Interview mit Bischof Schwarz

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Mutter-Sein einst und heute

„Kirche bunt“ fragt Mütter: Was war bzw. ist Ihnen wichtig bei der Kindererziehung? War es früher leichter oder schwerer Kinder zu erziehen? Wachsen die Kinder heute behüteter auf? Was ist Ihre Erfahrung? Wir freuen uns auf Ihre Zusendung an „Kirche bunt“, Gutenbergstraße 12, 3100 St. Pölten oder per E-Mail an: (Kennwort „Mutter“). Unsere Redakteurin, Mag. Patricia Harant-Schagerl,  blickte auf ihren Alltag als berufstätige dreifache Mutter heute und jenen ihrer Großmutter damals in den 1950er-Jahren.

Der Alltag von Müttern hat sich stark verändert, denn die Generation früher lebte unter anderen Lebensumständen als jene von heute. Das zeigt auch ein Blick auf die eigene Familie und ein Vergleich des eigenen mit dem Leben der Großmutter. Wenn ich mit meiner Großmutter oder meiner Schwiegermutter über ihren damaligen Alltag als Hausfrau und Mutter spreche, dann tauche ich in eine andere Welt ein: Babys wurden mit Stoffwindeln gewickelt, die Windeln mit der Hand ausgewaschen, Teppiche ausgeklopft usw. Der Mann war oft abwesend, doch dafür gab es helfende Hände in Form von Verwandten (Tanten, Schwestern, Mütter) meist ganz in der Nähe. Ihr Leben als Mutter ist mit meinem fast nicht zu vergleichen. Vieles war früher schwerer, manches leichter.

Die Hausfrau und die berufstätige Mutter

Meine Großmutter war Hausfrau, sie kümmerte sich um die Kinder, den Haushalt, den Garten. Vor ihrer Leistung habe ich großen Respekt. Sie hat vier Kinder großgezogen und wurde früh Witwe. Später hat sie oft ihre Enkelkinder betreut; ich kann mich heute noch an schöne Tage bei und mit ihr erinnern. Ich glaube nicht, dass meine Großmutter nach der Familiengründung daran gedacht hat, wieder in ihrem erlernten Beruf als Verkäuferin tätig zu werden. Von Müttern wurde damals nicht erwartet, dass sie bald wieder in den Beruf einsteigen, und dafür gab es auch keine staatliche Unterstützung, etwa in Form eines Anspruchs auf Karenz. Ich bin heute froh und dankbar, dass ich beides tun kann: mich um meine Kinder kümmern und einem Beruf nachgehen. Auf der anderen Seite bedeutet, Familie und Beruf „unter einen Hut zu bringen“, manchmal auch eine anstrengende Doppelbelastung. Nicht selten mache ich mir selbst Druck: Im Beruf nicht nachlassen, mein Bestes geben, und den Kindern eine möglichst gute und präsente Mutter sein.

Früher waren Kinder meist einfach mit dabei: beim Kochen, im Garten, im Stall. Sie  wurden weniger von Erwachsenen beaufsichtigt und hatten allgemein mehr Freiheit. Sie zogen oft alleine los und spielten mit den Nachbarskindern, ohne dass ihnen Erwachsene ein „Programm“ gestalteten. Ich denke nicht, dass sich meine Großmutter jemals fragte, ob sie ihre Kinder auch genug fördert. Heute sollen die Kinder schon im Kindergarten „Bildung“ erwerben und möglichst früh gefördert werden. So manche Kindergarten-Kinder haben bereits einen vollen Terminkalender: Sportverein, Musikunterricht, Ballett, Schwimmen, Kurse. Wer da nicht mitmacht, kann leicht das Gefühl bekommen, dass seine Kinder „hinten“ bleiben. Der Leis­tungsdruck in Schule und Beruf hat zugenommen.

Dass die Rollen von Mann und Frau früher eindeutiger aufgeteilt waren, hatte seine Vor- und Nachteile. Es war klar, wer wofür zuständig war, und es brauchte keine Diskussionen darüber. Das Gespräch zwischen meinem Mann und mir dreht sich heute sicher öfter als damals um Fragen der Arbeitsaufteilung und -organisation: Wer geht mit dem Kind zum Zahnarzt? Wer nimmt sich frei, wenn der nächste schulautonome Tag ansteht? Wo hast du den Mixer hingeräumt? Das Schöne an der heutigen Situation ist: Mein Mann und ich sind gleichberechtigte Partner. Wir tragen beide etwas zum Unterhalt der Familie bei und versuchen meistens gemeinsam, anstehende Probleme zu lösen. Bei allen Unterschieden zwischen einst und heute: Jede Mutter möchte das Beste für ihr Kind. Das hat sich über die Generationen nicht geändert und wird sich auch nicht ändern – egal unter welchen Lebensumständen Mütter und Väter leben. Patricia Harant-Schagerl