Interview mit Bischof Schwarz

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Die „Eisheiligen“ und die „kalte Sophie“

Foto: Harald Oppitz/KNA

„Ehe nicht Pankratius, Servatius und Bonifatius vorbei, ist nicht sicher vor Kälte der Mai“ ist einer der Sprüche, die sich auf die „Eisheiligen“ beziehen. Diese Bauernregeln warnen vor dem späten Frost und gehen auf jahrhundertelange Erfahrung und Wetterbeobachtung zurück.

Ob die „Eisheiligen“ auch heuer wieder ihrem Namen gerecht werden, war bei Redaktionsschluss dieser „Kirche bunt“-Ausgabe ungewiss. Aber dass es in den Tagen um den 11. bis 15. Mai noch einmal so richtig kalt werden kann, das bestätigt nicht nur eine alte Bauernregel, sondern beobachten auch Meteorologen des 21. Jahrhunderts (siehe Interview).

Als „Eisheilige“ werden die Heiligen bezeichnet, deren Namenstage die Kirche zwischen dem 12. und dem 15. Mai feiert. Je nach Region wird auch der hl. Mamertus (11. Mai) dazugezählt. Er war im fünften Jahrhundert Bischof im französischen Vienne. Pankratius (12. Mai) wurde ein Jahrhundert früher in Rom als Märtyrer hingerichtet, und Servatius (13. Mai) war im vierten Jahrhundert Bischof im belgischen Tongern. Mit dem am 14. Mai gefeierten heiligen Bonifatius ist der sizilianische Märtyrer aus dem vierten Jahrhundert gemeint. Die einzige Frau unter den „Eisheiligen“ ist die hl. Sophie (15. Mai), im Volksmund als „kalte Sophie“ bekannt. Sie erlitt schon als junge Frau, wahrscheinlich während der Chris­tenverfolgung unter Kaiser Diokletian, den Märtyrertod. Die Überlieferungen haben sich im Laufe der Jahrhunderte aber mit denen über Sophie von Mailand vermischt.

Eigentlich haben die besagten Heiligen nichts mit dem Wetter zu tun. Der Name „Eisheilige“ rührt daher, dass häufig Mitte Mai eine Wetterperiode mit Zufuhr arktischer Meeresluft einsetzt, die als kritisch für die Landwirtschaft gilt. Hintergrund ist, dass sich im Mai der europä­ische Kontinent deutlich schneller aufheizt als das umgebende Meer. An der Grenze von Warm und Kalt entstehen Tiefdruckgebiete, die polare Kaltluft bis Mitteleuropa bringen können. An solchen Tagen droht nach den Erfahrungen der Bauern der letzte Frost und damit – wie mehrmals in den letzten Jahren – eine große Gefahr für die Ernte.

Nach Angaben der Wetterforscher sind die Eisheiligen ihrem Ruf in den letzten zwei Jahrzehnten allerdings nicht ganz gerecht geworden: In den historischen Aufzeichnungen deutet sich an, dass solche späten Kaltluftperioden im 19. und 20. Jahrhundert häufiger und intensiver aufgetreten sind als in den letzten Jahren. In den vergangenen 30 Jahren haben die Eisheiligen an Bedeutung verloren, so Meteorologen. Im Durchschnitt hätten sich die letzten Nachtfröste durch den Klimawandel um zwei Wochen nach vorn verschoben, also auf die Zeit zwischen Ende April und Anfang Mai.

Dennoch: Nach gängiger Meinung sollte man empfindliche Pflanzen wegen der hohen Frostgefahr erst nach den „Eisheiligen“ ins Freie stellen bzw. setzen. Die Regel hat, laut Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), einen wahren Kern, vor allem wenn man sie nicht streng auf den Termin Mitte Mai festlegt. Minusgrade kommen in tiefen Lagen Österreichs im Mai immer wieder vor. In den letzten 20 Jahren gab es z. B. in St. Pölten durchschnittlich alle ein bis zwei Jahre Bodenfrost. Je höher ein Ort liegt, desto häufiger ist Bodenfrost auch noch im Mai zu beobachten.

