Interview mit Bischof Schwarz

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Ein Geheimtipp: der Garten im Stift Göttweig

Foto: Stift Göttweig

Viele Touristen besuchen jedes Jahr das Stift Göttweig, doch die meisten von ihnen ahnen nichts vom besonderen Marillen- und Kräutergarten, der zum Kloster gehört. Eingestreut in die lokale Pflanzenwelt wachsen im Umkreis des Stiftes auch Gingko-, Tulpen- und sogar Mammutbäume.

Er ist ein Geheimtipp. Auch jetzt noch, wenn hier darüber zu lesen ist. Denn die Touristengruppen strömen an ihm vorbei durch das Südportal in den Stiftshof des Bene­diktiner­klos­ters. Er ist ein Geheimtipp, der Marillen- und Kräutergarten des Stiftes Göttweig. Der Eingang befindet sich in der Gartenmauer an der Südseite des Klosters neben dem Jugendhaus. „Es ist der höchstgelegene Marillengarten der Wachau“, sagt P. Pius Nemes, Tourismusverantwortlicher im Stift Göttweig. Den Garten habe es „immer schon“ gegeben, aber erst seit 2013 ist  er öffentlich zugänglich, in der warmen Jahreszeit täglich von 8 bis 18 Uhr.

Im Unterschied zu zahlreichen anderen Gärten großer Stifte handelt es sich hier nicht um einen barocken Schaugarten, sondern um einen naturbelassenen Nutzgarten. Die Bewirtschaftung geschah immer schon ökologisch; deswegen hat der Garten schon mehrmals den „Goldenen Igel“, eine Auszeichnung des Landes Niederösterreich verliehen bekommen, das letzte Mal erst 2017.
Jährlich werden damit jene Schaugärten ausgezeichnet, die einerseits in Qualität und Umfang überzeugen, andererseits die Kriterien von „Natur im Garten“ – keine Pestizide, keine chemisch-synthetischen Düngemittel und kein Torf – während einer Saison umsetzen.

Klostergärten haben eine sehr lange Tradition und entstanden ursprünglich als Nutzgärten für die Versorgung der Mönche. Sie spielten auch in der Entwicklung der Heilpflanzen eine wesentliche Rolle, wie
P. Pius erklärt. Neben dem Kräuter- und Gemüsegarten gab es natürlich auch einen Baumgarten, in dem regionale Früchte gepflegt wurden. In Göttweig sind das natürlich Marillen.
In diesem Nutzgarten auf dem Göttweiger Berg gibt es rund 50 Bäume aus zwölf verschiedenen, in der Wachau beheimateten Sorten. Im zugänglichen Glashaus, dem „Marillenbaumkindergarten“, befinden sich einjährige Jungbäume, die Besucher auch im Klosterladen erwerben können. „Familie Aufreiter aus Angern hilft uns bei der Pflege der Marillenbäume und verarbeitet auch die reifen Früchte“, erklärt P. Pius. Verarbeitet werden die Marillen zu Nektar, Marmelade, Likör, Brand und Frizzante.

Gingko-, Tulpen- und Mammutbäume

Wer staunt, dass in diesem Garten zwölf verschiedene Marillensorten reifen, wird gleich noch mehr staunen: Im Jahr 1868 wurden 415 verschiedene Sorten im Verzeichnis des Klos­ters gelis­tet! „Im Stift gab es immer Experten für Botanik“, erzählt P. Pius. Wie etwa P. Gerhard Schirnhofer (1819-1901), der die Gartenbauschule in Wien gegründet und im 19. Jahrhundert Pflanzen aus aller Welt über Hamburg eingeschifft hat. Eingestreut in die lokale Pflanzenwelt wachsen im Umkreis des Benediktinerklosters seitdem Gingko­bäume, einige Tulpenbäume – die größten Exemplare in Österreich – oder die sehr seltene einblättrige Esche.

Besonders stolz ist der Göttweiger Forstbetrieb auf seine Mammutbäume: Zwei Kilometer vom Stift entfernt ragen 16 im Jahr 1880 als Samen eingelegte Exoten, Sequoiadendron giganteum, weit über den umliegenden Bestand einheimischer Baumarten hinaus. Dieses Zeichen klösterlichen Weitblicks und wissenschaftlicher Gesinnung findet auch im 21. Jahrhundert seine Fortsetzung: 68 schriftlich dokumentierte Versuchsflächen auf 53 Hektar zeugen davon.

Doch zurück in den Garten: Zwischen den Marillenbäumen finden sich auch Kräuter und bunte Gemüsebeete. Verschiedenste ein- und mehrjährige Kräuter pflegt das Küchenteam für das Restaurant. P. Pius: „Wir bitten deshalb auch unsere Besucher um Verständnis, dass ihre vierbeinigen Begleiter vor dem Garten warten müssen.“ Auch die Ernte der prachtvollen Gurken, Paradeiser, Zucchini und Salat­häuptel gehört den Mitarbeitern des Stiftes Göttweig.

Zweimal im Jahr können Besucher Kräuter aus dem Garten mitnehmen: Am 15. August, dem Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel, dem Patrozinium aller Klosterkirchen der Benediktiner weltweit, sowie zum Erntedankfest gibt es Kräutersegnungen in der Stiftskirche. Anschlie­ßend laden die Patres zu Kaffee und Kuchen in den Garten, wo es gegen eine freie Spende Kräutersträußchen zum Mitnehmen gibt.

Kräutersträuße für Besucher aus dem Klostergarten

Doch der Marillengarten ist ohnehin nicht für das kulinarische Vergnügen gedacht. Bankerln und Liegestühle laden zum Verweilen und Ausruhen ein – in der Wiese, im Schatten unter den Bäumen, mit Blick auf das Stift oder in die Wachau hinunter. Hier ist es immer friedlich und ruhig, auch wenn vor dem Tor die Touris­tengruppen aus aller Welt vorbei eilen. Markus Michael Riccabona