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Die Taufe – Sakrament des neuen Lebens

Jesus ließ sich von Johannes im Jordan taufen, trat aber selbst nicht unmittelbar als Täufer in Erscheinung. Für seine eige­ne Sendung und für die Kirche ist die Taufe aber von entscheidender Bedeutung.

Mit dem Fest der Taufe Jesu am Sonntag nach dem Dreikönigstag geht der weihnachtliche Festkreis zu Ende. Beide Feste, die heuer eng beieinander liegen, bilden einen machtvollen Nachhall der Geburt Jesu in der Heiligen Nacht. Sie gehören inhaltlich eng zusammen und waren etwa in Ägypten das eigentliche Weihnachtsfest der Christen, lange bevor in Rom das Geburtsfest Jesu auf den 25. Dezember festgelegt wurde. Der Geburtstag Jesu war nicht so wichtig, entscheidend war das Aufleuchten der Herrlichkeit Gottes, wovon ja der 6. Jänner die etwas sperrige liturgische Bezeichnung „Erscheinung des Herrn“ hat. Auch die Taufe Jesu im fließenden Wasser des Jordan ist ein solches Epiphanie-Ereignis: Der Vater nennt Jesus, der sich in die Reihe der Sünder gestellt hat, seinen „geliebten Sohn“, der mit Heiligem Geist erfüllt ist (siehe auch Wort zum Sonntag von Abt Michael Proházka).

Das Beispiel Jesu wurde zur Grundlage für die Taufpraxis der Kirche. Dass Jesus selbst taufte, klingt nur im Johannesevangelium kurz an, wobei aber sofort eingeschränkt wird, dass nicht Jesus taufte, sondern seine Jünger (Joh 3,22; 4,1-2). Die Taufe hat für Jesus noch einen tieferen Sinn: „Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?“ (Mk 10,38). Es ist der Weg der Hingabe, der zur Erlösung führt. Zum bleibenden Vermächtnis Jesu gehört der sogenannte Taufbefehl beim Abschied von seinen Jüngern: „Tauft sie (alle Völker) auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,20).

In der Apostelgeschichte ist die Taufe jedenfalls schon vom Pfingstwunder an das Kriterium für die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Christen. Nach der Pfingstpredigt sagt Petrus zu den von den Ereignissen Erschütterten: „Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung eurer Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen“ (Apg 2,38). Wo die 3000 neu Hinzugekommenen die Taufe empfingen, wird nicht gesagt – der Jordan ist von Jerusalem aus gut zwei Tagesmärsche entfernt.

Ihr alle seid einer in Christus

Entscheidend geprägt hat das frühchristliche Verständnis der Taufe aber der Apostel Paulus. Er sieht sie unter dem Aspekt eines radikal neuen Lebens in Christus. Die Taufe ist für ihn ein Mitvollzug des Todes Jesu und damit eine Absage an ein „altes“ Leben. In einem zweiten Schritt folgert er, dass wir, wenn wir mit Christus gestorben sind, auch mit dem auferweckten Christus das „neue“ Leben haben. Das neue „Sein in Christus“ ist unlösbar mit der Gabe des Geistes Gottes und der Zugehörigkeit zur „Gemeinschaft des Herrn“ verbunden. Die mit der Handauflegung verbundene Mitteilung des Heiligen Geistes ist heute ein eigenes Sakrament. Damit ist jedoch die wesensmäßige Zusammengehörigkeit der drei Sakramente der christlichen Initiation – Taufe, Firmung und Eucharistie – in den Hintergrund gerückt.

Die Taufe ist schon vor Paulus der Aufnahmeritus zur Eingliederung in die christliche Gemeinde. Die durch Untertauchen vollzogene Taufe wurde als Abwaschung und Sündenvergebung gedeutet. Paulus bringt die Überliefrung aber auf den Punkt: „Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt, durch den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat“ (Kol 2,12). Wesentlich ist dabei das Verständnis von der Kirche als Leib Christi: „Denn wie der Leib einer ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: So ist es auch mit Christus. Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt“ (1 Kor 12,12-13). Ihr habt „Christus angezogen“, lautet eine Umschreibung für das neue Sein der Glaubenden (Gal 3,27) – auch hier wird die Aufhebung aller Unterschiede, sogar von Mann und Frau, betont, „denn ihr alle seid einer in Christus Jesus“ (Gal 3,28). Das Verkehrteste wäre es aber, die Taufe als das äußerliche Anziehen einer Uniform oder Mitgliedschaft in einem Verein zu verstehen. Es ist ein existenzieller Akt, der letztlich nicht vom Menschen, sondern vom Heiligen Geist gewirkt ist.

„Wie kann ein Mensch, der schon alt ist, geboren werden? Kann er etwa in den Schoß seiner Mutter zurückkehren und noch einmal geboren werden?“, sinniert der jüdische Ratsherr Nikodemus über das Wort Jesu (vgl. Joh 3,1-21): „Wenn jemand nicht von oben geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ Die Antwort Jesu kann man auch als Auskunft über das Wesen der Taufe lesen: „Wenn jemand nicht aus dem Wasser und dem Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“ Im Titusbrief wird die Taufe als „Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung im Heiligen Geist“ bezeichnet. Auch für das Markusevangelium ist die Taufe das Sakrament des Glaubens. Beim letzten Zusammensein mit den Jüngern sagt der auferstandene Jesus: „Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet“ (Mk 16,16).    Schlager