Interview mit Bischof Schwarz

Kirche bunt ABO

Banner Kirche Bunt

 
 

Kinder trauern anders

Der Trauer von Kindern stehen Erwachsene manchmal hilflos gegenüber, denn „Kinder trauern anders“, wie Marion Wallner, Leiterin von „Rainbows“ Niederösterreich, erklärt.

Der vierjährige Leon scheint vom Tod seines Großvaters vollkommen unbeeindruckt zu sein: Nach dem Begräbnis wirkt er fröhlich und unbekümmert und interessiert sich nur für sein Spiel. Erwachsene wundern sich manchmal über Kinder, die mit einer traurigen Situation konfrontiert sind: Sind sie etwa gefühllos oder egoistisch?

„Kinder trauern anders“, weiß Marion Wallner, die Leiterin von „Rainbows“ Niederösterreich, einem Verein, der Kinder und Jugendliche nach dem Tod eines nahen Angehörigen und nach Trennung der Eltern betreut. „Kinder erleben ihre Trauer in einem abrupteren Wechsel mit anderen Gefühlen. Das ist ein sinnvoller Schutzmechanismus, damit sie die Trauer aushalten können“, erklärt Marion Wallner. So können Kinder traurig sein und im nächsten Moment wieder herzlich lachen – auch auf einem Begräbnis.

Die Trauer hängt eng damit zusammen, auf welche Weise Kinder das Phänomen Tod begreifen. Kleinkinder können die Endgültigkeit noch nicht verstehen und meinen, dass der Verstorbene wieder zurückkommen kann.  Es können Fragen auftauchen wie: „Kann der Opa denn atmen, wenn er unter der Erde liegt?“ Hilfreich sind für sie kindgerechte Erklärungen, die sich an die Fragen der Kinder anpassen, sowie sinnliche Erfahrungen: dem kranken Menschen begegnen und, wenn sie das wollen und sich zutrauen, auch den toten Körper sehen. Das magische Denken und das egozentrische Weltbild in dieser Altersstufe führen zudem manchmal zu Schuldgefühlen wie z. B.: „Die Mama ist gestorben, weil ich nicht brav genug war.“ 

Volksschulkinder können Ängste um ihre Bezugspersonen entwickeln und beispielsweise fragen: „Lebt die Mama eh gesund?“ Menschen erzählen nach dem Tod ihres Partners manchmal: „Mein Kind hängt jetzt wieder an mir wie ein Kleinkind.“ 

Ab dem Alter von etwa 10 Jahren trauern Kinder ähnlich wie Erwachsene, erklärt Marion Wallner. Einen Unterschied gäbe es jedoch: Kinder trennen ihre Lebenswelten stärker – zuhause traurig, in der Schule fröhlich oder umgekehrt. Der Grund: „Sie wollen ihre Trauer-Freiräume nützen.“

Teenager setzen sich auch schon mit der spirituellen Dimension des Todes und mit der eigenen Endlichkeit auseinander. Generell gilt: Der Verlust eines nahestehenden Menschen kann Angst auslösen, womöglich gar traumatisieren, oder aber zu einem Reifungsprozess führen. Ein Mensch kann Trauer entweder verdrängen oder die Realität des Todes in sein Leben integ­rieren. „Sich mit Trauer auseinanderzusetzen ist notwendig“, betont Wallner. „Kinder machen so wesentliche Schritte in ihrer menschlichen Entwicklung.“

In Rainbows-Gruppen gehen die Leiter/innen auf die Vorstellungen ein, die das Kind vom Tod hat, sowie auf alle Gefühle, die der Verlust auslöst. Die Kinder lernen, der Erinnerung an den geliebten Menschen einen guten Platz im Leben zu geben und die eigenen Ressourcen zu nutzen, um gut weiterleben zu können.  -  ph