„Ich komme mit großer Freude“ | Kirche bunt
 

 
Interview mit Bischof Schwarz

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„Ich komme mit großer Freude“

Foto: Ferdinand Bertl

Bischof Dr. Alois Schwarz im Interview mit „Kirche bunt“ über seine Bestellung zum Diözesanbischof von St. Pölten, sein Resümee nach 17 Jahren in der Diözese Gurk-Klagenfurt, was er über die Diözese St. Pölten weiß und was er als Erstes hier in der Diözese St. Pölten angehen wird.

Ist für Sie die Berufung nach St. Pölten eine Heimkehr?

Bischof Dr. Alois Schwarz: Ich stamme ja aus Hollenthon in der Buckligen Welt, das liegt zwar auf dem Gebiet der Erzdiözese Wien, insoferne komme ich nicht in meine Heimatdiözese, aber nach Niederösterreich zu­rück. Das ist schon ein Stück Heimat.


Haben Sie mit der Berufung nach St. Pöl­ten gerechnet?

Für mich war das eine große Überraschung, als mich der Nuntius am Samstagabend, es war der 12. Mai, angerufen hat. Ich habe nicht damit gerechnet, weil ja einige andere Namen im Gespräch waren.


Freuen Sie sich über die neue Herausfor­derung in St. Pölten?

Ich komme mit großer Freude. Ich freue mich auf das Miteinander. Ich komme aber auch mit großer Aufregung, weil ich wahrgenommen habe, um welchen Bischof Sie hier in diesen Tagen beten. Sie haben ja angefangen mit der Pfingstnovene – und nach drei, vier Tagen wurden Sie schon erhört. Das ist schon beachtlich. Da beten Sie um einen Bischof, „in dem das Feuer des Heiligen Geistes lebendig ist, die Freude des Evangeliums spürbar ist, der uns mit der Liebe des guten Hirten stärkt, die Zeichen der Zeit aufmerksam wahrnimmt und der die Gläubigen eint und sie einlädt, auf Gottes Ruf zu hören“. Damit habe ich schon mein Programm. Das alles ist nur mit der Hilfe der Menschen in der Diözese St. Pölten und ihrem Gebet möglich und mit ihnen gemeinsam umzusetzen. Ich danke, dass wir uns gemeinsam betend auf den Weg gemacht haben. Ich bete für sie, die Menschen in der Diözese St. Pölten, und ich bitte sie, für mich zu beten. Das Gebet zur Pfingstnovene kann auch gerne nach Pfingsten weiter gebetet werden.


Was ist Ihr Resümee nach 17 Jahren als Bischof in Kärnten?

Wir haben viele seelsorgliche Begegnungen ermöglicht. Während der von mir initiierten Kontaktwochen war ich eine ganze Woche in der Region und habe dort versucht, möglichst viele Menschen kennenzulernen und mit ihnen zu sprechen. Von den Kindern, über die Betriebe, was machen die Menschen während der Woche, und vieles mehr. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht.


Ist das auch etwas, was Sie sich für die Diözese St. Pölten vorstellen könnten?

Wir werden gemeinsam schauen: Welche Überlegungen gibt es bereits und welche Überlegungen habe ich. Ich bin zuversichtlich, gemeinsam mit den Pastoralen Diensten gute Wege der seelsorglichen Begeisterung zu
finden.


Sie haben sich mehrfach für den Erhalt der Pfarren ausgesprochen und gegen Pfarrzusammenlegungen. Wird das auch für die Diözese St. Pölten gelten?

Ich habe hohen Respekt vor der traditionellen Pfarre, wie sie sich bisher gestaltet hat. Das ist eine Form von Beheimatung von Menschen am konkreten Ort und diese Beheimatung gilt es in die Moderne hinein zu gestalten und zu verwandeln, ohne dass man die bisherigen Strukturen gewaltsam aufbricht, sondern mit den Menschen sagt: Wie können wir uns hier vor Ort so entwickeln, dass wir eine größere Perspektive der Hoffnung haben?


Wie gut kennen Sie eigentlich schon die Diözese St. Pölten?

Ich kenne einige Stifte von Besuchen, von Begegnungen mit Äbten. Ich kenne einige Pfarrer seit längerer Zeit, mit denen ich in Kontakt bin. Und ich kenne einige Wallfahrtsorte, wie z. B. den Sonntagberg. Und durch die „Kirche bunt“, das ist überhaupt die wöchentliche Information. Ich staune, welche Vielfalt da drinnen ist. Da werden die kleinen Dinge hervorgehoben. Hier finde ich das, wovon Papst Franziskus in „Gaudete et Exsultate“ spricht: Wir brauchen den Blick auf die Details, die Heiligkeit auch ausmachen.


Welches Profil muss eine Diözese haben, um als positive Kraft von den Menschen wahrgenommen zu werden?

Die Kirche hat hier unzählig viele Gesichter von gottsuchenden, gläubigen, frommen und spirituellen Menschen. Und das ist das Schöne – die Vielfalt der von Gott berührten Menschen. Das macht diese Diözese aus. Eine Diözese ist nicht irgendein Verwaltungsapparat, sondern ist immer die Gesamtheit der vielen einzelnen Menschen, die hier ihre Gottverbundenheit leben.


