Interview mit Bischof Schwarz

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Im Einsatz gegen Kindersterblichkeit

Wenn die guatemaltekischen Klosterschwestern auf Mission in die umliegenden Dörfer gehen, stoßen sie auf erhebliche Schwierigkeiten. Eine Reportage von Lydia Steininger aus Amstetten, die einen Monat lang die Schwestern der „Misioneras de Jesus Pobre“ auf ihren Missionsreisen durch Guatemala begleitet hat.

Hygiene ist neben ausgewogener Ernährung das Wichtigste für eine gesunde Kindheit“, erklärt Schwester Viviana und zeigt dabei auf eine Abbildung in ihrem Buch, das Kinder beim Händewaschen zeigt. Sie sitzt auf einem zur Bank umfunktionierten Baumstumpf vor der Lehmhütte von Guadalupe, einer schmächtigen Guatemaltekin, die aufmerksam aber etwas hilflos Schwester Viviana bei ihrer Ausführung zuhört. Hinter ihr lugt das jüngste ihrer acht Kinder hervor und starrt mit großen verschreckten Augen auf die Neuankömmlinge aus der Stadt und beginnt zu weinen. Ein etwas älteres Mädchen hat den Schrecken schon überwunden und steckt gierig das Zuckerl von Schwes­ter Yuri in den Mund.

Während Schwester Viviana ihren Diskurs über Hygiene fortsetzt, wirft die Mutter Guadalupe nochmals einen etwas hilflosen Blick zu ihren anderen Kindern, die im Staub einem Ball nachjagen. Die Ursache ihrer Hilflosigkeit ist schnell gefunden: Ihr Haus hat weder Strom- noch Wasseranschluss und der nächste Brunnen ist 15 Gehminuten entfernt, unter diesen Umständen ist es fast unmöglich auf die nötige Hygiene zu achten.  Doch genau das haben sich die drei Klosterschwestern zur Aufgabe gemacht. Ihr Ziel ist es, Eltern über Ernährung und Hygiene aufzuklären um die Kindersterblichkeit zu senken und die integrale Entwicklung der Kleinkinder zu fördern.

„Pastoral der Frühen Kindheit“

Die Idee dieser „Pastoral der Frühen Kindheit“ stammt von der Brasilianerin  Zilda Arns Neumann, die als Kinderärztin nicht mit ansehen konnte, wie Kinder aufgrund von mangelnder Hygiene und Ernährung unnötig früh starben. Seither hat sich diese Pastoral in zehn weitern Ländern ausgebreitet, unter anderem auch in Guatemala, wo die Schwestern regelmäßig den abgelegenen Dörfern Besuche abstatten. Der einzige Weg zu Guadalupes Dorf ist nicht mit dem Auto befahrbar und wer kein Pferd hat, muss wohl oder übel einen zweistündigen Fußmarsch auf sich nehmen, egal ob man drei Jahre alt ist oder zweiundachtzig.

Gekochte Bohnen und Tortillas

Zum Glück holt sie Don Eugenio, der Dorfkoordinator der Pastoral,  in der Stadt ab, sonst hätten sich die Schwes­tern womöglich auch noch verlaufen. Völlig erschöpft erreichen sie schlussendlich das Haus von Don Eugenio. Seine Frau hat schon den bescheidenen Tisch gedeckt und wartet auf sie mit gekochten Bohnen und Tortillas. Das ist die Standardspeise der Guatemalteken, die 365 Tage im Jahr aufgetischt wird, manchmal ergänzt durch etwas Frischkäse oder Huhn. Beim Essen berichtet Don Eugenio über seine Aktivitäten in der Pastoral. Zurzeit gibt es zwei schwangere Frauen, die von der Pastoral betreut werden und mehrere Familien unter anderen auch jene von Guadalupe.

Trotz der allgemeinen Müdigkeit machten die Schwestern keine Siesta, sondern starteten gleich los zum Haus der ersten Familie, die von der Pastoral betreut wird. Die Häuser sind verstreut über das gesamte Tal und werden meist von ein paar Hunden bewacht, zugesperrt wird aber nie. Sie erreichen ein kleines Bambushäus­chen in dem die Mutter gerade den festgestampften Lehmboden fegt. Stolz präsentiert sie ihre jüngste Tochter: „Seit eurem letzten Besuch hat sie sieben Pfund zugenommen“, sagt sie und drückt ihr Kind den erfreuten Besucherinnen in den Arm.

„Das Wichtigste ist die Bewusstseinsschaffung“

Schließlich erreichen die Ordensfrauen das Haus von Guadalupe und es entsteht ein entspanntes Gespräch, sodass der Abschied zum Schluss wirklich schwer fällt. Doch zuvor ergibt sich noch ein kleines praktisches Problem. Als wir nach der Toilette fragen, stellt sich betroffenes Schweigen ein und Guadalupe gesteht verschämt, dass es im ganzen Dorf keine Toilette gibt, sondern nur eine einzige Latrine neben dem Schulgebäude, das  20 Gehminuten entfernt liegt. „Wir selbst gehen immer ins Gebüsch hinters Haus“, sagt sie.

Am Rückweg unterhalten sich die Schwestern etwas betrübt über die Zustände im Dorf, an denen sie so schnell nichts verändern können. „Das wichtigste ist die Bewusstseinsschaffung“, erklärt mir Schwester Viviana. „Erst wenn die Leute über die Wichtigkeit von Hygiene und Ernährung aufgeklärt sind, kann sich die Situation verbessern“, sagt sie. Schwester Viviana weiß wovon sie spricht, da sie selbst aus einem ähnlichen Dorf stammt, aber mittlerweile erreichen konnte, dass eine Wasserleitung dorthin verlegt wird.

 

Die Autorin

Lydia Steininger, 21, stammt aus Amstetten, und  studiert Theologie in Wien und El Salvador. Ihre Heimatpfarre ist die Herz Jesu-Pfarre, wo sie sich vor dem Beginn des Theologiestudiums stark engagiert hat. Im Herbst heurigen Jahres beginnt Lydia Steininger studienbegleitend die Ausbildung bei der Katholischen Medienakademie (KMA). In Vorbereitung auf diese hat die Theologiestudentin die vorliegende Reportage für Kirche bunt geschrieben.