Interview mit Bischof Schwarz

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Einsatz im Heiligen Land

Im Sommer des Vorjahres ging Verena Haselmann aus der Pfarre Gföhl als „Missionarin auf Zeit“ nach Palästina. Für Kirche bunt beschrieb die junge Frau damals, was sie zu ihrem Weggang bewogen hat (Kirche bunt 34/2017). Dieses Mal erzählt Verena, welche Erfahrungen sie in diesem Jahr gesammelt hat, was sie gelernt und berührt hat.

Seit mehr als einem Jahr bin ich nun in Paläs­tina als Volontärin im „Beit Emmaus“. Es ist dies ein Pflegeheim für palästinensische Frauen christlichen und muslimischen Glaubens, die aufgrund ihres Alters oder einer Behinderung auf Hilfe angewiesen sind. Das „Beit Emmaus“ (Haus Emmaus) wird von der Ordensgemeinschaft der Salvatorianerinnen (SDS) geleitet. Es befindet sich in Qubeibeh, einem kleinen arabischen Dorf, das nur 12 km von Jerusalem entfernt liegt und wie die übrige „Westbank“ zunehmend unter den Folgen des israelischen Mauerbaus leidet.

Ein Licht am Ende des Tages. Es ist halb 8 Uhr morgens, das Morgengebet und das Frühstück sind vorüber und ich gehe einen Stock höher, auf die Pflegestation. „Sabah alcher, Valena“ (Guten Morgen Verena), ruft mir Shafika aus dem Salon auf Arabisch zu. Ein Strahlen leuchtet in ihrem Gesicht. Shafika ist eine sehr lustige und liebenswürdige Frau. Sie war eines von vielen Kindern und leidet an einer geistigen Beeinträchtigung. Da dies in ihrer Kultur als Strafe Gottes gilt, wurde sie weggesperrt. So erging es auch anderen Bewohnerinnen im Haus: Sie wurden in Zisternen, Hühnerställen oder Höhlen versteckt. Auf der Pflegestation kümmern sich Schwestern, Volontärinnen wie ich, arabische Mitarbeiterinnen und Studentinnen von Pflegeakademien um die Frauen.

Wie war das Einleben?

Ich bin sehr dankbar, dass ich beim Programm als MaZ (Missionarin auf Zeit) der Salvatorianer und Comboni Missionare teilnehmen und sehr gute Vorbereitungsseminare absolvieren konnte. Die Hausgemeinschaft in Emmaus besteht aus Salvatorianerinnen aus Sri Lanka, Philippinen, Kongo, Schweiz und Österreich, den VolontärInnen und Studentinnen. Es ist eine große Bereicherung, dass ich in der Hausgemeinschaft mitleben, mitbeten und mitarbeiten darf. Als größtes Geschenk sehe ich die gemeinsamen Zeiten beim Beten, Essen und feiern. Die gelebte Gastfreundschaft ist hier in Emmaus täglich spürbar. Durch die Besuche der Gruppen, ehemaliger Volontäre und anderer Gäste herrscht bei uns stets ein reges Leben.

Wo liegen die Herauforderungen?

Eine der großen Herausforderung sind die doch sehr verschiedenen Kulturen in dem eigentlich sehr kleinen Land, sowie die gesamte Situation im Heiligen Land. Eine Reise nach Jerusalem ist eine sprichwörtliche „Reise nach Jerusalem“, die trotz der kurzen Entfernung von 12 km oft bis zu zwei Stunden und mehr dauern kann, da es durch die Umwege über die „Checkpoints“ zu langen Wartezeiten kommen kann. Ich habe es besonders zu schätzen gelernt, wie „gut“ wir es als Europäer haben. Eine weitere Herausforderung ist es, als Frau hier zu leben. Man kann nicht einfach im Dorf herumspazieren oder abends ausgehen, wie wir es in Europa machen.  Die Schwestern sagen zu den „Unterschieden“: „Gut zusammen zu leben bedeutet, sich gegenseitigen Respekt zu erweisen.“

Was hat mich besonders berührt? Es sind die täglichen Begegnungen mit den Menschen hier in Emmaus. Ein ganz besonderes Erlebnis sind für mich die Festtage (Weihnachten, Ramadan, Ostern usw.). Es ist sehr berührend, wie wir uns gemeinsam freuen, uns gegenseitig unterstützen und beglückwünschen. Wir sind hier die einzigen Christen im Dorf, aber wir leben in Emmaus sehr gut zusammen. Wir tauschen unsere Kulturen aus. Es wird jedoch nie gefragt, wer welche Religion hat, es wird hier zusammen geLEBT, geLIEBT und geGLAUBT. Sr. Hildegard Enzenhofer (SDS), die Leiterin des „Beit Emmaus“, sagte einmal: „Wenn jemand stirbt, beten wir den Rosenkranz, die Muslime beten aus dem Koran, so ist es ein sehr durchbetetes Haus.“

Die Zukunft: Ich versuche mit meinem Engagement hier im Heiligen Land den Menschen, die lebendige Liebe weiterzuschenken, die uns geschenkt wird und so das Evangelium durch uns wirken zu lassen. Schließlich ist es ja auch DAS Heilige Land. Im Emmausevangelium heißt es ja auch „und sie sagten es weiter…“
Ich werde noch bis Ende des Jahres in Emmaus mithelfen. Diese Zeit hier im Heiligen Land war und ist eine sehr wertvolle Zeit für mich. Ich bin sehr dankbar, dass es mir möglich ist, Einblicke in die anderen Kulturen und das Leben im Heiligen Land zu haben und den Menschen in „Beit Emmaus“ die Liebe weiter zu schenken, die sie so notwendig benötigen. So kann ich jeden nur ermutigen, sich zu trauen über den „Tellerrand“ hinaus zu blicken und dort ein tägliches Wunder zu entdecken.    Verena Haselmann