Interview mit Bischof Schwarz

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Der Heilige Abend – drei Mal anders erlebt

Menschen feiern Weihnachten auf unterschiedliche Arten. Kirche bunt hat gefragt, wie der Heilige Abend in einer großen Familie, beim Herrn Pfarrer und im Krankenhaus verläuft.

Bei Karin Volpini wird heuer zum ersten Mal noch ein weiteres Augenpaar gebannt auf den leuchtenden Christbaum blicken. Im Juni brachte die Mostviertlerin nämlich ihr viertes Kind, Anton, auf die Welt. Gemeinsam mit den vierjährigen Zwillingen Marie und Michael und der zweijährigen Magdalena ist bereits der Advent eine kunterbunte und lebendige Zeit am Bauernhof im Bezirk Amstetten. 

In den Weihnachtsmorgen startet die Familie dann aber sehr gemütlich – sie schlafen sich nämlich gemeinsam aus. Ehemann Franz macht sich dann auf in den Stall, während Karin das Frühstück zubereitet. Danach unternimmt die sechsköpfige Familie einen Spaziergang durch den Wald. Vormittags, erzählt Karin, nehmen sie und ihr Mann sich bewusst Zeit für die Kinder. Mittags gibt es eine Nudelsuppe und Rindfleisch oder Frankfurter. 

Nach dem Mittagessen besuchen die Volpinis die Urlioma und gehen anschließend in die Kindermette. Nach der Kirche besuchen sie dann die Gräber der verstorbenen Großeltern des Ehepaares und zünden eine Kerze an. Und dann fängt auch schon der eigentliche Heilige Abend an: Karin kocht „etwas Gutes“, Fisch oder Raclette. Was es letztendlich wird, wird spontan entschieden. Nach dem Essen räuchern sie gemeinsam das Haus aus, lesen eine Adventgeschichte und schauen dann, ob das Christkind schon da war. Nach der Bescherung setzen sich Franz und Karin mit ihren Kindern gemütlich zusammen und spielen mit ihnen. Das Paar nimmt sich auch bewusst Zeit für jedes einzelne Kind.

In den kommenden Tagen besuchen die Volpinis dann noch die Großeltern der Kinder und Verwandte. Unter den Christbäumen liegen für die Kinder heuer erstmals nicht nur materielle Geschenke: „Von den Verwandten bekommen sie heuer Zeit geschenkt. Es ist nicht der Sinn von Weihnachten, dass man nur Geld ausgibt. Die Kinder haben mehr davon, wenn man mit ihnen etwas unternimmt. Das ist viel wertvoller“, sagt die 27-Jährige. Was bedeutet für sie selbst Weihnachten? „Zeit mit der Familie zu verbringen und aus dem Alltagsstress auszubrechen. Und die Wäsche mal ein paar Tage liegen zu lassen“, schmunzelt Karin.  Daniela Rittmannsberger

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Armin Haiderer, KA-Präsident der Diözese St. Pölten, beschreibt in seinem neuen Buch „Weihnachten auf der Spur“ u. a., wie ein Pfarrer den Heiligen Abend erlebt:

Während am 24. Dezember die meisten Menschen schon in Feierlaune sind, sind neben den Handelsangestellten die Pfarrer und Priester im Hochbetrieb. Der Vormittag des 24. ist auch bei Alois Brunner, Pfarrer in Frankenfels im Pielachtal, recht arbeitsreich: Es müssen alle Messen der kommenden Feiertage vorbereitet werden und die Predigten überlegt werden. Und wie es sich für einen guten Pfarrer gehört, für jede Messe eine eigene Predigt, weil zum Teil die gleichen Leute wiederkommen. „Im Laufe des Tages schneien immer wieder Leute herein, um die Weihnachtsgeschenke segnen zu lassen“, so der langjährige Pfarrer. 

Die Feierlichkeiten beginnen mit der liebevoll gestalteten Kindermette am Nachmittag. Danach fährt Pfarrer Alois zur Familie seiner Haushälterin samt Tochter und Enkelkindern. Bei der Familienfeier wird gebetet, gesungen und gut gegessen. Zurück im Pfarrhaus gibt es eine kleine Bescherung. Die Christmette bildet den Abschluss des Heiligabends, bis vor kurzem hat er die Mette in zwei Pfarren gefeiert. Wie bei vielen Pfarrern, die mehrere Orte zu betreuen haben, kann man hier eher von einem „Eiligen Abend“ sprechen.

Trotzdem ist Einsamkeit für viele Pfarrer gerade zu Weihnachten ein fast schon tabuisiertes Thema. Manche feiern in Priestergemeinschaften, aber viele feiern alleine oder sind auf die Mitfeier bei Verwandten angewiesen. Dass es durch die kommenden Hochämter viel zu erledigen gibt, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die ruhigen Momente zu Weihnachten für einen Priester auch sehr hart sein können.

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Am Morgen des 24. Dezember warten auf die Patienten im Krankenhaus Waidhofen an der Thaya ein Frühstück sowie die Untersuchungen – so wie an anderen Tagen auch. Der Nachmittag wird dann feierlich gestaltet. Ab 14 Uhr spielt das Blasorchester Waidhofen/Thaya Weihnachtslieder. Um 15.30 Uhr wird das Weihnachtsevangelium vorgelesen und an­schließend machen sich Kinder, die als Engel verkleidet sind, mit dem Jugendchor sowie Vertretern der Stadtgemeinde, der Klinikleitung, der Primarärzte und der Seelsorge auf den Weg, um auf den Stationen die Patientinnen und Patienten zu besuchen. Die „Engerl“ sagen ein Gedicht auf oder spielen ein Lied auf ihren Instrumenten. Sie übergeben den Patienten kleine Packerl und Weihnachtswünsche werden ausgesprochen.

Jeder einzelne Patient wird besucht und nach seinem Befinden gefragt. „Es fließen immer sehr viele Tränen“, erzählt Elfriede Fürnsinn vom Seelsorgeteam.  

Die meisten Patienten sind am Heiligen Abend zuhause, zurück im Krankenhaus bleiben Menschen, deren Gesundheitszustand es nicht erlaubt, diese Feiertage zu Hause zu verbringen. 

Elfriede Fürnsinn verbringt meistens ein paar Stunden am Nachmittag des 24. Dezember als Seelsorgerin im Krankenhaus.  „Die Begegnungen zu Weihnachten sind sehr be­rührend und bereichernd. Da spüre ich: Jetzt kann Weih­­nachten beginnen.“ 

Für die Patienten sei diese Zeit emotional sehr aufgeladen, erzählt die Seelsorgerin. Da ist ein Kind weit weg in Wien, ein anderes lebt in Deutschland. „Ich höre viele bewegende Lebensgeschichten an diesem Tag“, so Fürnsinn, „und ich merke: Auch alte und kranke Leute suchen eine Herberge, einen Platz in der Familie und Geborgenheit.“ Zu Weihnachten zählen nicht die Geschenke, sondern der Kontakt zu den Mitmenschen. So mancher benötige in dieser Zeit eine Be­rührung: die Hand zu halten oder eine Umarmung. ph