Interview mit Bischof Schwarz

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„Fordert gläubige Mitchristen heraus“

Im Vorfeld des Diözesanen Weltjugendtages in Amstetten, der Ende Jänner 2019 zeitgleich mit dem Weltjugendtag in Panama stattfinden wird, baten Jugendliche den Seitenstettner Abt Petrus Pilsinger zum Interview. Er ruft die Jugend auf, mutig Fragen zum Glauben zu stellen. Diese Möglichkeit wird sich auch am Diözesanen Weltjugendtag bieten.

Der Diözesane Weltjugendtag findet vom 26. bis 27. Jänner 2019 in Amstetten parallel zum Weltjugendtag in Panama statt. Wieso sollen Jugendliche an einer solchen Veranstaltung teilnehmen?

Abt Petrus: Der Weltjugendtag mit 200.000 Jugendlichen in Panama wird ein sehr bewegendes Ereignis mit vielen Begegnungen unter Jugendlichen und dem Papst sein. Die weltweite Vielfalt und Buntheit der Kirche wird dabei erlebt. Nicht alle können sich eine Reise nach Panama leisten. In einer einfacheren Weise kann aber auch in Amstetten die Buntheit und Vielfalt der Kirche erlebt werden. Denn eingeladen sind alle Jugendlichen, egal welcher Kirche sie angehören. Begegnungen mit Gott und untereinander, viel Freude und interessante Inhalte wird es auch in Amstetten geben. Den Papst wird man nicht treffen, aber soviel ich weiß, werden mindestens ein, wenn nicht sogar mehrere Bischöfe beim WJT in Amstetten dabei sein.

Unter dem Motto „Hier und Jetzt!“ geht es beim Diözesanen Weltjugendtag darum, auf Gott und die Menschen hin- und zuzuhören. Welche Erfahrungen haben Sie mit dem „Hören“ gemacht?

Abt Petrus: Der heilige Benedikt schreibt als ers­tes Wort in unserer Klosterregel, ,Höre mein Sohn!‘. Mit dem Hören fängt nicht nur die Lebensregel des heiligen Benedikt an, sondern auch das klösterliche Leben, das Glaubensleben, jede christliche Berufung! So bin ich auch ins Kloster gekommen. Ich habe bei Exerzitien das Hören geübt: in der Stille der Natur, im bewuss­ten Hören von Musik – nicht bloß Berieselung und Hintergrundmusik, beim Beten. Oft bin ich allein in einer Kirche gesessen und war einfach mal da. Ich habe gemerkt: Gottes Stimme ist leise, darum ist ein bewusstes Hinhören, ein Lauschen gefragt. Dazu braucht es eine gewisse Grundhaltung: Lass dir was sagen. Gott will uns sagen, dass er uns mag und uns gern hat und liebt. Wer lässt sich das nicht gerne sagen?

Papst Franziskus hat die Jugendlichen aufgerufen keine Couchpotatoes zu sein. Wie können Jugendliche „Hier und Jetzt!“ ihren Glauben leben und so die Welt zum Besseren verändern?

Abt Petrus: Als junger Mensch muss man auch fortgehen. In der Regel braucht man das den Jugendlichen nicht anschaffen. Auch im Glauben braucht es das: Hingehen zum WJT, daran teilnehmen, sich drauf einlassen, was an Programm geboten wird. Dabei kann man draufkommen, dass die Beschäftigung mit Gott und der gemeinsame Austausch über Gott eine wunderbare Bereicherung für das Leben ist, dass man dabei neue Erfahrungen machen kann. Dann wird man auch ganz von selber ein engagierter Mensch, der ein Stück zu einer besseren Welt beiträgt.

Der Diözesane Weltjugendtag möchte mit einem breiten Angebot an Workshops und Aktionen zwischen verschiedenen Spiritualitäten Brücken bauen. Welchen Mehrwert sehen Sie in dieser Vielfalt der Kirche?

Abt Petrus: In der Kirche gibt es eine breite Palette an Frömmigkeitsformen. Ob Charismatische Erneuerung, Neuevangelisierung, das Jugendhaus Schacherhof, Katholische Jugend der Diözese, neue Ordensgemeinschaften…, da ist durchaus für jeden was dabei. Buntheit und Vielfalt ist ein großer Reichtum.

Welchen Zusammenhang sehen Sie zwischen dem Diözesanen Weltjugendtag und der Jugendsynode in Rom?

Abt Petrus: Zunächst einmal ein zeitlicher Zusammenhang! Weit wichtiger aber: Aus der Erfahrung des gemeinsamen Feierns soll Ermutigung und Zuversicht wachsen, das ist die Absicht in Panama und auch in Amstetten.

Es gibt viele Jugendliche, die sich von der Kirche abwenden. Was würden Sie diesen im Rückblick auf die Jugendsynode raten?

Abt Petrus: Der Papst hat beim Abschluss der Synode formuliert: „Zuhören, bevor man spricht!“ Am Ende der Synode steht offenbar die Erkenntnis der Bischöfe, dass Kirche auf junge Menschen hinhören muss, damit das Evangelium nicht weltfremd und abgehoben verkündet wird. Ich erlebe immer wieder, dass die Verkündigung an der Lebenswelt der Menschen völlig vorbeigeht! Darum kann ich jungen Menschen nur empfehlen: Sucht Gesprächs­partner der Kirche, die authentisch Gott und Glauben bezeugen, die ehrliche Antworten auf eure Fragen geben, die für euch glaubwürdig sind! Geht zum Pfarrer, zum Pas­toralassistent, zum Kaplan, zu gläubigen Mitchristen und fordert sie heraus! …

Was erwarten Sie sich vom Diözesanen Weltjugendtag in Amstetten?

Abt Petrus: Ich erhoffe mir, dass viele Jugendliche kommen, sie in den gemeinsamen Stunden des miteinander Feierns viel Freude erleben und mit einer großen Dankbarkeit und einem erfüllten Herzen nach Hause fahren.