Das Kirche bunt Team bei der Verabschiedung von Mag. Josef Wessely, dem langjährigen Chef vom Dienst, mit Bischof DDr. Klaus Küng, mit Generalvikar Prälat Mag. Eduard Gruber, dem neuen Herausgeber von Kirche bunt und mit Weihbischof Dr. Anton Leichtfriednton Leichtfried

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Anekdoten aus dem Klosteralltag des Stiftes Melk

Foto: Stift Melk/Brigitte Kobler

Pater Gottfried Glaßner vom Stift Melk hat für sein jüngst erschienenes Buch „In Zeit und Ewigkeit“ 300 Kurzgeschichten gesammelt, die informativ und kurzweilig Einblicke über das Stift Melk als Bildungsort, Arbeitgeber, Tourismusmagnet und Wirtschaftsakteur geben. Das Buch ist als vierter Band der Reihe „Thesaurus Mellicensis“ im stiftseigenen Verlag erschienen.

Den Anstoß zur Anekdotensammlung habe der vielfältige Klosteralltag gegeben. „Ich habe aufgezeichnet, was Mitbrüder mir erzählt haben, was an Anekdoten im Umlauf ist und was historische Quellen und Publikationsorgane wie die ,Melker Mitteilungen‘ hergaben“, so P. Gottfried in seinem Vorwort zum Buch. Dabei hebt er besonders P. Wolfgang Mayerhofer OSB mit seinem erstaunlichen Detailwissen aus der Schul-, Internats- und Studienzeit und vor allem aus seiner aktiven Zeit als Wirtschafts- und Baudirektor hervor.

Als nach 15 Jahren die  Ewigkeit beendet wurde


Von P. Wolfgang stammt auch jene Anekdote, die im vorliegenden Band unter dem Titel „Die beendete Ewigkeit“ zu finden ist und die auch zum Buchtitel inspirierte: P. Wolfgang versicherte dem damaligen Bürgermeister von Lassee, dass das Stift „in Ewigkeit“ nicht daran rütteln werde, dass die Jugend ein Grundstück des Stiftes als Fußballplatz nützen darf. Nach 15 Jahren wurde der Bürgermeister mit dem Anliegen vorstellig, das besagte Grundstück nun doch einer anderen Verwendung zuführen zu wollen und es deshalb die Gemeinde erwerben wolle. Dem Einwand, dass die Zusage des Stiftes für „ewige Zeiten“ gelte, begegnete er mit dem Hinweis, dass ja ohnehin schon 15 Jahre seit der Vereinbarung vergangen seien. Also wurde nach 15 Jahren „die Ewigkeit beendet“.


Die Anekdoten stellen nicht nur die Melker Klostergemeinschaft mit ihren Aufgabenbereichen in Schule, Seelsorge,Wirtschaft und Verwaltung dar, sondern verdeutlichen fast nebenbei die Stellung des Stiftes als Tourismusmagnet von Weltruf. Gekrönte Häupter wie der spanische König Juan Carlos und seine Frau Sophia beehrten das Kloster ebenso mit ihren Besuchen wie berühmte  Persönlichkeiten – darunter der Dalai Lama oder der Autor und Historiker Umberto Eco. Letzerer hatte ja das Stift Melk in seinem berühmten Buch „Der Name der Rose“ mit der fiktiven Figur des Novizen „Adson von Melk“ verewigt. Nicht schlecht staunte er aber, als ihm bei einem Rundgang durch die Stiftsbibliothek anlässlich seines Besuches zu Pfingsten 1992 „zufällig“ der Professschein eines gewissen „Adson von Melk“ unterkam. Freilich: Der Autor erkannte den Streich, der ihm da im Stift gespielt worden war, gleich und freute sich natürlich sehr, dass er dieses „fortgeschriebene“ mittelalterliche Pergament-Fragment als Geschenk mitnehmen durfte.


