Interview mit Bischof Schwarz

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Heilende Kraft der Natur

 Er war „der“ Kräuterpfarrer schlechthin: Hermann-Josef Weidinger, Prämonstratenser des Stiftes Geras. Vor 100 Jahren wurde er geboren.

Am 16. Jänner 1918 wurde Heinrich Anton Weidinger als Sohn Waldviertler Bauersleute in Riegersburg geboren. Als Kräuterpfarrer mit dem Ordensnamen Hermann-Josef ist er bis heute vielen ein Begriff. Sein Leben führte ihn oft an Grenzen. So besuchte er die Bürgerschule jenseits der Grenze in Frain an der Thaya im deutschsprachigen Teil Südmährens.

Nach der Matura an der Aufbauschule in Horn entschloss er sich zum Dienst in der Mission und trat in den Orden der Salesianer Don Boscos ein. Nach kurzer Vorbereitung und Sprachschulung kam er 1938 nach China. In einem Militärkrankenhaus in Macao und später als Leiter der Missions-Krankenstation behandelte er Leprakranke, verabreichte Injektionen und lernte auch die chinesische Medizin kennen. Von der Pike auf erlernte er das Buchdrucker- und Buch- binderhandwerk, gründete einen Verlag und übersetzte religiöse Schriften vor allem für Jugendliche ins Chinesische. 1949 empfing er die Priesterweihe. Wenig später wurde er Ordensoberer auf Formosa (Taiwan) und betreute im Auftrag des Vatikans chinesische Christen in Amerika und auf anderen Erdteilen.

Vom Missionar zum Kräuterpfarrer

Eine schwere Blinddarmentzündung und ein Malaria-Anfall während eines Heimaturlaubs im Jahr 1953 machten eine weitere Missionstätigkeit unmöglich. Er trat in das Prämonstratenserstift Geras ein, 1954 wurde er Seelsorger in der Pfarre Harth. Dort errichtete er ein Bildungshaus, förderte junge Künstler – und gestaltete den Pfarrgarten zu einem Obst-, Gemüse- und Kräutergarten um.

Nach dem Unfalltod des Karlsteiner Pfarrers Karl Rauscher wurde Hermann- Josef Weidinger 1980 mit der Leitung des Vereins „Freunde der Heilkräuter“ betraut. Mit aller Kraft widmete er sich der neuen Aufgabe, hielt Vorträge (bis zu 200 im Jahr), schrieb Bücher und erober- te als „Kräuterpfarrer“ die Medien. Stets suchte er den Kontakt mit Menschen, die seinen Rat holten und denen er in- dividuell passende Mittel empfahl. Bald begann auch der Anbau von Heilkräu- tern in Zusammenarbeit mit Landwir- ten. Selbst ein schwerer Verkehrsunfall konnte ihn nicht von der Fortführung seines Werkes abhalten. Im „Marien- Kräuterhof“ wurden Teemischungen, Elixiere und Naturkosmetika vermark- tet. Nach und nach entstand daraus das „Kräuterpfarrer-Weidinger-Zentrum“.

Als Vizepostulator war Hermann-Josef Weidinger eine der Triebfedern für die Seligsprechung des Geraser Ordensangehörigen Jakob Kern. Bei der Seligsprechung am 21. Juni 1998 auf dem Wiener Heldenplatz holte Papst Johan- nes Paul II. den Kräuterpfarrer zur Konzelebration an seine Seite.

Trotz vieler Ehrungen blieb Her- mann-Josef Weidinger der einfache und humorvolle Seelsorger, der Pflanze, Tier und Mensch in ihrer Beziehung zuein- ander und zum gesamten Kosmos zu sehen suchte. Er verstarb am 21. März 2004, auf dem Konventfriedhof des Stif- tes Geras fand er seine letzte Ruhestätte.


 

Zum Jubiläum ist ein neues Buch erschienen: Karl Wanko, Weil ich die Menschen liebe. Kräuterpfarrer Weidinger, Leben und Wirken (Amalthea-Verlag, 160 Seiten, ISBN 978-3-99050-116-0, ca. € 23,-, zu bezie- hen über www.kräuterpfarrer.at).

Und: Am Sonntag, 14. Jänner, lädt das Stift Geras im Gedenken an den 100. Geburtstag von Kräuterpfarrer Weidinger zur Festmesse, der Weihbischof Anton Leichtfried vorstehen wird, ein. Beginn: 14 Uhr.