Interview mit Bischof Schwarz

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Melker Klosterreform vor 600 Jahren

Foto: zVg

Dass sich das Stift Melk heute als lebendige Klostergemeinschaft, Bildungsstätte und überragendes Kulturgut präsentiert, liegt nicht zuletzt an der „Melker Reform“ von 1418, die das Klosterleben grundlegend neu gestaltete.

Nach einem verheerenden Klosterbrand im Jahr 1297, nach Pest und Missernten stand die Existenz des Klosters Melk im 14. Jahrhundert auf des Messers Schneide. Die Missstände im Kloster waren weithin aber auch ein Spiegelbild der damaligen kirchlichen Situation.

Dass Melk vor 600 Jahren zum Ausgangspunkt einer über mehrere Länder ausstrahlenden Klosterreform wurde, ist einem Zusammentreffen mehrerer Faktoren zu verdanken, nicht zuletzt aber dem entschiedenen Reformwillen kirchlicher wie weltlicher Obrigkeiten. Dem Konzil von Konstanz (1414 – 1418) war die Beseitigung von Missständen in den Klöstern ein besonderes Anliegen. Herzog Albrecht V. (1404 – 1439) nahm sich der Reform in den habsburgischen Landen an und wählte Melk zum Ausgangspunkt.

Für diesen Schritt gab es bereits eine Vorgeschichte. Nikolaus Seyringer, einstiger Rektor der Wiener Universität, trat 1403 mit einigen Gesinnungsfreunden in das Kloster Subiaco  bei Rom ein, wo der Ordensgründer Benedikt selbst als Einsiedler gelebt hatte; es galt nach mehreren päpstlichen Interventionen als „regeltreues“ Benediktinerkloster. In Konstanz begannen bereits 1415 Verhandlungen über die Reform, die nach Abschluss des Konzils umgesetzt wurde. Am 30. Juni 1418 wurde der Melker Abt Johannes III. Flämming – mit einer Pension ausgestattet – ab- und Nikolaus Seyringer eingesetzt. Unterstützt wurde der neue Abt von sieben Gefährten und einigen Mönchen, die sich der Reform anschlossen.

Tiefgreifende klösterliche Reforen

Man braucht sich nur einige Reformmaßnahmen vor Augen zu führen, um zu erahnen, wie das Klosterleben davor aussah. Ziel der Reform war zuerst eine Wiederbelebung der Regel des heiligen Benedikt sowie der „Vita communis“, also des gemeinsamen klösterlichen Lebens – mit weitreichenden praktischen Konsequenzen. Vor allem wurde auf die Beachtung der Fastenordnung und des Armutsgelöbnisses gedrängt. Die Liturgie wurde im Einklang mit dem römischen Missale neu gestaltet. Eintrittsbeschränkungen wurden abgeschafft. So wurden jetzt auch Laienbrüder aufgenommen, gleichzeitig fiel das Adelsprivileg beim Klostereintritt. Ferner wurde Wert auf eine gute Ausbildung gelegt, junge Mönche sollten tunlichst an einer Universität studieren. Die Verantwortung dafür wurde dem Novizenmeister übertragen, ein klösterliches Amt, das zusammen mit einigen weiteren neu eingeführt wurde.

Bildung war ein wesentlicher Teil der Re­form­agen­da. Die Klöster wurden angehalten, wieder Schulen zu führen sowie ihre Bibliotheken und Skriptorien zu erneuern. Nicht zuletzt sollten die Klöster durch die Verbreiterung ihrer wirtschaftlichen Basis krisenfester werden. Die Umsetzung der Reform war ein Jahrhundertprojekt. Eine wichtige ideelle Stütze war dabei die Kartause Aggsbach. Noch 1451 wurde nach einer Visitation in Melk festgehalten, dass die aktuelle Situation nicht dem Niveau entspricht, das wünschenswert wäre. Dennoch hatte schon 1536 das Konzil von Basel seine besondere Hochachtung für die Melker Lebensweise erkennen lassen, als es neue Statuten für die Benediktiner in allen Provinzen Deutschlands erließ.

„Die Verbreitung der Melker Reform und ihre Verankerung in den Klöstern geschah ausschließlich durch Visitationen, die nach einem genau festgelegten Schema abliefen; durch Gastaufenthalte zum Kennenlernen der in Melk gelebten Observanz, wovon in Melk erhaltene Gästelisten zeugen, oder durch längere Gastaufenthalte von Reformern in den Klöstern, um dort die Einführung der Reform zu begleiten und zu überwachen, sowie durch Einsetzung von Reformmönchen als Prioren und Äbte in den Klöstern, durch intensive Briefkontakte zwischen den Reformmönchen usw.“, erläutert der Melker Stiftsarchivar P. Dr. Gottfried Glassner.

Die Melker Reform übernahmen rund 40 Klöster vom Stift Millstatt über Tegernsee bis zum Kloster Allerheiligen in Schaffhausen. Die Reformklöster schlossen sich jedoch nicht zu einer eigenen Kongregation zusammen und behielten teilweise eigene Traditionen bei. Ein Detail am Rande: Eine Reformbestimmung verlangte die Entfernung von ausschließlich fremd­sprachigen Mönchen. Damit ging 1418 auch die Ära der (ohnedies rar gewordenen) irischen Mönche im Wiener Schottenstift zu Ende.

Zeugnis vom damaligen Aufbruch geben in der Melker Klosterbibliothek rund 800 Handschriften aus dem 15. Jahrhundert. Etwa 600 davon wurden in Melk geschrieben. Eine beachtliche Anzahl davon enthält deutschsprachige Texte für Laienbrüder, zur Tischlesung ebenso wie zur privaten Lektüre.    schl-

Foto: Auf zwei Seiten des „Codex Mellicensis 737“ wird das reformierte Klosterleben (links) dem Leben unter einem „Abt, der den Hochmut hat“ (rechts) gegenübergestellt.     Fotos: Stift Melk

 

Sonderausstellung

Zum 600-Jahr-Jubiläum der Melker Reform wird in der Bibliothek des Stiftes Melk eine Sonderausstellung gezeigt. Sie kann während der Öffnungszeiten im Rahmen einer Stiftsbesichtigung oder einer Führung besucht werden.