Worin sehen Sie da als Bischof Ihre vorrangige Aufgabe?

Meine vorrangige Aufgabe ist, auf diesem Weg mit den Menschen zu gehen, hinter ihnen zu sein und manchmal vor ihnen. Aber meine wichtigste Aufgabe ist, sie zu ermutigen, damit sie das, was sie von Gott begriffen haben und immer tiefer begreifen, begeis­tert leben.


Auch in der Diözese St. Pölten gibt es immer mehr Menschen mit Distanz zum Glauben und zur Kirche. Wo sehen Sie da als Bischof Möglichkeiten, dem entgegenzuwirken?

Ich möchte einfach sagen, dass es für die Menschen heute unumgänglich wichtig ist, dass sie eine spirituelle Verankerung im Christsein behalten und diese Kraft, die das Evangelium schenkt, auch im Alltag leben. Wir müssen davon reden, dass wir das beste Lebensprogramm haben, das es gibt. Wir müssen immer wieder davon reden, mehr davon reden. Der Mensch muss mehr erinnert als belehrt werden.


Wo sehen Sie Möglichkeiten, dem Priestermangel etwas entgegenzusetzen?


Berufungen brauchen die Freude am Christsein, damit überhaupt etwas wachsen kann. Die Priesterberufung und die Berufung zur sakramentalen Ehe sind für mich gleichwertige Wege der gleichen geistlichen Kraft. Derzeit beobachte ich in beidem einen Mangel, eine Scheu vor dieser Verbindlichkeit zur Ehe genauso wie zum Priester. Es braucht da wie dort Vorbilder, um Berufungen leben zu können und konkrete Angebote der geistlichen Vertiefung.


Haben Sie noch Bezug zu Ihrem Heimatort Hollenthon in der Buckligen Welt?

Mit meinem Geburtsort verbinden mich meine Geschwister, die ich immer wieder besuche und die hier leben. Hollenthon hat mich zum Ehrenbürger gemacht, auch das Grab meiner Eltern ist hier. Wenn ich in der Gegend bin, dann lege ich gerne den Weg so, dass ich zu Besuch kommen kann.


Was wird das Erste sein, was Sie als Bischof von St. Pölten angehen werden?

Das Erste wird sein, dass ich weiterhin für alle bete und alle bitte, auch weiterhin für mich zu beten.

Interview: Sonja Planitzer

 

Bischof Alois Schwarz kurz gefragt

„Kirche bunt“ gab Bischof Alois Schwarz Stichwörter vor, die er ergänzte.

Mein Hobby ist …
das Wandern.

Mein Vorbild …
ist Papst Franziskus.

Meinen Eltern bin ich dankbar …
für das Leben und das Unaufdringliche im Glauben- miteinander-Leben.

Ein Lied aus dem Gotteslob, das mir besonders am Herzen liegt, ist …
„Der Engel begrüßte die Jungfrau Maria“, weil das ist zweisprachig im Gotteslob Nr. 951 und 952, das kann man auf Slowenisch und Deutsch singen.

Ihre Lieblingsmusik ist …
klassische Musik und Volksmusik.

Das letzte Buch, das mich beeindruckt hat, …
ist von Kardinal Kasper „Das Evangelium Jesu Christi“.

Meine Lieblingsspeise …
ist das Bauernbrot.

Mein/e Lieblingsheilige/r ist …
die Gottesmutter.

Sorgen bereiten mir …
Menschen, die mit ihren Fragen allein gelassen sind.

Für eine lebenswerte Zukunft auf dieser Welt …
möchte ich mich einsetzen, für eine schöpferische, nachhaltige Gestaltung unserer Welt.

Kraftort …
für mich ist die Natur.

Was mir aus Kärnten fehlen wird …
sind die Lieder.

 

 

Gebet für unseren neuen Bischof

In der Vorbereitung auf Pfingsten rief die Diözese St. Pölten auf, in der Pfingstnovene um einen neuen Bischof zu beten. Bischof Alois Schwarz zeigte sich davon tief beeindruckt und bat die Gläubigen in der Diözese St. Pölten, dieses Gebet auch nach seiner Berufung weiter für ihn zu beten. Auch er wolle für die Menschen in der Diözese beten. „Kirche bunt“ hat das Gebet für die Pfingstnovene leicht abgewandelt.

Herr Jesus Christus,
Du hast die Apostel und ihre Nachfolger
zu Hirten der Kirche berufen.

Dir vertrauen wir unsere Diözese an
und danken Dir für den guten neuen Bischof,
in dem das Feuer des Heiligen Geistes lebendig
und die Freude des Evangeliums spürbar ist,
der uns mit der Liebe des guten Hirten stärkt,
der die Zeichen der Zeit aufmerksam wahrnimmt,
der die Gläubigen eint
und sie einlädt, auf Gottes Ruf zu hören.

Öffne unsere Herzen, damit wir gemeinsam
mit unserem neuen Bischof die vor uns
liegenden Herausforderungen angehen
und auf dem Weg voranschreiten,
den Du für die Kirche von St. Pölten bereitet hast.
Du selbst bist der Weg, die Wahrheit
und das Leben.
Dir sei Lob und Dank in Ewigkeit. Amen.
Heilige Maria – bitte für uns!
Heiliger Hippolyt – bitte für uns!