Das Kirche bunt Team bei der Verabschiedung von Mag. Josef Wessely, dem langjährigen Chef vom Dienst, mit Bischof DDr. Klaus Küng, mit Generalvikar Prälat Mag. Eduard Gruber, dem neuen Herausgeber von Kirche bunt und mit Weihbischof Dr. Anton Leichtfriednton Leichtfried

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Musik schaffen, die bewegt und verändert

Foto: Leopold Schlager

Franz Thürauer gehört zu den über die Grenzen des eigenen Landes hinaus bekannten österreichischen Komponisten. Reli­gion und Glaube haben im Werk des im Dunkelsteinerwald wohnhaften Tonkünstlers einen wichtigen Platz.

Sein Name ist hierzulande nur wenigen ein Begriff. Und doch haben die Werke des 1953 geborenen niederösterreichischen Komponisten und Kirchenmusikers Franz Thürauer längst internationale Beachtung gefunden. Neben profanen Werken wie der Oper „Leonce und Lena“ gehören Messen für Chor, Orgel und Instrumente sowie eine Lukas-Passion zu seinen bekanntesten Werken. Immer wieder behandelt er biblische Stoffe: das Opfer Abrahams, Psalmen, das Magnificat, die Verklärung Jesu, die Offenbarung des Johannes mit der Vision von einem neuen Himmel und einer neuen Erde. Letztere steht im Zent­rum einer Uraufführung am Pfingstmontag im Rahmen der Barocktage im Stift Melk.

„Viele Inspirationen bekomme ich von Texten aus dem religiösen Bereich“, sagt Thürauer, der sich inzwischen aus allen Lehrtätigkeiten, u. a. am Stiftsgymnasium Melk und an der Musikschule St. Pölten, zurückgezogen hat und nur noch einen Chor in seiner Heimatgemeinde leitet. Bei Texten aus der Bibel bemühe er sich, manches klarer zu verstehen: „Was sagt uns das heute und wie kann ich es in mein Leben umsetzen – und wie kann es den Zuhörer bewegen, verändert daraus wegzugehen?“

Familie mit musikalischer Tradition

Die Pflege guter, alter Volksmusik hatte in seiner Familie Tradition, wichtig war aber auch der praktizierte Glaube. Schon früh erhielt er Unterricht in Klarinette und Klavier, dann in Orgel und Violine am Tiroler Landeskonservatorium in Innsbruck. Der eben erst verstorbene Priester Silvius Evarelli, damals als Ser­vitenpater im Kloster Maria Langegg tätig, hatte den Anstoß gegeben, dass der talentierte junge Musiker das Servitengymnasium in Volders besuchen konnte.

Zu den Vorbildern seines musikalischen Schaffens zählt Franz Thürauer Johann Sebastian Bach, Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig von Beethoven und Franz Schubert, aber auch Paul Hindemith oder „Klangzauberer“ wie Olivier Messiaen. Vor allem die vier ersteren zeichneten sich durch eine „großartige Ausgewogenheit aller musikalischen Parameter“ aus. Die musikalische Struktur wirke auch einer Gefühlslastigkeit entgegen. Franz Thürauer weiß sich „auf irgendeine Art in der Tonalität verwurzelt“, angereichert mit modernen klangtechnischen Errungenschaften, eine Vermittlung von Tradition und Moderne also. Immer gehe es ihm um die Fasslichkeit. Er folge dabei uralten Kriterien wie Wiederholung und veränderter Wiederholung, Spannung und Lösung sowie der Bildung von Kontrasten.
In seiner Praxis als Kirchenmusiker hat Franz Thürauer die Erfahrung gemacht, „dass die Leute sehr gern annehmen, was gemäßigt modern ist“. Manches könne aber auch verstörend wirken. Dissonanzen besitzen eine große Sprengkraft. Ihre Bedeutung erschließe sich vielen erst bei wiederholtem Hören. Auch neue geistliche Lieder verfolgt der Komponist Thürauer aufmerksam und findet darin auch manche Anregung. „Es gibt viele gute Texte“, meint er, aber längst nicht alle hätten die Substanz, bleibendes Allgemeingut zu werden.

Konservativ ist Franz Thürauer auch, was die Wiedergabe seiner Werke betrifft. Hörbeispiele im Internet? Fehlanzeige. Musik lebt im Moment der Aufführung. Ganz entscheidend tragen die Räume dazu bei, in denen sie erklingt und die die Menschen zu diesem Ereignis zusammenbringen. Auffällig groß ist die Zahl seiner Werke, in denen die Orgel eine tragende Rolle spielt. Auch wenn es in Konzertsälen große Orgeln gibt, ihr eigentlicher Ort ist für Thürauer die Kirche. Beim Komponieren stelle er sich die Frage, ob das, was er niederschreibt, musikalisch stimmig ist oder nicht. „Wenn das gegeben ist, dann habe ich keine Angst mehr, dass das den Zuhörer nicht erreichen könnte.“
Schlager

 

Orgel Werk Statt                                      

Im Rahmen eines „Gesprächskonzerts“ spielt Dom­or­ga­nist Ludwig Lusser Cho­ral­vorspiele für Orgel und weitere Orgelwerke von Franz Thürauer an der Metzler-Orgel (Bild) im St. Pöltner Dom. Der Komponist gibt dabei Auskunft über die Beweggründe der Werke und die Umstände der Entstehung.
Termin: 22. 4., 18 Uhr, Treffpunkt im Dom-Kreuzgang. Kursbeitrag inkl. Imbiss € 15,-.
Information und Anmeldung: Bildungshaus St. Hippolyt, www.hiphaus.at, , Tel. 02742/352 104.