Interview mit Bischof Schwarz

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Mythos Mölk – Auf den Spuren eines Kirchenmalers

Foto: Ferdinand Bertl

Joseph Adam Mölk gehörte zu den Künstlerpersönlichkeiten des österreichischen Spätbarock. Am 17. März jährte sich sein Geburtstag zum 300. Mal. In der Diözese St. Pölten hat der Kirchenmaler markante Spuren seines Schaffens hinterlassen, unter anderem in Maria Langegg, Heiligeneich, Michelhausen, Asperhofen, Zwentendorf oder Tulbing.

Mölk gilt als der vielleicht charakteristischste Schnellmaler, den Österreich hervorgebracht hat, schreibt der frühere St. Pöltner Diözesankonservator Johann Kronbichler in der Begleitschrift zur Mölk-Ausstellung, die zu seinem 200. Todesjahr 1994 in der Di-özese St. Pölten zu sehen war. An die 50 Kirchenräume hat er mit Fresken ausgestattet, in den meisten davon hat er auch noch ein oder mehrere Altarblätter gemalt und in einigen sogar ganze Bildserien in Form von Wechselbildern für die Hauptfeste des Kirchenjahres – z. B. in Heiligeneich und Michelhausen. Die frühesten Arbeiten finden sich in Süddeutschland. Später wirkte er unter anderem in Tirol, Südtirol, der Steiermark sowie in Niederösterreich und Wien.

Mölks Bedeutung liege zweifellos in der Fülle des Geschaffenen und weniger in der Qualität der Einzelwerke, so Kronbichler. Seine Ausstattungen seien keine tiefen und hintergründigen, sondern ganz und gar unproblematische Werke. „Seine Themen sind auch dem einfachen Volk verständlich.“ Es handle sich im einzelnen um keine großen Kunstwerke, sondern eher um mittelmäßige, aber durchwegs gefällige Arbeiten, die an ihrem angestammten Platz am besten zur Wirkung kommen. Vor allem die vollständig ausgestalteten Kirchen vermitteln in ihrer Gesamtwirkung ein sehr geschlossenes und einheitliches Bild. In der Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Lang-egg im Dunkelsteinerwald sieht Kronbichler „einen idealen Ort, der einem ein charakteristisches Bild von dieser spätbarocken Künstlerpersönlichkeit vermitteln kann“.

Bei genauer Betrachtung der Werke Mölks erkennt man einen ganz persönlichen Stil, der unverwechselbar ist. Doch so klar auch seine Bilder sein mögen, sein Leben abseits der Malerei war lange Zeit ungewiss. Über 300 Jahre lag ein „Geheimnis“ über der Malerfamilie Mölk, weiß Pfarrer Richard Jindra aus Heiligeneich. Er hat es sich vor Jahren schon zur Aufgabe gemacht, Licht ins Dunkel zu bringen. Man kannte weder den Geburtsort Bludesch in Vorarlberg von Vater Matthias Mölk (1680-1731), noch den seines Sohnes Joseph Adam Mölk (1718-1794), der als Kirchenmaler in die Fußstapfen seines Vaters trat. Gemeinsam mit der 2014 verstorbenen Grazerin Elfriede Werthan – mütterlicherseits dem Walgauer Geschlecht der Mölks entstammend – stellte Pfarrer Jindra vor mehreren Jahren in einer Dokumentation neue Forschungen, Quellen und Fakten zum Künstler vor. Die Autoren schreiben darin u. a., dass Mölks jahrzehntelanger Erfolg nicht zuletzt Ergebnis seiner dynamisch-schwungvollen Arbeitsweise und seines Organisationstalents gewesen sei, das vor allem bei Großaufträgen stets erstaunte. Er und seine Gehilfen seien für die exakte Einhaltung berühmt und daher sehr gefragt gewesen. Dass der Künstler auch in die Kritik geriet, flüchtig gearbeitet zu haben, verwundere daher nicht.

Ein Pfarrer auf den Spuren Mölks

Richard Jindra kennt jede Facette seiner Kirche. Als die Mölk-Fresken 1989 renoviert wurden, stand er täglich auf dem Gerüst und hat alle Bilder fotografisch festgehalten. „Das war der erste Schub, mich ganz intensiv mit Joseph Adam Mölk zu beschäftigen“, erzählte er der Praktikantin des diözesanen Pressereferats Nina Bareder für einen Beitrag zum Mölk-Jubiläum.

Ab 2006 machte sich Jindra systematisch auf Spurensuche. Vier Jahre lang verbrachte er seine Freizeit damit, um auf Reisen familiäre Hintergründe der Familie Mölk zu erforschen. Stundenlanges Blättern in alten Kirchenaufzeichnungen war seine neue Beschäftigung. Lange war es zweifelhaft, ob Joseph Adam Mölk tatsächlich 1714 in Rodaun (23. Wiener Bezirk) geboren wurde.

Jindra wollte es genau wissen und er wurde fündig. Im Schottenstift stieß er auf eine Eintragung, dass ein Adamus Josephus Mölk, Sohn von Matthias Mölk, hier am 17. März 1718 getauft wurde. Geboren wurde er entweder im Tiefen Graben (1. Bezirk) bei seinem Großvater oder am Spittelberg (7. Bezirk). Voll Freude berichtete Jindra seine Entdeckung dem Mölkexperten Dr. Johann Kronbichler in Brixen. Nun muss-te noch festgestellt werden, ob der junge Joseph Adam schon als 16-Jähriger 1730 in die Wiener Kunstakademie aufgenommen wurde. Und es stellte sich heraus: Mölk ist schon im zarten Alter von zwölf an die Akademie gekommen und durfte im erlauchten Kreise lernen und arbeiten.

Ausstellung in Maria Langegg: Anlässlich des 300. Geburtstages wird am 9. Mai im Wallfahrtsmuseum Maria Langegg eine Sonderausstellung „Josef Adam Mölk“ eröffnet. F. Bertl

 

Der „Mölk-Pfarrer“

Pfarrer KR Richard Jindra, geboren 1947 in Zell am Ziller, ist seit 1984 Pfarrer in Heiligeneich am Rande des Tullnerfelds und ein ausgesprochener „Mölk-Fan“ und Mölk-Kenner.
Kaum hat man das Eingangsportal zur Pfarrkirche durchschritten, „sprudelt“ es nur so heraus aus ihm. Jedes Detail der Fresken beschreibt er mit einer Begeisterung, als habe er dem Kirchenmaler einst bei seiner Arbeit über die Schulter geschaut – die Not-helfer über der Orgel, die „Frauen-Seite“ mit Maria, die Josef-Seite gegenüber, Philipp und Jakob, die Kirchenpatrone am Hochaltar, und die Scheinkuppel „Glaube, Hoffnung und Liebe“, sein Lieblingsmotiv.