Bauernregeln – Erfahrungswerte aus Beobachtungen

Wetterprognosen, wie wir sie heute kennen, werden erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts erstellt. Davor hat man auf die Erfahrungswerte aus Beobachtungen von Eltern und Großeltern gehört. Daraus haben sich die sogenannten Bauernregeln abgeleitet. Das bäuerliche Leben hat sich einst draußen abgespielt: Wolkenbilder wurden beobachtet und die Frosttage gezählt.
Neben den „Eisheiligen“ gibt es noch andere Witterungsereignisse, die im Jahreslauf relativ regelmäßig eintreten: Etwa die Schafskälte um den 10. Juni oder der Siebenschläfertag am 27. Juni. Verkompliziert wird die Berechnung solcher Wetterphänomene allerdings durch die Gregorianische Kalenderreform 1582, in deren Folge mehrere Tage aus dem Kalender gestrichen wurden, da der bis dahin gültige Julianische Kalender nicht mehr genau genug war. So lag beispielsweise der Tag der „Kalten Sophie“ vor der Reform auf dem Tag, der heute dem 22. Mai entspricht. Oft ist es allerdings im Nachhinein nicht mehr nachvollziehbar, ob eine kalenderbezogene Bauernregel vor oder nach Einführung des Gregorianischen Kalenders entstanden ist. Erste schriftliche Hinweise auf die Eisheiligen als Zäsur zwischen dem „Winterfrost“ und den sommerlich warmen Tagen finden sich im 15. Jahrhundert im „Heiligen Namenbuch“ des Konrad Dankrotzheim: „Pancratius und dann noch wol drie und die jungfrowe Sante Sophie – darnach let sich der sumer an.“

Jesus und das Wetter

Wetterregeln waren übrigens bereits im Altertum bekannt – so unternahm schon Aristoteles in seiner „Meteorologica“ einen ersten wissenschaftlichen Versuch, Wetterregeln zu ergründen. Auch im Neuen Testament werden Wetterregeln aufgenommen, die sich hier auf Palästina beziehen: „Außerdem sagte Jesus zu den Leuten: Sobald ihr im Westen Wolken aufsteigen seht, sagt ihr: Es gibt Regen. Und es kommt so. Und wenn der Südwind weht, dann sagt ihr: Es wird heiß. Und es trifft ein.“ (Lukas 12,54-55).

 

 

Wetterchef aus St. Pölten

Christian Häckl ist seit 1994 als Meterorologe und Leiter der Wetterredaktion bei der deutschen Rundfunkanstalt RTL tätig und präsentiert bei der Nachrichtensendung „RTL aktuell“ das Wetter. Häckl ist gebürtiger St. Pöltner und war als Bub Minist­rant. Privat engagiert er sich als Botschafter im gemeinnützigen Verein „Nothing is Forever e. V.“ für Betroffene der genetisch bedingten Erkrankung Neurofibromatose. An der Krankheit, bei der Tumore an allen Hautstellen auftreten können, ist sein 12-jähriger Sohn Fabian erkrankt. Folgend Auszüge aus einem Interview der Katholischen Nachrichtenagentur mit Häckl im Jahr 2017.


Herr Häckl, können Sie die Eisheiligen aufzählen?

Häckl: Servatius, Pankratius, Mamertus, dann fällt mir einer nicht ein und dann im Süden gibt es ja noch die „kalte Sophie“.


Bonifatius... Kennen Sie Bauernregeln zu den Eisheiligen?

Häckl: Was fällt mir dazu ein? Ist der Mai kühl und nass, füllt’s dem Bauern Scheun’ und Fass. Die kenne ich. Und diese Regel hat ja auch einen Hintergrund. Am Beginn der Vegetationsperiode brauchen die Pflanzen mehr Feuchtigkeit und nach hinten raus eher die Sonne.


Gibt es um die Eisheiligen herum eine Wetterlage, die immer wiederkehrt?

Häckl: Zu den Eisheiligen kann durchaus noch mal Kaltluft vorstoßen. Das hat sich aber vor allem in den letzten Jahrzehnten dramatisch geändert und ich bringe dann gerne den Spruch: „In den letzten 30 Jahren waren die Eisheiligen eher Schweißheilige.“


Also merkt man etwas vom Klimawandel?

Häckl: Ja. Wir hatten zum Beispiel in den letzten zehn Jahren viele Aprilmonate mit extrem warmem, trockenem Wetter. (…)


Sie wollen den Zuschauer mit Ihrem Wetterbericht informieren und unterhalten, Sie bieten jeden Tag gewissermaßen eine Show von einer Minute und dreißig Sekunden. Wo haben Sie erste Moderationserfahrungen gesammelt?

Häckl: Wenn Sie so wollen daheim in der Kirche. Ich komme ja aus Österreich, und da war ich natürlich Messdiener. Und mit 16 oder 17 durfte ich dann am Samstagabend die Lesungen lesen. (…)