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Brief an die Jugend - von Teresa Neuhold

Foto: zVg

Warum ich den Jakobsweg ging. Schon lange verspürte ich die Sehnsucht nach dem Camino und da es in meinem Leben einiges zu ordnen gab, kam es mir gelegen, als eine Freundin fragte, sich mit ihr auf den Weg zu machen. Letztes Jahr brachen wir auf und heuer gingen wir die letzten 550 Kilometer bis nach Santiago de Compostela.

Aber warum der Jakobsweg und nicht stattdessen wieder Mariazell? Die Motive, wieso Menschen den Camino gehen, sind unterschiedlich. Ich wollte Kraft tanken und dafür schien mir die Länge des Jakobswegs geeigneter. Im Vorjahr standen viele Entscheidungen an und ich hatte für vieles keine Antwort. Durch das Pilgern wollte ich meine Lebensziele neu ordnen und spüren, was Gottes Plan für mich ist. Aber um den Sinn des Lebens zu suchen, fehlen am Camino die stillen Stunden! Es sind viel mehr die Gespräche mit Mitpilgern, die einem helfen. Gedanken werden ausgetauscht, Probleme besprochen, Lösungen gesucht und umso mehr Menschen man trifft, desto mehr Lösungen finden sich. Wir kamen schon bald zum Schluss: „Der Weg gibt dir nicht das, was du willst, sondern das, was du brauchst!“. Einer der bewegends­ten Momente war die Pilgermesse in O Cebreiro mit einem jungen, leidenschaftlichen Pfarrer, der uns am Ende der Messe umarmte und ein Segensgebet sprach, das zu meinem Lebensmotto wurde: „Liebe sei dir das Licht der Hoffnung auf deinem Weg. In deinem Herzen herrsche Frieden. Güte sei das Siegel deines Lebens. Der Glaube stärke dich angesichts der Geheimnisse des Lebens. Und wenn das Ziel erreicht ist, umarme dich die Liebe allezeit. Sei glücklich und mache deine Mitmenschen glücklich.“

Bemerkenswert war auf dem Camino, dass Freundschaften so schnell geschlossen wurden. Man hatte eine verbindende Gemeinsamkeit – das Pilgern. Egal, wo man einkehrte oder in welcher Herberge man nächtigte, man kannte nach einiger Zeit jeden. Der Camino ist eine große Gemeinschaft, die für einander da ist und wo jeder zählt. Dies erlebten wir, als wir nach 800 Kilometern und mittlerweile zu viert in Santiago ankamen. Wir wurden mit Beifallsrufen von jenen neu gewonnenen Freunden empfangen, die wir dachten, auf dem Weg verloren zu haben, da sie voraus gegangen waren. Sie empfingen uns wie einen Teil der Familie.

Auch wenn Santiago das Ziel ist, umso näher man kommt, desto kleiner werden die Tagesetappen, denn zu schön ist das gemeinsame Unterwegssein. Deshalb verabschiedeten wir uns mit den Worten: „Nach dem Camino ist vor dem Camino!“

 

Die Autorin

Teresa Neuhold, 28, studiert in Wien Agrar- und Er­näh­rungswissenschaften und gehört zur Pfarre Maria Lourdes in St. Pölten.