Interview mit Bischof Schwarz

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„Musik kann unglaublich viel“

Foto: Franz Gleiss

Vom 9. September bis 7. Oktober findet wieder das über die Grenzen hinaus bekannte Festival „Musica Sacra“ statt. Domkapellmeister Otto Kargl im Interview mit Kirche bunt über die Konzertreihe, die Musik und ihre Botschaft.

Was erwartet die Besucher bei „Musica Sacra“ heuer?
Otto Kargl: Im Großen und Ganzen gibt es wieder Musik aus den wichtigsten Epochen der Musikgeschichte. Also Musik aus dem 16. Jahrhundert, frühbarocke Musik von Claudio Monteverdi, dann Musik aus dem Hochbarock von Händel und Klassik mit der „HeiligMesse“ von Haydn. Dann wird es ein ganz markantes zeitgenössisches Werk von Olivier Messiaen, „Vogelgesang mit Engelsposaunen“, geben.

Steht die Konzertreihe unter einem bestimmten Motto?
Otto Kargl: Ein Motto haben wir  für die Konzertreihe in diesem Sinne nicht. Aber es geht letztlich schon um das Thema Frieden. Das „Dettinger Te Deum“ beispielsweise hat Händel geschrieben, nachdem die Eng­länder  gegen die Franzosen gewonnen haben. Da ist also schon eine triumphalische Siegesmusik drinnen, aber eben auch diese demütige, trostreiche und hoffnungsfrohe Linie. Gerade der Schluss ist extrem zart, daraus kann man  schon schließen, dass diese Siegeseuphorie doch etwas zurückgenommen ist. Händel hat das Stück ja nicht nur als Huldigung Englands komponiert, sondern er hat es auch dem Gebet um einen dauerhaften  Frieden gewidmet und dem Mönch Bernardo da Offida, der für sein aufopferndes Wirken für die Armen und Kranken seliggesprochen wurde.

Um Krieg und Frieden geht es doch auch im Werk des französischen Komponisten Messiaen.
Otto Kargl: Da gibt es mehrere Facetten. Messiaen hat das Werk 1940 im deutschen Kriegs-
­gefangenenlager in Görlitz geschrieben. Die Insassen waren von Hunger und Kälte gezeichnet und haben trotzdem auf halbkaputten Instrumenten dieses Werk monatelang eingeübt und in Gefangenschaft aufgeführt. Allein diese Vorstellung ist unglaublich und unser Aufführ­ungsrahmen in der ehemaligen Synagoge in St. Pölten verstärkt diese Wirkung noch. Dieses Werk von Messiaen hatte für die Musiker und die Mitgefangenen so eine heilende Wirkung, dass man sich das gar nicht vorstellen kann.

Glauben Sie, dass durch die Musik Geschichte und Geschichtsbewusstsein transportiert werden kann?
Otto Kargl: Unbedingt. Gerade das Werk von Messiaen ist ein Beispiel dafür und deshalb wird es im Herbst damit auch ein Schulprojekt geben. Unsere Musikvermittlerin Monika Groß­berger wird es in Schulklassen vorstellen und erklären. Gerade heute ist dieses Werk hochaktuell und ein starkes Zeichen gegen Antisemitismus.

Also politische Bildung durch die Musik?
Otto Kargl: Ja, aber nicht nur! Musik kann unglaublich viel. Musik kann verstörend sein, wie es beim Werk von Messiaen der Fall sein kann, aber Musik kann auch erbaulich oder gar heilend sein. Die ganze Bandbreite, was Musik bewirken kann, ist in unserem Programm vertreten. Grund­sätzlich ist es mir aber schon zu wenig, wenn man Musik nur als schön und genussvoll de­gradiert. Das zeigt sich beispielsweise auch bei Händel und Haydn. Sie waren zu ihrer Zeit Migranten: Händel ist nach London ausgewandert und Haydn war in London, um etwas Besseres zu finden. Er hat in der Westminster Abbey den „Messias“ von Händel gehört und unter diesem Eindruck ist er nach Hause gefahren und hat die sechs Hochämter geschrieben. Ohne diese London-Erfahrung wären diese Werke wohl nie zustande gekommen und es ist traurig, dass man heute Menschen, die migrieren, oft nur als Wirtschaftsflüchtlinge abstempelt.

Was sollen die Zuhörer mitbringen, wenn sie zu den Konzerten kommen?
Otto Kargl: Ich wünsche mir ein offenes Ohr und ein offenes Herz. Die Zuhörer sollen noch offener, toleranter und menschlicher das Konzert verlassen. Gerade bei Messiaen ist es absolut legitim, wenn jemand diese Musik teilweise verstörend empfindet und den Raum verlässt. Wenn jemand sagt: Das halte ich nicht aus, das ist eine Katastrophe, dann ist das legitim. Dann ist es genau so, wie Messiaen und die anderen Häftlinge damals ihre Situation erlebten: Es war eine Katastrophe. Interview: Sonja Planitzer

 

Das Programm

Sonntag, 9. September, 18 Uhr:

„Dettinger Te Deum“ von Georg Friedrich Händel und „Heilig-Messe“ von Joseph Haydn. Mit: Domkantorei St. Pölten, capella nova Graz, L’Orfeo Barockorchester. Werkeinführung: 17 Uhr, im Sommerrefektorium mit Gustav Danzinger.
Ort: Dom zu St. Pölten.

Freitag, 21. September, 20 Uhr:
„petit requiem“ – Arrangement der Deutschen Messe von Franz Schubert. Mit: Musicbanda Franui und Ludwig Lusser an der Orgel.
Ort: Dom zu St. Pölten.

Samstag, 29. September, 19.30 Uhr:

„Monteverdi and friends“. Werke auch von Marc Antonio Ziani, Andrea Falconieri u. a. Mit: Ensemble zeitgeist.
Ort: Stiftskirche Herzogenburg.

Sonntag, 30. September, 15 Uhr:
„The golden age of Spanish Polyphony“. Werke von Cristobal Morales, Tomás Luis de Victoria und Francisco Guerrero. Mit: La Grande Chapelle, Spanien.
Ort: Stiftskirche Lilienfeld.

Freitag, 5. Oktober, 16 Uhr:
„Vogelgesang mit Engelsposaunen“.
Moderiertes Konzert für Jugendliche und Erwachsene. Von Olivier Messiaen. Mit: Trio Frühstück.
Ort: Ehemalige Synagoge St. Pölten.


Musikalisch gestaltete Gottesdienste:

Sonntag, 16. September, 9.30 Uhr in der Stiftskirche Lilienfeld („Missa brevis in d, KV 65“ von W. A. Mozart, mit dem Stifts­chor Lilienfeld.

Sonntag, 23. September, 10.30 Uhr, Domkirche St. Pölten („Missa delle Benedicenza“ von Michael Haydn, mit dem Domchor und Domorchester).

Sonntag, 7. Oktober, 10 Uhr, Stiftskirche Herzogenburg („Missa in C“ von Johann Joseph Fux, mit dem Motettenchor und Orchester der Stiftskirche Herzogenburg).

 

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Kirche bunt verlost 2 mal 2 Festivalpässe für alle Konzerte von „Musica Sacra“.

Einsendungen mit dem Kennwort „Musica Sacra“ sowie Namen und vollständiger Adresse bitte bis 27. August 2018 an: „Kirche bunt“, Gutenbergstraße 12, 3100 St. Pölten oder per E-Mail an „ “.