Interview mit Bischof Schwarz

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Hoffnung leben – Hoffnung geben!

Foto: Ferdinand Bertl

Dreimal in den vergangenen 35 Jahren besuchte Papst Johannes Paul II. Österreich: Im September 1983 Wien und Mariazell; Im Juni 1988 Wien, Salzburg, Tirol, Kärnten, Burgenland, Mauthausen und Lorch; Im Juni 1998 Salzburg, St. Pölten und Wien.

Hoffnung leben – Hoffnung geben! Unter diesem Motto stand der Österreichische Katholikentag 1983, gleichzeitig auch Rahmen für den Besuch Johannes Pauls II. in Österreich. Als Gebet der Vorbereitung wurde „Herr, mach
mich zu einem Werkzeug deines Friedens“ gewählt, das ich heute noch fast täglich bete. Es war der Auftakt zu seinen Besuchen.

Heute, 35 Jahre danach, gehe ich der Frage nach, was das für mich bedeutet. Ich war bei allen drei Ereignissen in der diözesanen Organisation tätig. 1983 war voll von Euphorie und positiver Symbolik. Zu Beginn „setzten Katholiken aus ganz Österreich die Kirche Österreich zusammen“, indem sie große Modelle in der äußeren Form ihrer Diözese auf den Stephansplatz schoben, wo sie zu Österreich zusammengestellt wurden. St. Pölten begann die Feierlichkeiten am Heldenplatz mit einer Aufführung eines Stückes über Berufung. Landeshauptmann Siegfried Ludwig und Bischof Franz Zak schoben die Tribüne gemeinsam mit Hunderten Katholiken über den Graben zum Stephansplatz. Von der Feier ist mir noch das Gebet der Dolores Bauer in Erinnerung: „Ich – ich bin, ich atme aus, ich atme ein, ich empfinde Hitze und Kälte, Freude und Schmerz – also bin ich.“

Die Stimmung zur Ankunft des Papstes am 9. September 1983 illustriert folgendes Ereignis: Ein LKW-Fahrer hatte in seiner Heimatgemeinde immer wieder über die Kosten des Papstbesuches gelästert. Am Tag der Landung Johannes
Pauls II. war er zwischen Flughafen und Wien unterwegs und musste wegen der Sicherheitsvorkehrungen anhalten. Er stieg aus und stellte sich in die Reihe der auf den Papst wartenden Menschen. Als Johannes Paul kam, ließ er ausgerechnet bei dem LKW-Fahrer anhalten, stieg aus, redete ihn an und segnete ihn. Der Mann war so beeindruckt, dass er öffentlich seine Schmähungen widerrufen hat.

Im Rückblick nach der großen politischen Wende 1989 gewinnt die Europavesper vom Heldenplatz noch mehr an Bedeutung. Der Papst erinnerte uns an unsere Verantwortung für Europa. Berührt hat mich besonders die Geste Kardinal Meisners, Asche aus einem KZ zu überbringen. An der Jugendveranstaltung im Stadion nahmen 70.000 meist junge Menschenteil. An die Papstmesse im Donaupark erinnere ich mich heute noch jedes Mal, wenn ich am
Mutter-Kind-Wohnheim in St. Pölten vorbeifahre. Das Vorgängerhaus wurde mit Mitteln der Kollekte angekauft. Damit gibt es seit 1984 Hoffnung für viele junge Mütter.

Um die Menschen 1983 verlässlich und sicher in den Donaupark zu bringen, wurden von der diözesanen Organisation und den ÖBB zehn Sonderzüge aus allen Teilen Westniederösterreichs geführt, die an der für diesen Tag eingerichteten Haltestelle Handelskai hielten. Jeweils etwa 1.000 Passagiere entstiegen und wanderten zu Fuß weiter über die Donau auf die Festwiese. An den 65 Teilnehmern aus meiner Heimatgemeinde Nöchling war ersichtlich, dass die Besucher aus allen gesellschaftlichen Bereichen kamen. Der starke Regen bei dieser Messe „erhöhte“ den Erinnerungswert dieser Messe.

Der Papstbesuch 1988: Als diözesanes Hauptereignis des Besuches 1988 bleibt mir der Gebetsgottesdienst in Lorch in Erinnerung. Das Motto „Ja zum Glauben – Ja zum Leben“ übte nicht mehr die große Faszination von 1983 aus.
Der Gottesdienst mit fröhlichen christlichen Liedern – auch die „Cantores Dei“ aus Pyhra wirkten mit – bleibt mir wegen seiner dialogischen Gestaltung in Erinnerung. Menschen aus allen gesellschaftlichen Kreisen der beiden Diözesen Linz und St. Pölten konnten dem Papst das Wichtige in ihrem Leben darstellen und es wurde gemeinsam dafür gebetet. Beeindruckt hat mich auch die Gedenkfeier in Mauthausen, bei der ein Kreuz des St. Pöltner Künstlers
Robert Herfert gesegnet wurde. Er hatte die Ausschreibung für das Kunstwerk gewonnen.

Von 1998 ist mir vor allem die Feier in St. Pölten in Erinnerung. Sie war überschattet von den anhaltenden Konflikten in der Diözese um den damaligen Bischof und auch von der schon sichtbaren Gebrechlichkeit des Papstes. An das Motto „Komm, Heiliger Geist“ werden sich nicht mehr viele erinnern. Dankbar bin ich dafür, dass das Regierungsviertel in St. Pölten den Segen des Papstes erhielt. Das für den Festgottesdienst errichtete Kreuz hat in der Nähe des Festspielhauses seinen Platz gefunden und erinnert uns an den Besuch ebenso wie der schon bei einem früheren Besuch gesegnete Grundstein, der heute im Sitz von Landeshauptfrau und Landtagspräsident steht.

Und heute? Die Besuche waren sicher Anlass für Reflexion der Situation der Kirche in Österreich. Sie brachten aber im Strom der Entwicklung keine Korrektur der großen Linien. War 1983 noch stark von Laien getragen – Edi Ploier
als Präsident des Katholikentagskomitees ist mir in bleibender Erinnerung – war besonders 1998 stark klerikal geprägt. Für das Selbstbewusstsein der Kirche in Österreich war sicher 1983 sehr positiv, auch wenn die späteren Entwicklungen nicht verhindert werden konnten. Alles in allem bleibt die Erfahrung der großen Freude bei den Festen, die Bereitschaft vieler Tausender Menschen, gestaltend mitzuwirken und die vielen neuen Freundschaften,
die entstanden sind. Walter Feninger

 

Der Autor

Dr. Walter Feninger, studierter Chemiker, war von 1982 bis 2002 Generalsekretär der Katholischen Aktion der Diözese. Seit damals hat er sich im Sozialbereich, in Umweltfragen und für die Dritte Welt engagiert. Merh zu Dr. Feninger in unserem Porträt ,,Was mich trägt“: http://www.kirchebunt.at/einrichtungen/kirchebunt/artikel/2018/was-mich-...