„Aufgefahren in den Himmel …“ | Kirche bunt
 

 
Interview mit Bischof Schwarz

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„Aufgefahren in den Himmel …“

40 Tage nach Ostern feiern Christen das Fest „Christi Himmelfahrt“. Die Vorstellung vom „Himmel“ hat sich seit der Zeit Jesu stark gewandelt. Die Rede vom Himmel ist keineswegs Nebensache, geht es dabei doch um unsere eigene Vollendung.

Kaum ein anderer Satz des Glaubensbekenntnisses klingt für Menschen des 21. Jahrhunderts so befremdlich wie jener, dass Jesus nach seiner Auferstehung „aufgefahren in den Himmel“ ist und zur Rechten Gottes, des Vaters, thront. Und doch feiern die christlichen Kirchen den 40. Tag nach Ostern als Hochfest der „Himmelfahrt Christi“. Das Fest stellt uns vor Fragen, die auch heute Bedeutung haben: Was ist „Himmel“ und damit das Ziel unseres Lebens? Sind wir zu einer Vollendung unterwegs – gerade auch angesichts einer in vielen Bereichen chaotischen und unvollendeten Welt oder eines Kosmos, den die Astronomie als ein in ständigem Wandel und Werden befindliches Universum begreift?

Das Wort „Himmel“ löst unterschiedlichste Assoziationen aus. Gemeinsam ist den meisten: Himmel ist „oben“, weit weg; er ist unendlich; er ist der Bereich des Guten; er ist der Ort, wo Gott ist (oder die Götter sind). Und er hat eine Farbe: blau. Auf Kinderzeichnungen ebenso wie auf Gemälden alter Meister.

In den Naturwissenschaften kommt der Himmel nicht vor – von der Meteorologie einmal abgesehen, die atmosphärische Erscheinungen erforscht. Das All, der Weltraum, hat sich als ein Ort großer Leere herausgestellt; ungeklärt ist, wo die nicht unbeträchtlichen Mengen „dunkler Materie“ zu finden wären, ohne die nach gängigen Theorien das ganze Universum nicht bestehen könnte.
In der Antike herrschten andere, keineswegs einheitliche Himmelsvorstellungen. In der biblischen Umwelt ist der Himmel ein halbkugelförmiges Gewölbe, das die kreisförmige Erde überdacht. An diesem Gewölbe ziehen die Himmelskörper ihre Bahnen. Und über diesem Gewölbe ist nicht etwa ein himmlischer Thronsaal, sondern das Wasser der Urflut, das durch Öffnungen im Himmelsgewölbe als Regen niederfällt.

Himmelfahrt im Neuen Testament

Die Evangelien kennen den Begriff „Himmelfahrt“ (lateinisch ascensio) so nicht. Auch die Angaben über Ort und Zeit des Heimgangs Jesu zu seinem Vater sind bei den einzelnen Evangelisten sehr uneinheitlich. Matthäus schließt sein Evangelium mit dem Taufbefehl ohne explizite „Himmelfahrt“: „Geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,19-20). Jesu Abschied ist eine missionarische Sendung der Jünger!
Die Festlegung auf den „40. Tag“ geht auf die Apostelgeschichte des Lukas zurück, wo es heißt, dass Jesus den Aposteln vierzig Tage hindurch erschienen ist und vom Reich Gottes gesprochen hat (Apg 1,3). Weiter heißt es, Jesus wurde „vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken“ (Apg 1,9). Die Wolke – das ist in der biblischen Redeweise Gott selbst, der seinem Volk beim nächtlichen Auszug aus Ägypten in einer leuchtenden Wolke voranzog.

Jesus hat mit vielen Gleichnissen verdeutlicht, wie das „Reich der Himmel“ wächst. Und er sagt auch, dass es schon mitten unter uns gegenwärtig ist. Himmel ist gleichbedeutend mit der Schau Gottes: „Wir werden Gott sehen, wie er ist“, heißt es im 1. Johannesbrief (3,2). Auch das letzte Buch des Neuen Testaments schließt mit einer Himmelsvision: Gott wird „in ihrer Mitte wohnen“, er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen, der Tod wird nicht mehr sein (Offb 21,3-5).    schl-