Grainbrunn – Wallfahrtsort mit Tradition | Kirche bunt
 

 
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Grainbrunn – Wallfahrtsort mit Tradition

500 Jahre alt ist das Gnadenbild in der Pfarr- und Wallfahrtskirche von Grainbrunn im Waldviertel. Der Ort selbst blickt auf eine jahrhundertelange Wallfahrtstradition zurück. Heute sind es vor allem Marienverehrer, die zu den Fatimafeiern von Mai bis Oktober nach Grainbrunn kommen und die ihre Bitten und Sorgen der Gottesmutter ans Herz legen.

Viele Wallfahrtsorte werden mit Legenden in Verbindung gebracht, in manchen finden sich bauliche Besonderheiten aus früheren Zeiten, his­torische Schätze oder Gnadenbilder bzw. -statuen mit außergewöhnlicher Geschichte. Auch Grainbrunn im mittleren Waldviertel, nordöstlich von Ottenschlag gelegen, hat da einiges zu bieten. Die Wallfahrten zum sogenannten Bründl-Heiligtum haben über Jahrhunderte den Ort belebt. Seit 1977 sind es auch die Fatimawallfahrten. Die Bründlkapelle liegt ungefähr fünf Gehminuten nördlich der Kirche „Mariä Heimsuchung“. Die Legende erzählt, dass 1640 ein Hirte eine entlaufene Kuh suchte und diese trinkend bei der Quelle fand. Als er ebenfalls aus dieser Quelle trank, soll er im Spiegelbild des Quellwassers das Bild der Got-tesmutter erkannt haben. Es wird von Gebetserhörungen berichtet. Aufzeichnungen zufolge glaubte man, das Wasser der Quelle wäre „ein besonderes Wasser, welches mehr Kraft und Wirkung hätte als andere Wässer“. Auch heute benetzen sich Wallfahrer die Augen und nehmen Wasser aus dem Bründl mit nach Hause.

Zu der rund 440 Katholiken zählenden Pfarre gehören auch die Ortschaften Moniholz und Großnondorf. Sie werden schon weit früher urkundlich genannt als Grainbrunn selbst, nämlich 1171 und 1390. Erst 1544 liest man in einem Visitationsprotokoll von der „Capel S. Grain, incorporiert gen Reinprechts“. Grainbrunn gehörte also bis 1783 zur heutigen Nachbarpfarre Großreinprechts, ehe es eigenständig wurde.

Aber nochmals zurück zum Bründl. Dort setzte immer stärker die Marienverehrung ein, man stellte daraufhin beim Brunnen ein großes, hölzernes Kreuz auf und erbaute 1665 eine Holzkapelle. 1694 entstand daneben eine Einsiedelei. Der dort lebende Eremit war auch Hüter des bereits erwähnten, aus dem Jahr 1517 stammenden Marienbildes und er hatte mit den Gläubigen, die zum Bründl kamen, den Rosenkranz zu beten. Das Gnadenbild befindet sich jetzt in der Pfarrkirche und ist wahrscheinlich ein Geschenk der Herrschaft Rappottenstein, die damals die Patronanz über die Kirche hatte.

Eine besondere Gönnerin Grainbrunns war Gräfin Maria Margaretha Magdalena von Strattmann. Sie sorgte  1696/97 für den Bau der heutigen Kirche und der Bründlkapelle, einen achteckigen gemauerten Rundbau, den bis 1884 ein Kuppelturm krönte.

Der „Speisgang“ vor der Kirche

Um den Chor der Pfarrkirche findet sich ein niedriger, gangartiger Anbau, der sogenannte „Speisgang“, mit mehreren, durch Holztürchen verschlossenen Öffnungen. Diese bis heute erhaltene Besonderheit soll einst zum Beichthören bei Wallfahrten gedient haben und durch die Öffnungen soll auch die Kommunion gespendet worden sein. Geplant ist, so Pfarrgemeinderätin Michaela Klamert, den „Speisgang“ in einem künftigen Vorhaben zu renovieren und Besuchern zugänglich zu machen.

Auf dem Hochaltar der Pfarrkirche befindet sich in einem Glasschrein noch ein zweites „Gnadenbild“ (um 1525), eine spätgotische Muttergottes mit Kind, das eine Birne hält. Die Wallfahrt nach Grainbrunn erlebte im 19. Jahrhundert ihren Höhepunkt und wurde auch im darauf folgenden Jahrhundert weitergeführt. Die Einführung der Fatimafeiern erfolgte im Mai 1977, angeregt von Dechant Karl Prinz, der die Pfarre einige Jahre in Zusammenarbeit mit Pfarrer Johannes Grübler leitete. Die Fatima-Wallfahrten, immer am 13. der Monate Mai bis Oktober, werden jeweils von einem anderen Priester geleitet und von verschiedenen Chören musikalisch gestaltet. Abschlie-ßender Höhepunkt dabei ist die Lichterprozession zur Bründlkapelle.

Als großer Wallfahrtstag wird in Grainbrunn der 15. August begangen. „Mariä Aufnahme in den Himmel“ wird als zweites Patrozinium neben „Mariä Heimsuchung“ gefeiert. Gottesdienste werden heuer um 9 und 10.30 Uhr gefeiert. Der Großkirtag anlässlich des Hochfestes ist immer ein Magnet für zahlreiche Besucher aus nah und fern. Als fixe „Stammwallfahrer“ sind an diesem Tag die Gläubigen aus Kirchschlag Gäste in Grainbrunn. Wallfahrer aus Großgöttfritz kommen seit 1922 um den Veitstag zum Bründlheiligtum.

Die Fatimafeier am 13. August beginnt um 19.30 Uhr mit dem Rosenkranz (Beichtgelegenheit ab 19 Uhr). Um 20 Uhr ist Gottesdienst mit Pfarrer Tomasz Tomski vom Pfarrverband Grafenschlag-Waldhausen und dem Kirchenchor Grainbrunn.  F. Bertl