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Dank für eine reiche Ernte

Foto: Georg Semrad

Erntedank ist – abgesehen von den Hauptfesten des Kirchenjahres – eines der stimmungsvollsten Feste im Jahreslauf. In den Pfarren wird es mit viel Liebe und Einsatz vorbereitet und unter großer Anteilnahme von Bevölkerung und Vereinen gefeiert.

Allmorgendlich komme ich auf dem Weg zur Arbeit an ausgedehnten Feldern vorbei. Sie sind immer wieder ein faszinierender Anblick: die aufkeimende Saat im Frühjahr, und nach gar nicht langer Zeit wogt das Feld, reifen die Ähren. Mannshoch steht der Mais. Dann beginnen sich die Felder zu lichten, und jetzt, im Morgenlicht, ist auch das letzte Grün aus den noch verbliebenen Flecken Mais gewichen. Bald sind auch die letzten Felder kahl und umgepflügt, bereit für die nächste Saat – ein immer wieder faszinierendes Schauspiel.
In diesen Wochen wird in den Pfarren das Erntedankfest gefeiert. Die Felder sind leer, die Scheunen und Keller gefüllt, auch wenn Trockenheit oder auch schwere Unwetter vielerorts Einbußen gebracht haben. Allen Errungenschaften zum Trotz liegt längst nicht alles in der Hand des Menschen. Wer erntet, hat immer auch Grund zum Danken und kann die Früchte auch als Gabe des Schöpfers sehen. „Die Erde gab ihren Ertrag. Gott, unser Gott, er segne uns“, heißt es schon in einem Danklied im Alten Testament (Psalm 67,7).
Einen Fixtermin für Erntedank gibt es im liturgischen Kalender nicht. Benachbarte Pfarren feiern oft an aufeinanderfolgenden Sonntagen – und so kann man auch leichter auf dem „Erntekränzchen“ tanzen, das von der Katholischen Jugend in den Nachbarorten organisiert wird. Bei aller regionalen Verschiedenheit hat die Feier aber doch gewisse Grundzüge, die vor etwa hundert Jahren vom ländlichen Bildungswerk Hubertendorf bei Blindenmarkt und dem dort tätigen Priester Leopold Teufelsbauer propagiert wurden. Die Nationalsozialisten bedienten sich an der reichen Symbolik, organisierten große Reichserntedankfeste und verboten zugleich die kirchlichen
Feiern.

Symbolhafte Erntekrone

Am weitesten verbreitet ist die Erntekrone, die mit Getreideähren und lokalen Früchten dekoriert wird. Für die Gestaltung sind in den Pfarren heute meist reihum die einzelnen Dorfgemeinschaften zuständig. Oft ist auch das mit einer nachbarschaftlichen Zusammenkunft in froher Runde verbunden. Weingegenden unterscheiden sich natürlich von Gebirgstälern, wo der Almabtrieb besonders festlich in Szene gesetzt wird. In der Pfarre Reidling wird die Erntekrone mit einem Pferdegespann herangebracht und von der Landjugend getragen, die Segnung erfolgt jedes Jahr bei einer anderen Kapelle, berichtet Pfarrer H. Clemens Maier. Die Blasmusik gestaltet die Feier mit, vor der Kirche gibt es eine Volkstanzdarbietung. Eine Besonderheit ist der Erntezopf, der in der Kirche aufgehängt wird. Schließlich kommen Jung und Alt zum geselligen Beisammensein in den Pfarrstadel. Auch die Kinder der Volksschule tragen mit Texten und Liedern zur Feier bei.

Die Bibel kennt drei Erntefeste. Es sind die Freudenfeste Pessach (Ostern), Schawuot (Pfingsten) und Sukkot (Laubhüttenfest), an denen die Juden traditionell nach Jerusalem pilgerten und aus den Felderträgen Opfergaben darbrachten. Das Laubhüttenfest fällt in den Herbst und wird sieben Tage lang im Monat Tischri, dem ersten Monat des bürgerlichen jüdischen Kalenders, gefeiert. Es erinnert an den Auszug aus Ägypten und an die Wüstenwanderung Israels, in der die Israeliten nach der Überlieferung Hütten aus grünen Zweigen oder Palmwedeln bauten. Zum Fest werden heute Laubhütten gebaut. Wichtigstes Charakteristikum ist, dass sie kein festes Dach haben, sodass man durch die Zweige hindurch den Himmel sehen kann.
Auch Jesus hat häufig das Bild von der Ernte aufgegriffen. Für ihn war sie ein Bild für die Erfüllung schlechthin, für das Gottesreich – es wächst unter den Menschen, ganz von selbst, so wie die Erde ihre Frucht hervorbringt, sagt er seinen Zuhörern (Mk 4,28). Und wenn er im Gleichnis von einem reichen Mann erzählt, auf dessen Feldern eine gute Ernte heranreift, dann gibt Jesus auch hier keinen Landwirtschaftsunterricht, sondern legt jedem Einzelnen die Sorge um sein Lebensziel ans Herz. Mit der Ernte kann folglich auch das Gericht Gottes gemeint sein: Am Tag der Ernte wird der Herr das Unkraut vom Weizen trennen (Mt 13,20). Reiche Ernte steht für Zukunft, sie ist ein Inbegriff von Leben schlechthin. Für diese Wirklichkeit kann Erntedank unseren Blick auch heute öffnen. Schlager

 

Erntedank
bedeutet Dank für das Gute im Leben,
Dank für die Fülle an Gutem, die uns umgibt, die unser Herz erfreut.
Erntedank ist auch Dank für den
Segen des Empfangens
und Dank für die guten Gaben Gottes.

Egon Parteder