Interview mit Bischof Schwarz

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Glauben verstehen

Theologie – wozu? – von Mag. Erhard Lesacher, Leiter der THEOLOGISCHEN KURSE Wien.

„In Österreich glauben mehr Menschen an Esoterik als an Gott.“ Das war zu Ostern 2018 in der Tageszeitung „Der Standard“ zu lesen. „An gutes Karma glauben 72 Prozent, an Gottes Allmacht aber nur 39 Prozent.“ Was hat die Kirche dem entgegenzuhalten?

Der christliche Glaube ist mehr als ein vages Gefühl. Der Glaube hat gute Gründe. Es ist die Aufgabe der Theologie, die Vernunftgemäßheit des Glaubens herauszuarbeiten und Argumente für seine Glaubwürdigkeit vorzulegen. Theologie zielt auf einen tragfähigen und gesprächsbereiten Glauben, „der jedem Rede und Antwort steht, der nach der Hoffnung fragt“, die Chris­ten erfüllt (1 Petr 3,15). Christlicher Glaube will verstanden werden und sich anderen mitteilen, verständlich machen. Er sucht den Dialog und das kritische Gespräch. Er stellt sich Gegenargumenten und den eigenen Zweifeln. Fähig zur Selbstkritik, ist er das Gegenteil von Fundamentalismus. Theologie zielt aber auch auf ein fundiertes Verständnis der christlichen Tradition. Wie soll man die Kulturgeschichte Europas, die Bilder eines Michelangelo oder Caravaggio, die Architektur einer gotischen Kathedrale oder einer Barockkirche, die Musik eines Johann Sebastian Bach oder Anton Bruckner wirklich erfassen, ohne Grundkenntnisse aus Theologie zu haben?

Neben der kulturellen Dimension hat Theologie eine eminent existenzielle. In Theologie und Glaube geht es um Fragen, die einen persönlich angehen. Sich mit der Fauna Sibiriens zu befassen, kann sehr interessant sein, aber theologische Inhalte betreffen zuinnerst.

Glaube ist ein Akt des Vertrauens: Ich vertraue mich einer größeren Wirklichkeit, einem unfassbaren Du an. Ich erfahre mich beschenkt und angenommen – vor aller Leistung, unabhängig von allem Verdienst. Dieser Glaube hat Gründe, die nur das Herz kennt. Aber ich muss auch wissen, welchem Gott ich mich anvertraue, in welcher Tradition, auf der Grundlage welcher heiligen Schriften. So braucht es auch die kognitive Ebene des Glaubens und Argumente für die Glaubwürdigkeit meiner Glaubenstradition. Wobei das schlichte Sich-Gott-Anvertrauen die bleibende Basis aller Glaubensreflexion und Theologie ist.