Interview mit Bischof Schwarz

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Die Pfarren vor den Vorhang holen

Ein Interview mit Dipl. Geol. Axel Isenbart,  Umweltreferent und   Generalsekretär der Katholischen Aktion (KA) der Diözese St. Pölten, über den Diözesanen Umweltpreis, der von der Katholischen Aktion der Diözese St. Pölten vor neun Jahren initiierte wurde.


Was war ursprünglich die Motivation für den Diözesanen Umweltpreis?
Isenbart: Der Auslöser war, dass wir ein Projekt gemacht haben, Pfarrfeste schöpfungsfreundlich zu gestalten. Die ersten beiden Jahre haben wir diesen Umweltpreis nur auf ökologische Pfarrfeste gerichtet. Erst danach ist er mit den Themen Bauen, Energie, Bildung, Schöpfung in der Liturgie, auch für Kinder und Jugendliche, breiter geworden. Wir wollten Pfarren, die da etwas Gutes tun, vor den Vorhang holen, damit sie bestärkt werden, dass sie auf einem guten Weg sind. Und wir wollten anderen Pfarren und der Öffentlichkeit zeigen: Kirche macht was in Richtung Grün und Ökologie.

Wie schwierig war heuer der Entscheidungsprozess, oder welche Kriterien waren da ausschlaggebend?
Isenbart: Der Entscheidungsprozess ist jedes Jahr eigentlich schwierig. Es sticht meistens eine Pfarre heraus, wo man sagt: eindeutig. Und dann gibt es Pfarren, die ein ähnliches Level oder Niveau haben, und da entscheiden wir dann immer: Wie breit ist das Thema in der Pfarre angesiedelt? Wenn z. B. eine Pfarre ein ökologisches Pfarrfest mit allem Drum und Dran feiert, dann sagen wir: Gut, wenn Ökologie in der Liturgie auch noch erwähnt wird, ist das ein Mehrwert.

Sind Sie allgemein zufrieden mit der Arbeit in den Pfarren Niederösterreichs, oder sehen Sie Luft nach oben?
Isenbart: Es gibt so einen Grundstandard, den viele Pfarren einhalten. So versuchen z. B. alle Pfarren, die ein Pfarrfest machen, möglichst wenig Plastikmüll zu produzieren. Es gibt auch viele Initiativen, regional einzukaufen. Luft nach oben gibt es z. B. was das Umweltmanagement oder Klimabündnis-Pfarren betrifft, dass man nicht nur ein Projekt verwirklicht, sondern nach einer Themen-Checkliste alle Pfarraktivitäten ansieht – vom Alltag in der Pfarrküche bis hin zu Themen wie Energie oder Gebäudesubstanz.

Geht die Diözese selbst in Sachen Umwelt mit gutem Beispiel voran?
Isenbart: Ja natürlich! Wir von den Pastoralen Diens­ten haben uns zwei Jahre lang einem Umweltmanagementsystem der EU unterworfen und haben das System EMAS (Eco-Management und Audit-Systems, Anm.) heuer im August eingeführt, mit dem Ziel, dass das in die anderen Dienststellen und Pfarren hinausstrahlt. Ein Beispiel ist, dass ich den Energieverbrauch im Gebäude beobachte und schau, wie ich diesen steuern kann. In den Pfarren weiß man häufig nicht, wieviel Energie wofür gebraucht wird

Haben Sie ein besondere Wünsche an den Vatikan oder die katholische Kirche allgemein im Hinblick auf gelebte Schöpfungsverantwortung?
Isenbart: Die Papstenzyklika „Laudato si“ hat da nicht nur innerkirchlich, sondern insgesamt einen großen Schub bewirkt und das Thema Ökologie mehr ins Zentrum gerückt. Jetzt geht es um die Umsetzung von „Laudato si“ in die Praxis. Und da hapert es an vielen Dingen noch, ein Beispiel ist das Thema Energie. Wir in der Diözese heizen zum Teil mit Erdöl, Erdgas oder Pellets. Wenn wir aber wissen, dass wir 2050 aus den fossilen Brennstoffen draußen sein müssten, dann sollten wir uns als Kirche Gedanken machen, wie wir das schaffen können. Da müss­te man Überlegungen anstellen, wie man innerhalb von 15 Jahren aus der Ölnutzung aussteigen kann. Ich glaube, da braucht es von den Diözesen Umsetzungspläne, um es wirklich im kirchlichen Alltag zu verankern. Wir versuchen natürlich durch den Umweltpreis und EMAS Schritte in die Richtung zu gehen, aber das sind noch zu sehr Einzelprojekte. Interview: Michael Link