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Die Freude der Auferstehung in unseren Pfarren

Ostern – Jesus hat den Tod überwunden und ist auferstanden. Die Freude über die Frohe Botschaft kommt in den liturgischen Feiern wie auch im Brauchtum bei den Auferstehungsfeiern am Karsamstagabend bzw. am Ostersonntag früh morgens sowie beim Hochamt am Ostersonntag auf vielfache Weise zum Ausdruck.

Das Osterfeuer, die feierliche Auferstehungsmesse, die festliche Prozession, ein mit Chor und/oder Musikkapelle besonders gestaltetes Hochamt am Ostersonntag, die Speisensegnung… – in den Pfarrkirchen in der Diözese St. Pölten kommt die Osterfreude auf vielfache Weise in der Liturgie sowie im gelebten Brauchtum zum Ausdruck.

Glöckchen und Lichter

In manchen Pfarren wird die Freude über die Frohe Botschaft auf besondere Weise hör- und sichtbar: So sind etwa in der Pfarre Großglobnitz im Waldviertel alle Fenster im Ort, an denen der festliche Prozessionszug nach dem Auferstehungsgottesdienst vorbeizieht, von Hunderten Lichtern hell erleuchtet. Während der Prozession läuten die Ministranten mit Glöckchen.

Lichter und Glöckchen spielen auch in der Pfarre Gföhl zu Ostern eine bedeutende Rolle. Schon beim Gloria bei der Auferstehungsmesse ertönen in der Kirche viele kleine Glocken der Mess­besucher. Die meisten der Gläubigen wissen nämlich um diesen besonderen Brauch und haben zur Auferstehungsfeier nicht nur ein Licht, das am Osterfeuer entzündet wird, mit dabei, sondern eben auch ein Glöcklein. Nach der Feier in der Kirche zieht die Prozession feierlich durch den Ort – begleitet vom Chor und der Musikkapelle und den Gläubigen mit den klingenden Glöckchen und brennenden Lichtern wird der Auferstandene von vier Jugendlichen durch den Ort getragen.

Osterwitze und Osterlachen

Und auch am Ostersonntag beim Hochamt kommt die Osterfreude in der Pfarrkirche in Gföhl auf ganz besondere Weise zum Ausdruck: durch das Osterlachen. Über Jahrhunderte hinweg erzählten Priester in ihrer Osterpredigt eine heitere Anekdote oder einen Witz, um der Gemeinde ein herzliches Lachen zu entlocken. Es macht deutlich, dass mit der Auferstehung der Sieg über den Tod errungen ist. Christen haben deswegen allen Grund zum Lachen und zur Freude. So erzählt der Gföhler Pfarrer Thomas Pichler nach der jeweiligen Lesung einen passenden Osterwitz. „Kirche bunt“ verriet er einen vorab:
Die Mutter erkundigt sich bei ihrem Sohn über den Religionsunterricht: „Was habt ihr denn heute gemacht?“ Der Sohn antwortet: „Der neue Pfarrer hat eine ganz komische Geschichte erzählt. Die Israeliten zogen aus Ägypten aus und standen vor dem Meer. Da kam zum Glück ein Hubschrauber, ließ sie alle einsteigen und flog sie übers Meer.“ Die Mutter fragt verwundert: „Der Herr Pfarrer hat die Geschichte wirklich so erzählt?“ Sohn: „Nein, eigentlich hat er sie anders erzählt, aber würde ich sie so erzählen wie er sie erzählt hat, würdest du sie nie glauben!“

Osterlachen – das gehört auch in anderen Pfarren in der Diözese zu Ostern dazu. So auch in der Pfarre Steinakirchen am Forst, wo Pfarrer Hans Lagler die Gläubigen mit dem einen oder anderen Witz zum Lachen bringt. Aber noch etwas gehört in Steinakirchen am Forst zu Ostern dazu: die Osteraugen. Dafür waschen sich die Gläubigen nach der Auferstehungsmesse mit dem gesegneten Taufwasser am Platz vor der Kirche ihre Augen. Mit den Osteraugen, so der Glaube, können die Menschen die Veränderungen, die Jesus durch die Auferstehung ermöglicht, sehen.

Segen und Schutz

Ein besonderer Brauch wird nur wenige Kilometer weiter in der Pfarre Reinsberg gepflegt: die sogenannte „Brigl-Weihe“. Dabei bringen die Gläubigen einen Holzprügel, der oft kunstvoll markiert ist, mit und legen diesen in das Osterfeuer, das wie in den meis­ten Pfarren in der Diözese vor der Auferstehungsfeier vor der Kirchentür entfacht wird. Nach Ablöschen des Osterfeuers wird der verkohlte ,,Brigl“ mit nach Hause genommen und bei nahendem Unwetter zum Schutz und Segen des Hauses hervorgeholt.

In Horn wird die Auferstehungsfeier gleich in drei Stadtkirchen gefeiert: Die Oster­vigil beginnt im Garten der Piaris­tenkirche, wo das Osterfeuer entfacht wird. Dann führt die Prozession zur Stadtpfarrkirche, wo ein symbolisch vor das Tor gelegter Rollstein entfernt werden muss. Dort folgt die Wortgot­tesfeier, Tauferneuerung, eucharistie und Speisensegnung, abschließend führt die Auferstehungsprozession zur Stephanskirche, wo der Eucharistische Segen erteilt wird.

Im Stift Geras wird wohl zu österreichweit einzigartigen Ostergottesdiensten eingeladen: In der ganzen Karwoche fanden Liturgien sowohl im lateinischen als auch im byzantinischen Ritus statt. Am 30. März ist die zum Stift gehörende byzantinische Kapelle Schauplatz für die „Grablegung mit Beweinung Christi“ und am 31. März für die Mesonyktikon-Ostermatutin und die Osterliturgie. Abt Mi­chael Proházka sagt: „Hier in Geras ist eine Stätte der Begegnung von Ost und West. Denn was uns verbindet, ist mehr als das, was uns trennt.“ Die byzantinische Kapelle soll ein Zeichen sein, dass die katholische Kirche „mit beiden Lungenflügeln atmet“ und „unser Stift möchte so seine Brückenfunktion zwischen Ost und West wahrnehmen“.

Emmausgang am Ostermontag

Den Ostermontag nutzen viele Pfarren für einen Emmausgang. So bricht man in der Pfarre Rohrbach an der Gölsen im Dekanat Lilienfeld bereits um 5 Uhr morgens auf, um zur „Weingartenkapelle“ zu gehen, wo eine Messe gefeiert wird, danach gibt es eine gemeinsame Agape. Auch in der Pfarre Waidhofen an der Thaya beginnt der Emmausgang traditionell um 5.30 Uhr morgens. Der Weg führt zur Pfarre Buchbach, wo es um 8 Uhr eine Messe und ein anschließendes Frühstück gibt.

Ein schönes Zeichen der Verständigung zwischen Österreichern und Tschechen ist der zweisprachige Got­tesdienst am Ostermontag in der ehemals zur Diözese St. Pölten gehörenden Kirche in Zuggers, die am rechten Ufer der Lainsitz an der Grenze zu Österreich liegt. Initiiert wurde dies vom Pfarrer von Ceske Velenice, P. Thomas Vyhnalek. Sonja Planitzer