Brief an die Jugend - von Hemma Rerych | Kirche bunt
 

 
Interview mit Bischof Schwarz

Kirche bunt ABO

Banner Kirche Bunt

 
 

Brief an die Jugend - von Hemma Rerych

Warum ich (gerne) beichte. Zum ersten Mal war ich mit sieben Jahren vor der Erstkommunion beichten. Das ist schon ein bisschen her, aber ich kann mich noch gut dran erinnern. Danach war – wie bei wahrscheinlich ziemlich vielen – bis zur Firmung keine Rede von der Beichte.

Die Beichte ist irgendwie etwas Komisches bzw. sie ist unüblich geworden. Ich denke, das hängt auch damit zusammen, dass es uns Menschen immer schwerer fällt, sich selbst Schuld einzugestehen. Es ist prinzi­piell der andere, der den Streit begonnen hat, man selbst kann da nichts dafür. Kommt dir das bekannt vor?

Bei der Beichte geht es aber genau um dieses „Sich-selbst-Schuld-einzugestehen“ und aktiv um Vergebung zu bitten. Jesus ist für alle Situationen, in denen wir nicht aus Liebe heraus handeln, am Kreuz gestorben. Gott hat uns schon alles vergeben, doch wir müssen (wieder) lernen, seine Vergebung anzunehmen. In der Beichte ist dieser Ort, an dem ich schon oft dieses Angenommensein von Gott, trotz allem was ich getan habe, erleben durfte.

Ich gehe gerne beichten, weil ich gemerkt habe, dass ich danach freier und glücklicher bin. Vor der Beichte kostet es mich aber immer sehr viel Überwindung, weil es eben nicht leicht ist, mir selbst Schuld einzugestehen, obwohl ich weiß, dass ich in vielen Situationen nicht aus der Liebe heraus gehandelt habe.

Wenn ich beichten gehe, mache ich das oftmals bei Veranstaltungen, bei denen eine Beichtgelegenheit angeboten wird (Gebetsabend, Pfingsttreffen Loretto…). Die Beichte ist dann meistens spontan, denn wenn ich ständig nur hin und her überlege, ob ich gehen soll, ist die Gelegenheit meistens schon wieder vorbei.

Vor der Firmung bin ich über eine Gebetsgruppe dazu gekommen, wieder einmal beichten zu gehen. Dort durfte ich zum ersten Mal bewusst erleben, was es heißt, von Gott angenommen zu sein, so wie ich bin und mit allem, was ich tue. Seitdem weiß ich, dass die Beichte kein Ort der Angst, sondern ein Ort der Liebe Gottes ist.

 

Die Autorin

Hemma Rerych ist Jugendleiterin in Ausbildung in der Jugendpas­toral St. Pölten und stammt aus Wieselburg.

 

„Kirche bunt“ bittet junge Menschen aus der Diözese St. Pölten, in dem „Brief an die Jugend“ zu erklären, warum sie beten, wallfahren, sich in der Kirche engagieren, beichten etc. In den Vorwochen beschrieben Nadine Koller, was für sie das Gebet bedeutet, und Hannes Geirhofer, warum er immer wieder auf Wallfahrt geht.