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Der „blaue Herrgott“ von Kirchschlag

Es ist eine ganz eigenartige Christusfigur über dem rechten Seitenaltar in der Pfarrkirche der 570-Katholiken-Pfarre im Waldviertel: 172 cm hoch und von außergewöhnlicher Schlankheit – der „blaue Herrgott“ von Kirchschlag.


Die Statue mit einer Kette um den Hals und einem Flammenherz in den Händen ist eine Kopie eines bei den Trinitariern in Madrid verehrten Standbildes. Der um 1680 entstandene Ecce Homo im langen blauen Mantel kam 1782 in das Wiener Versorgungshaus am Alserbach, das früher „zum blauen Herrgott“ hieß.  1793 wurde die Figur vom ersten Pfarrer Mathias Koch, der von 1784 bis 1807 in Kirchschlag wirkte, für die Waldviertler Pfarre erworben. Sie könnte ein Geschenk des früheren St. Pöltner Bischofs Sigismund Graf von Hohenwart gewesen sein. Jedenfalls zog die lebensgroße Skulptur ab 1805 zahlreiche Wallfahrer an. In der Blütezeit der lokalen Wallfahrt fanden jährlich an die hundert Prozessionen aus dem Waldviertel und aus Oberösterreich statt. Das Pfarrprotokoll spricht von vielen Pilgerscharen, die den „blauen Herrgott“ als  „Heil der Kranken“ verehrten.


Zwei Jahrhunderte hat die Wallfahrtsbewegung das Leben im Ort mitbestimmt. Nach der Mitte des vorigen Jahrhunderts kam sie fast zum Erliegen. Dass jetzt wieder vermehrt Gruppen hierher kommen, ist der Initiative des früheren Pfarrers von Ottenschlag, Josef Reisenbichler, und örtlichen  Pfarrgemeinderäten zu verdanken. So zählte man in den Jahren um die Jahrtausendwende wieder bis zu 15 Wallfahrten jährlich. Seit 1981 hat die Pfarre Kirchschlag keinen Seelsorger mehr im Ort und wird vom Pfarrer von Ottenschlag mitbetreut. Seit 2011 ist MMag. Andreas Hofmann Pfarrmoderator. Er berichtet von bis zu zehn Wallfahrten im Jahr, die jetzt nach Kirchschlag kommen.

Aus der Geschichte

Das auf einem Hochplateau zwischen Pöggstall und Ottenschlag gelegene Kirchschlag wird erstmals erwähnt um 1140 als „Chuislach“ (später Kueschlag bzw. Kiechschlag) – der Schlag, auf dem die Kühe weiden. Der Name hatte also nichts mit einer Kirche zu tun. Erst später wurde hier eine Kirche gebaut. Jedenfalls bestand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts hier ein Gotteshaus, eine Filiale von Kottes. Romanische Baureste der Kirche direkt auf dem Steilufer über der Kleinen Krems lassen darauf schließen, dass sie um 1270 entstanden sein dürfte.
Ab 1758 gab es Bestrebungen zur Pfarrregulierung. Zuerst wurde Kirchschlag nach Ottenschlag umgepfarrt. Im Zuge der Reformen unter Kaiser Joseph II. entstand 1784 die selbstständige Pfarre Kirchschlag zum heiligen Nikolaus. F. Bertl