Interview mit Bischof Schwarz

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Mit allen Sinnen

Foto: M. Wenighofer/Natur im Garten

Riechen, schmecken, fühlen: Im Garten finden ältere Menschen nicht nur Entspannung und Anregung, sondern auch Gemeinschaft. In Pflegeheimen gibt es immer mehr Therapie- und Demenzgärten, die die Bewohner aufleben lassen.

Der Geruch von frischem Dill in der Nase. Das Gefühl von feuchter Erde zwischen den Fingern. Oder der Geschmack von frischen Tomaten, frisch von der Staude, noch warm von der Sonne. Es sind ganz simple Dinge, die glücklich machen. Die Natur gehört zu unserem Leben. Mehr noch: Sie wird in einer eiligen Zeit wie dieser sogar zum Therapeuten. In vielen Pflege- und Betreuungszentren lassen eigens angelegte Therapie- und Demenzgärten die Älteren unserer Gesellschaft aufleben. Es gibt Hochbeete, die auch aus dem Rollstuhl erreichbar sind, und Schleifenwege ohne Sackgassen. Manche Gärten haben verschiedene Bodenbeläge zum Ertasten und Erspüren und Kräuter-, Duft- und Riechbeete.

Treffpunkt: im Garten

Viele Bewohner treffen oft lediglich ihre Zimmernachbarn, denn häufig bleiben sie immer auf ihrem Stockwerk. Im Garten hingegen wartet auf sie eine angenehme Überraschung, denn dort treffen sich die verschiedensten Bewohner. Zwischen Entspannen im Garten und Zupfen im Hochbeet kommt man schneller ins Gespräch – so manche Bewohner verabreden sich danach für einen Kaffee. Der Garten regt die Sinne an und weckt Erinnerungen, erzählt Evelyn Obermaier, klinische und Gesundheitspsychologin. Sie arbeitet vor allem mit älteren Menschen und war als Psychologin in einem Pflegeheim tätig.

Ein Garten wecke oft bei Bewohnern Erinnerungen daran, dass sie selbst früher einen eigenen Garten hatten und ihn mit Hingabe gepflegt haben. Im Pflegeheim wird ihnen dann häufig viel abgenommen. Dabei wären manche doch noch fit und sehnen sich nach einer Aufgabe. Diese wartet dann im Garten: Je nach Einrichtung dürfen die älteren Bewohner mithelfen und zum Beispiel Kräuter für ihr Essen auswählen. Eine gute Alternative zu Salz und es belebt wiederum den Geschmackssinn. Und wenn nicht gerade die Wolken vor der Sonne hängen, können sie auch Sonne tanken und ihren Vitamin D-Speicher auffüllen.

Für Menschen mit schwerer Demenz hat der Garten eine ganz besondere Funktion: zu viel Sprechen überfordert sie häufig. Hier kommt es nicht auf den geistigen Input an – sondern auf alles andere: Das sanfte Heran­tasten an andere Menschen, zu spüren, dass man im Garten jemanden getroffen hat, mit dem man sich gut versteht. Schöne Blumen zu betrachten, ihren Duft zu riechen und Kräuter zu probieren – der Garten regt so auch das Gehirn an.

Was eine Gartentherapie bewirkt

Dass die Gartentherapie auch wirklich etwas bewirkt, lässt sich an den Bewohnern beobachten: Sie werden ruhiger und schlafen besser, denn die frische Luft und das Bewegen mache müde, sagt Obermaier. Und: Die Zeit zwischen den Pflanzen und Bäumen sorgt automatisch für bessere Stimmung. Die Natur tut aber nicht nur den älteren Menschen gut, sondern auch jenen, die durch den Alltag hetzen. Statt permanent den Kopf anzustrengen, lassen sich im Garten wunderbar die Hände einsetzen. Etwa, um ein Blatt Basilikum zu pflücken und in den Mund zu stecken. Oder die duftende Rose näher an die Nase heranzuziehen. Oder in der Erde nach Erdäpfeln zu graben. Eine Oase für die Sinne sozusagen.  Daniela Rittmannsberger