht.“

Anleihen für den Weg der Pfarre in die Zukunft fand der Dechant in Christian Henneckes Werk „Kirche steht Kopf. Unterwegs zur nächsten Reformation“. In dem Buch zeigt der Leiter der Hauptabteilung Pastoral im Bistum Hildesheim Wege zu Kirche neu in Mitteleuropa auf. Henneckes praktischen Ansatz von Großpfarren lehnt der Dechant ab: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das auf Dauer gut geht, weil dann erreicht man das, was man auch in den politischen Großgemeinden erreicht hat: Dort gibt es kein Ehrenamt mehr. Eine Pfarrgemeinde ohne Ehrenamt kann ich mir aber nicht vorstellen. Das Ehrenamt muss an erster Stelle stehen.“

Begeistert zeigte sich Bergmann hingegen von der theologischen Sicht Henneckes. Besonders dessen Visionsbild, in dem er die Eucharistie in den Mittelpunkt stellt und rundherum die verschiedenen Gruppen, die jeweils eine/n Gruppenleiter/in haben. „Dieses Bild kann man in den eigenen Pfarren verwirklichen, die sich in einem Pfarrverband vernetzen. Dabei bekommt der Priester eine neue Aufgabe – er ist nicht mehr der Leiter der Gemeinde, sondern der Spiritual“, sagt Bergmann und betont: „Das ist das Bild, das ich in mir trage: Ich möchte einfach versuchen, der Spiritual in der Pfarrgemeinde zu werden. Der Spiritual, der für die Seelsorge und Eucharistie zuständig ist.“ Und der Dechant unter- streicht: „Wir müssen uns bewusst werden, dass es nicht um irgendwas geht, sondern um das Wort Gottes.“ Die einzelne Gemeinde muss Gemeinde leben können, ist Pfarrer Bergmann überzeugt. Das sei in Zukunft nur mehr mit Getauften möglich. Für ihn ist die Taufe die große Begründung:„ Jede Getaufte/jeder Getaufte ist befähigt und gerufen, Gemeinde zu verwirklichen – an welcher Stelle auch immer.“

Das neue Leitungsbild wurde in den Grundsätzen „Leitungen im Team“ und in der Geschäftsordnung der Pfarrgemeinde festgeschrieben und vom Pfarrgemeinderat beschlossen. Genau festgelegt ist darin, wer vom Leitungsteam nun wofür zuständig ist. Wichtig ist, so Dechant Bergmann, dass die Leiter ihr Amt gut mit ihrem Familien- und Berufsleben vereinbaren können und dass sie „befähigt“ werden. Dies geschehe einerseits dadurch, dass man den Leitern Mut macht, aber auch durch Aus- und Weiterbildung. Die beiden ehrenamtlichen Leiter besuchen derzeit in der Diözese einen Leitungskurs. Er selbst werde das Team noch lange begleiten und beratend zur Seite stehen. Das neue Leitungssystem gilt nur innerhalb der Pfarrgemeinde: Der Diözese gegenüber bleibt Pfarrer Ernst Bergmann Chef der Pfarre. „Ich weiß nicht, ob es funktioniert und ich wirklich entlastet werde. Aber wenn ich es nicht probiere, dann weiß ich nicht, ob es funktioniert.“ Sonja Planitzer