Gottes Wort in neuem Kleid

Nur noch sechs Wochen sind es bis zum ersten Adventsonntag und damit bis zur Einführung des neuen Lektionars in der Liturgie. Mit der Auslieferung der neuen Exemplare wird in diesen Tagen begonnen.

Knapp zwei Jahre sind seit der Veröffentlichung der neuen Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift inzwischen vergangen. Mit dem neuen Lektionar hält sie – zunächst an den Sonn- und Feiertagen – auch Einzug in den Gottesdienst. Es ist ein Großprojekt, was sich auch im stolzen Preis von rund 70 Euro pro Band niederschlägt, aber schließlich sollen liturgische Bücher auch noch nach drei oder mehr Jahrzehnten ihren Dienst erfüllen. 

Was ist neu?

Auffällig ist das Äußere, für dessen Gestaltung der in Wien lebende Grafiker Christof Cremer verantwortlich zeichnet. Format und Schriftbild sind weitgehend identisch mit der früheren Ausgabe, nur die „Überschriften“ der einzelnen Schriftstellen, die nicht zum Vorlesen bestimmt sind, werden kleiner dargestellt. 

Neu ist vor allem die sprachliche Gestalt, also der Text der „Einheitsübersetzung“ der Heiligen Schrift; praktisch kein Absatz blieb ohne nennenswerte Änderungen. Die Bezeichnung „Einheitsübersetzung“ bezieht sich übrigens darauf, dass sie im gesamten deutschsprachigen Raum Gültigkeit hat, sie ist jedoch – im Gegensatz zur Ausgabe von 1980 – kein ökumenisches Projekt. Die revidierte Einheitsübersetzung will dem biblischen Originaltext so gut wie möglich entsprechen. Sie bemüht sich auch darum, die ursprüngliche Kraft der Ausgangssprache zu erhalten – eine Herausforderung für Lektoren wie Hörende, wenn Altvertrautes plötzlich um eine entscheidende Nuance anders klingt. Das ist nicht zuletzt dem Prinzip geschuldet, gleiche Worte mit gleichen Worten wiederzugeben. Das macht hellhöriger für biblische Begriffe und ihre innerbiblischen Bezüge. Der Text wirkt dadurch aber auch markanter als bisher, wo es an vielen Stellen oft weitläufige Umschreibungen gab.

Die zentralste Änderung betrifft den Gottesnamen selbst. Bisher wurde „Jahwe“ (JHWH) mit „Herr“ oder auch mit „Jahwe“ wiedergegeben. Die Neuübersetzung orientiert sich an der jüdischen Praxis, den Gottesnamen aus Ehrfurcht nicht auszusprechen und verwendet einheitlich „HERR“ (in Kapitälchen). Eine Ausnahme bilden Stellen, an denen „Herr“ und der Gottesname unmittelbar nebeneinander stehen, wie in Hab 3,19: „GOTT (JHWH), der Herr (Adonaj) ist meine Kraft.“

Eine zweite durchgehende Neuerung betrifft die Anrede der Gemeinde als „Brüder und Schwestern“. Im Neuen Testament, insbesondere in den Briefen des Apostels Paulus, wird die Gemeinde mit „Brüder“ (adelphoi) angesprochen. Weibliche Angehörige sind im Sinne von „Geschwister“ stets mitgemeint. Mit der Formulierung „Schwestern und Brüder!“ führt das neue Lektionar diese schon bisher vielfach gepflogene Verdeutlichung auch offiziell ein.

Ein weiteres Detail fällt bei der Einleitung zu Lesungen aus neutestamentlichen Briefen auf. Es heißt künftig nicht mehr „Brief des Apostels Paulus an die Korinther (Römer, Galater etc.)“, sondern „Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Korinth (Rom, Galatien etc.)“. Paulus schrieb seine Briefe ja an verhältnismäßig kleine christliche Gemeinden in Städten des Römischen Imperiums.

Leider konnte das neue „Gotteslob“ die Änderungen der neuen Einheitsübersetzung nicht vorwegnehmen. Das kommt besonders bei den Antwortpsalmen zum Tragen. Für den Fall, dass die Gemeinde Teile des Antwortpsalms betet, wird empfohlen, sich gänzlich an die Fassung im „Gotteslob“ zu halten.

Drei "Jahre der Bibel"

Mit der Einführung der neuen Bibelübersetzung in die Liturgie beginnen drei „Jahre der Bibel“. Die österreichischen Bischöfe haben diese Initiative unter dem Motto „BIBEL – Hören. Lesen. Leben“ beschlossen. Von 1. Dezember 2018 bis 29. Juni 2021 sollen österreichweit verschiedenste Initiativen das „Buch der Bücher“ als „Seele der Pastoral“ (Benedikt XVI., Verbum Domini 73) stärker ins Bewusstsein bringen.