Das reiche Kulturerbe in Niederösterreich

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In Niederösterreich gibt es über 10.000 Denkmäler, 29 Klöster und mit der Kulturlandschaft Wachau und der Semmeringbahn zwei Welterbestätten – dieses reiche Erbe soll im heurigen Europä­ischen Kulturerbejahr über die Grenzen hinaus sichtbar gemacht werden.

Natur- und Kulturerbe in Niederös­terreich“ – so lautet der Beitrag Niederösterreichs zu dem von der Europäischen Union ausgerufenen Themenjahr. Dieser wird am 7. Mai bei einem Festakt im Landhaus in St. Pölten präsentiert, gleichzeitig wird dann auch auf den Europatag am 9. Mai hingewiesen – den Tag des Gedenkens an ein friedliches und geeintes Europa.

Wenn alle Glocken Europas gemeinsam erklingen


Vorrangiges Ziel des Kulturerbejahres ist es, das Bewusstsein für die europäische Geschichte und die europäischen Werte zu schärfen und das Gefühl einer europäischen Identität zu stärken. Diese Werte, diese Identität sind stark verbunden mit dem christlich-jüdischen Erbe – es hat in Europa tiefe Spuren hinterlassen, nicht nur in religiöser, sondern vor allem auch in kultureller Hinsicht. Verdeutlicht  wird dies am 21. September, am Internationalen Friedenstag, an dem Kirchenglocken in ganz Europa erklingen werden – so auch in unserer Diözese. Damit soll ein Zeichen für ein friedliches, geeintes Europa gesetzt werden. Und damit wird auch an das Ende des Ersten Weltkrieges vor hundert Jahren und an den Ausbruch und das Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618 bzw. 1648) erinnert. Alle Kirchen und „Glocken­eigentümer“ Europas sind an diesem Tag aufgerufen, erstmals in der Geschichte Europas ihre Glocken gemeinsam läuten zu lassen.
Als einer der weiteren Höhepunkte des Kulturerbejahres im St. Pöltner Diözesangebiet gilt die 23. Internationale Tagung für Kleindenkmalforschung im Hippolyt-Haus in St. Pölten, die vom 7. bis 10. Juni stattfindet. Bis zur Jahresmitte wird die Broschüre „Denkmalpflege in Niederösterreich“ erscheinen. Zudem wird ein eigener Sonderpreis 2018 für hochwertiges Bauen in sensibler Umgebung verliehen. Sämtliche weitere Veranstaltungen können im Internet unter der Seite „www.kulturerbejahr2018.at“ abgerufen werden.

Darüber hinaus nutzt St. Pölten das Kulturerbejahr auch für seine Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt 2024. Mit dem Themenjahr 2018 möchten die Europäische Kommission und das EU-Parlament als Initiatoren die Rolle des Kulturerbes für die Gesellschaft und Wirtschaft aufzeigen und die Bedeutung von dessen Erhaltung, Schutz und Zugänglichkeit hervorheben. Diesem Schwerpunkt widmet sich die Vortragsreihe Kulturgüterschutz der Donau-Universität Krems. Neben aktuellen Herausforderungen wie Digitalisierung, Finanzierung, Umweltbelas­tung und illegaler Handel mit Kulturgütern wird auch das Erreichen von jüngerem Publikum hervorgehoben. So sollen als besondere Zielgruppe junge Menschen sowie jene Menschen angesprochen werden, welche bisher nur bedingt einen Zugang zum kulturellen Erbe gefunden haben.

Für die Sichtbarmachung des Kulturerbes wird eine Vielfalt von Formen und Aspekten – materiell, immateriell und digital – berücksichtigt: Denkmäler, Stätten, Landschaften, Fertigkeiten, Brauchtum, Formen menschlicher Kreativität, Filmerbe sowie Sammlungen, die in Museen, Bibliotheken und Archiven erhalten und gepflegt werden. Zahlreiche Verknüpfungen von Kulturerbe zu den Feldern Forschung und Entwicklung, Bildung, Kultur- und Kreativwirtschaft, Tourismus, Naturschutz oder regionale und ländliche Entwicklung sollen aufgezeigt und vermittelt werden.
Die Initiative wird damit auch als eine Möglichkeit gesehen, die Sichtbarmachung des Kulturerbes zu fördern und in diesem Bereich verstärkt mit Nachbarländern zusammenzuarbeiten. Ein solches Projekt ist das EU-Projekt „Kulturplattform Donauraum“ im Rahmen des Interreg-Programms „Danube Transnational“ Österreich. Dieses Projekt wird federführend vom Bundeskanzleramt mit Projektpartnern in den Ländern Deutschland, Ungarn, Serbien, Rumänien und Bulgarien durchgeführt.

Das Bundeskanzleramt ist auch für die Programmkoordination des Kulturerbejahres zuständig, wobei sowohl die verschiedenen Bundesministerien als auch Vertreter der Bundesländer, des Bundesdenkmalamtes und der Zivilgesellschaft eingebunden sind. „Wir wollen mit dem Kulturerbejahr eine breite Bevölkerung ansprechen“, erklärt die nationale Koordinatorin des Kulturerbejahres Anna Steiner von der Abteilung Europäische und internationale Kulturpolitik des Bundeskanzleramts. Wichtig seien nicht nur der Blick in die Vergangenheit, die Bewahrung alter kultureller Güter, sondern auch die Kultur der Gegenwart und Zukunftsorientierung. „Was wir heute kreativ schaffen, ist das Kulturerbe von morgen“, ist Steiner überzeugt.

Werdegang Europas

Josef Schick von der Kulturvernetzung Niederösterreich hofft, dass durch das Kulturerbejahr das geschichtliche Bewusstsein der Menschen gestärkt wird. Gerade 2018 biete sich als besonderes Gedenkjahr für die Revolution 1848, den „Anschluss“ 1938 sowie den Prager Frühling 1968 an, um auf den Werdegang Europas hinzuweisen. Welche kulturellen und politischen Entwicklungen Europas auch mit Österreichs Beteiligung in diesem Jahr sichtbar werden, wird am 6. und 7. Dezember 2018 in Wien resümiert. Dazu findet im Rahmen der bevorstehenden österreichischen EU-Ratspräsidentschaft in Wien die Abschlusskonferenz zum Kulturerbejahr – #Europeforculture – statt. Michael Link