Das Kirche bunt Team bei der Verabschiedung von Mag. Josef Wessely, dem langjährigen Chef vom Dienst, mit Bischof DDr. Klaus Küng, mit Generalvikar Prälat Mag. Eduard Gruber, dem neuen Herausgeber von Kirche bunt und mit Weihbischof Dr. Anton Leichtfriednton Leichtfried

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„Ich freue mich auf das Miteinander“

Foto: Ferdinand Bertl

Liebe Leserinnen und Leser von Kirche bunt, liebe Gläubige! Aus der Ferne habe ich durch die Lektüre von „Kirche bunt“ die Diözese St. Pölten schon viele Jahre im Blick. Nun, als Bischof von St. Pölten, kann ich sagen: Wie schön ist die Diözese St. Pölten aus der Nähe betrachtet! Ich freue mich auf ein Miteinander, und danke Ihnen allen und Bischof Klaus für die herzliche Aufnahme hier in St. Pölten. Ich freue mich darauf, hier eine neue Heimat zu finden. In meiner ersten Predigt als Bischof habe ich betont, dass Niederösterreich mit „zwei Lungenflügeln“ lebt – auf der einen Seite die Erzdiözese Wien, hier die Diözese St. Pölten. Ich beginne zu spüren, dass wir hier in St. Pölten mit dem herzseitigen Lungenflügel unser Christsein atmen. Ich freue mich auch auf die vielen Begegnungen und ein Kennenlernen der Menschen in ihren Pfarren.

Ich weiß, es geht nur miteinander: Sie haben mit mir einen Bischof, der Sie schon in den letzten Wochen begleitet hat. Die Begleitmusik zu unserem gemeinsamen Start ist auch von Misstönen durchzogen, und es schmerzt mich und ich bedaure, dass dadurch auch Verwirrung herrscht. Ich danke allen, die für mich gebetet haben und weiter beten. Als Mensch bitte ich Sie um Ihr Vertrauen. Als Priester gestehe ich Ihnen, dass der Weg der Nachfolge Jesu die schönste Entscheidung meines Lebens ist. Als Bischof versichere ich Ihnen, dass ich mich für Strukturen und Prozesse einsetze, die jene Menschen, denen Leid und Schmerz widerfahren ist, nicht erneut zu Opfern machen. Die Debatte und der Umgang mit dem Thema Missbrauch und sexuelle Gewalt fordert uns alle – uns als Kirche wie auch jede andere Gesellschaftsgruppe. Wir alle sind dazu aufgerufen hinzuschauen, heute mehr denn je. Als Bischof werde ich mich auch weiter dafür einsetzen, dass geeignete Frauen und Männer in leitenden Funktionen in unserer Kirche arbeiten.
Gerne betone ich, dass mit mir als Bischof mit Kontinuität gerechnet werden kann. Der eingeschlagene Weg, das intensive Bemühen um ein Miteinander, um Transparenz, um das offene Gespräch bleiben wichtig. Es geht mir um ein Fortführen von starken und verbindlichen Traditionen in dieser wunderschönen Diözese: Unter Bischof Klaus wurden gute Wege eingeschlagen und Keime gesät, Frieden gestiftet. Die Arbeit innerhalb der kirchlichen Gremien in der Diözese ist auf einem guten Weg und ich freue mich, Sie alle persönlich kennenzulernen.

Für meinen bischöflichen Dienst ist mir der dreifache Dienst im Sinne des „missionarischen Miteinander“, von dem Papst Franziskus spricht, wichtig und ich bin dankbar für den Auftrag des Heiligen Vaters, in der Diözese St. Pölten Bischof zu sein:

  • Vorne gehen: den Weg aufzeigen und Hoffnung aufrecht erhalten
  • Mitten drin gehen: in schlichter und barmherziger Nähe mit dabei sein
  • Hinterhergehen: den Langsamen helfen und im Langsamen lernen

Mein Anliegen ist der Hoffnungsort Pfarre. „Die Pfarre ist keine hinfällige Struktur“, schreibt Papst Franziskus, und ich zitiere ihn gerne. Im ländlichen Bereich sind Pfarren die letzten verbliebenen Nahversorger für die Seele. Hier gibt es bewährte Initiativen. Es gilt, den missionarischen Charakter der Pfarren weiter zu stärken.

Auf den Menschen in der Welt von heute zugehen, ihn nach seiner Hoffnung und Not fragen, ihm mit Jesus Christus nahe sein, Gott in ihm und mit ihm entdecken und die Welt mit den Augen Gottes sehen, der unübertrefflich einfühlsamen Liebe: Das soll unser gemeinsamer Weg sein.

Sinnerfüllung und Lebensreichtum ist dort, wo es gelingt Wurzeln zu schlagen, wo soziale Netzwerke und nachbarschaftliche Beziehungen helfen, die verborgenen Ängste, Hoffnungen und Sehnsüchte der Menschen ins Licht zu tauchen und wo dank Kunst und Kultur, Religion und Spiritualität das Weinen über die Wunden und das Staunen über die Wunder des Lebens Raum finden.
Geben wir dem Denken und dem Tun, dem Glauben und dem Beten, der Hoffnung und den Träumen Heimat in der Kirche in Niederös­terreich, in der Kirche in unserer Diözese St. Pölten.
Ihr  +Alois Schwarz