Interview mit Bischof Schwarz

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Der Jakobsweg – auch etwas für mich?

35 Tage lang war der St. Pöltner Paul Sieberer heuer mit seiner Frau Ulli auf dem Jakobsweg unterwegs, hunderte Menschen verfolgten sein Pilger-Tagebuch auf Facebook. Bei seinem Vortrag „Der Jakobsweg, auch etwas für mich?“ lädt der Autor und Theatermacher die Zuhörer ein, mit ihm in der Erinnerung diesen Weg nochmals zu gehen.

Nein, der Jakobsweg ist nichts für mich!“, das war die Überzeugung von Paul Sieberer über viele Jahre. Der „Camino“ war für den St. Pöltner „zu sehr vermarktet, zu überlaufen, zu modern und ruhelos“. Die Kehrtwende kam bei einem Urlaub im Sommer 2017 in Spanien. Zwei Tage lang „probierten“ Paul Sieberer und seine Frau Ulli den Weg aus Neugierde aus. Eine Erfahrung, die seine vorgefasste Meinung auf den Kopf stellte. Paul Sieberer: „Wir erkannten, dass der Weg eine immense Kraft hat und dass wir ihn schnell gehen wollen, weil das Leben vielleicht nicht so lange ist, wie man oft tut.“

Heuer war es soweit: Vom 16. August bis 21. September bewältigte das Paar den 876 Kilometer langen „Camino“ – den Jakobsweg – von Saint-Jean-Pied-de-Port auf der französischen Seite der Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela und darüber hinaus nach Finisterre an der Atlantikküste. Hunderte Menschen verfolgten die mitunter heiteren, aber immer wieder berührenden Tagebucheinträge Sieberers auf Facebook. Und nun – nach seiner Rückkehr – lädt der Autor und Theatermacher ein, mit ihm bei Vorträgen den „Camino“ in der Erinnerung nochmals zu gehen (nähere Infos in der Box).

Beim Vortrag kürzlich im Bildungshaus St. Hippolyt gab Paul Sieberer neben ganz praktischen Tipps zu Anfahrt, Pilgerpass, Ausrüstung oder Unterkünften, vor allem seine Eindrücke und Einsichten wieder – humorvoll und berührend. „Kirche bunt“ war dabei und hat die Eindrücke und Einsichten unter Schlagwörtern zusammengefasst.

Über den Weg: „Du gehst los und denkst dir: Schaffe ich das? Die Wahrheit ist, dass du es nicht weißt, ob du es schaffst. Ich habe immer wieder Leute sagen gehört: ,Der Camino macht das‘ –  und es ist wirklich ein bisschen so. (…) Ich habe am Jakobsweg auch ein paar Mal weinen müssen, weil mir klar wurde: Diesen Weg, den ich da gehe, den gehen seit tausend Jahren Menschen. Der Weg hat eine Aura und ich bin überzeugt, wenn tausend Jahre Leute einen Weg gehen, dass das mit dem Weg etwas macht.“

Über den Tod: „Auf dem Weg begegneten uns immer wieder Kreuze, weil hier auch Pilger sterben. Man denkt am ,Camino‘ ausführlich über den Tod nach und irgendwie verliert er dabei das Grausliche. Ich glaube, dass wir viel zu wenig über den Tod nachdenken. Die Zeit vor dem Sterben bekommt aber eine neue Qualität, wenn man das Ende akzeptiert.“

Begegnungen: „Der Jakobsweg bedeutet auch Begegnung – interkulturell, international… Da ist man gemeinsam auf dem Weg und es fragt dich keiner, was man macht. Es wird nur gefragt, woher man kommt und warum man den Weg geht. Die Motive sind so verschieden, wie die Menschen verschieden sind. Der eine macht den Jakobsweg aus sportlichen Gründen, der andere weil er eine Lebenskrise hat und wieder der andere will wissen, ob er am Jakobsweg Gott begegnen kann. Es begegnen einem hunderte Geschichten auf diesem Weg.“

Über den Glauben: „Spanien ist sehr katholisch – die Kirche und die Muttergottes begegnen einem überall – da steht auch einmal eine Muttergottesstatue in einem Kaffeehaus.“ Er selber, so Paul Sieberer, sei vor drei Jahren wieder in die Kirche eingetreten. Nachdem er sich 2015, als es die große Einwanderungswelle gab, für Migranten engagierte und dies „noch immer für gut und richtig“ befindet, sei er eines Tages an den Punkt gekommen, wo er gedacht habe: „Was ist mit unserer Kultur? Was ist mit unserem Glauben? Und natürlich führte mich das gleich weiter zur Frage: Was ist mit meinem Glauben? Was lebe ich eigentlich?“
Der Frau mit Kopftuch zolle man Respekt, und gegenüber der alten Frau mit dem Rosenkranz in der Hand nicht? „Ich dachte mir: Ich finde unsere Kultur, unseren Glauben auch lässig. Das sind meine Wurzeln, da komme ich her. Ich will keine Gesellschaft, die so tut, als gäbe es keinen Herrgott. Das ist arm. Und deshalb bin ich wieder eingetreten und deshalb bin ich den Jakobsweg gegangen.“

Das Ziel: „Wenn man so lange geht und ans Ziel kommt, dann ist das schön. Und es ist ein bisschen die Gefahr da, dass man einbricht und sich fragt: Was, jetzt bin ich fertig? Dieser Weg war für mich eine der schönsten Sachen, die ich in meinem Leben gemacht habe. Die wunderbarste Erkenntnis, die es mit nach Hause zu nehmen gilt, ist jene, dass der Weg weitergeht, so wie er schon davor begonnen hat. Gott war da, ist da und wird da sein. Wenn du das auch bist, dann steht einem Dream-Team nichts im Wege!“ Sop

 

Der Vortrag

„Der Jakobsweg – auch etwas für mich?“, diesen Vortrag bietet Paul Sieberer auch Pfarren und kirchlichen Einrichtungen an. Anfragen und nähere Informationen dazu direkt bei Paul Sieberer unter Tel. 0664/150 14 04.