Kirche bunt ABO

Banner Kirche Bunt

 
 

Brauchtum im Advent

KA-Präsident Armin Haiderer beschreibt in seinem Buch „Weihnachten auf der Spur“ auch das adventliche Brauchtum in Niederösterreich. „Kirche bunt“ bringt einige kurze Auszüge daraus.

Herbergsuche

Etwa neun Abende vor dem Heiligabend ist es in manchen Gemeinden noch üblich, die Herbergsuche zu veranstalten. Im Hintergrund (auch beim Krippenspiel) steht dabei die freilich nicht biblische Szene der bösen Wirte, die Josef und Maria von Haus zu Haus schicken, da kein Platz frei ist. Beim klassischen Herbergsuchen wird ein Marienbild jeden Abend zu jeweils einer anderen Familie getragen, wo man sich gemeinsam versammelt, betet, isst und kommuniziert.

Fasten?

Man vermutet es kaum, aber die Adventzeit war einmal eine Fastenzeit. Es wäre vielleicht einmal eine mutige Möglichkeit, diese Tradition zu reaktivieren. Es muss ja beim Adventmarkt nicht immer die Burenwurst und der 10. Glühwein sein, der ohnehin qualitativ oft nur aus zu viel Zucker, Alkohol und etwas Wasser besteht. Es ist gerade der bewusste Verzicht, der dann dem Fest, auf den eine Fastenzeit zugeht, eine noch größere, mitunter auch leiblich-sinnliche Bedeutung gibt. Das ist bei Ostern traditionellerweise der Fall, für Weihnachten ist diese Idee auch nicht so abwegig.

Fleißige Kirchgänger sehen, dass die liturgische Farbe im Advent, genauso wie in der vorösterlichen Fastenzeit, violett ist. Eine eigene Fastenzeit im Advent ist sicherlich eine neue Herausforderung, da die Versuchungen ungleich größer sind als in der allgemein üblichen Fastenzeit im Frühjahr. Auf der anderen Seite dauert die Adventzeit aber auch nur halb so lang wie jene.

Diese Fastenzeit kann dazu einladen, dass wir das alltägliche „zu viel“ reduzieren: Termine, Essen, Arbeit. Dies sagt und schreibt sich natürlich so leicht in einer Zeit, in der die ganze Welt um uns hektisch wird. Aber Franz von Sales wird Folgendes in den Mund gelegt: „Meditiere jeden Tag eine Stunde. Außer wenn du viel zu tun hast. Dann meditiere zwei Stunden.“

Räuchern

Kaum jemand kann sich den Sinnesreizen von Weihnachten entziehen und da spielt auch das olfaktorische Erleben eine wesentliche Rolle. Ein Einsatz und damit der Geruch von Weihrauch gehört für viele Menschen einfach zu Weihnachten dazu. Kein Wunder, verleiht er doch den eigenen vier Wänden etwas Sakrales, das sonst nur in der Kirche festzumachen ist. So ist das Ausräuchern vor allem am Land gerade zwischen den Festtagen oder etwa in der Thomasnacht am 21. Dezember ein fixer Bestandteil.

 

Mit freundlicher Genehmigung von Autor und Verlag entnommen aus: Armin Hai­de­rer, Weihnachten auf der Spur. Bräuche und Feiern in Niederösterreich, hrsg. von der Kath. Aktion St. Pölten im Kral-Verlag (ISBN: 978-3-99024-792-1), Preis € 24,90. Erhältlich im Buchhandel oder im Behelfsdienst der Diözese St. Pölten: , Tel. 02742/324-3315.