Dass berühmte und hochrangige Gäste mitunter auch gewohnt sind, gewisse Privilegien zu genießen, zeigte sich beim Besuch von Abt Thomas Niggl (1976-1995 Abt von Weltenburg) im Jahr 1993. Abt Thomas, gewohnt, dass er bei seinen Besuchen in einem Kloster nicht den für Touristen bestimmten Einfahrtsbeschränkungen unterworfen war, ging auch in Melk von dieser Tatsache aus. Das ist dort natürlich auch möglich, wenn man die Zufahrt zum kleinen Parkplatz am Wirtschaftshof nimmt. Doch vom großen Touristenparkplatz oberhalb des Stiftes ist weder eine direkte Zufahrt vorgesehen noch möglich. Nicht so für Abt Thomas Niggl. „Er landete mit seinem Chauffeur auf dem großen Parkplatz und ließ in der Annahme, dass es hier eine Zufahrt zum Stift geben müsse, die Fahrverbotstafel, die bei dem für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte vorgesehenen Abgang zum Stift motorisierten Fahrzeugen die Weiterfahrt verwehrt, beiseite schaffen. Er bewältigte den schmalen Gehweg mit dem Auto und drang im Restaurantgarten bis zum damals noch bestehenden (…) neu errichteten Brunnen vor. Um am Brunnenrand vorbeizukommen, mussten erst die dort positionierten Blumentöpfe abgeräumt werden. Pächter Gerhard Rieß, der zufällig zur Stelle war, sorgte, als er der standesgemäß als Mönche gekleideten Autoinsassen ansichtig wurde, in zuvorkommender Weise dafür, dass ein im Weg stehender Tisch zur Seite gerückt wurde. Nachdem alle Hindernisse beseitigt waren, bahnte sich das Fahrzeug seinen Weg durch die Touristenströme und landete schließlich an der Stiftspforte. Dort war man einigermaßen erstaunt, als der Chauffeur sich mit der Bemerkung meldete: „Ihr habt aber eine komplizierte Zufahrt zum Kloster“!“


Die Anekdoten sind in 13 Themenbereiche bzw. Kapitel zusammengefasst. Das mit 44 Beiträgen umfangreichste zweite Kapitel ist dem Gymnasium gewidmet. Da kündete 1966 ein mitternächtliches Glockengeläut von der vollbrachten Reifeprüfung – allerdings zum Miss­fallen der Melker Bürger. Und die ers­te im Melker Stiftsgymnasium erschienene Schülerzeitung enthielt eine Karikatur, die dem damaligen Konviktsdirektor P. Johannes Schüttgruber gar nicht gefiel. Es war ein Waschbecken mit zwei Wasserhähnen zu sehen. Über dem einen war zu lesen: „Kalt“, über dem anderen: „Sehr kalt.“

Ein verhängnisvoller Hörfehler

 

Auch die eine oder andere humorvolle Begebenheit aus anderen Klös­tern schaffte es ins Buch. Wie jene aus dem Jahr 1905 aus dem Stift Admont. Dort wollte man damals die Wahl
P. Leander Czernys zum neuen Abt möglichst rasch im „Klösterreich“ verbreiten und dazu die zeitgemäßen Möglichkeiten der Nachrichtenübermittlung nutzen – damals das Telegramm. „Unglücklicherweise konnte das Postfräulein mit dem Vornamen Leander in dem per Morse-Apparat zu übermittelnden Text „Leander Czerny zum Abt gewählt“ nicht viel anfangen. Sie vermutete vielmehr einen Hörfehler und klopfte folgenden Text in die Leitung: „Leider Czerny zum Abt gewählt“!“


Heiteres aus der Pfarrseelsorge

Selbstredend, dass es natürlich auch die eine oder andere Anekdote aus der Pfarrseelsorge des Stiftes Melk gibt. In einer spielt sogar „Kirche bunt“, die damals noch St. Pöltner Kirchenzeitung hieß, eine kleine Rolle: Pfarrer Anton Gapp, der 84-jährig im Jahr 1971 nach rekordverdächtigen 54 Dienstjahren als Pfarrer von Pöbring starb, nannte eine Kuh stolz sein Eigen. Das Tier  bedeutete ihm wohl viel und er umsorgte es liebevoll. Als er aber an einem Sonntag auf dem Feld arbeitete, um für sein Tier Futter einzubringen, musste er sich von einem vorbeikommenden Bauern die Frage gefallen lassen, warum er als Pfarrer ausgerechnet an einem Sonntag auf dem Feld arbeitete. Die schlagfertige Antwort des Pfarrers wurde schnell ein geflügeltes Wort bei seinen Pfarrkindern und darüber hinaus: „Meine Kuh ist eine heilige Kuh, für die ich auch am Sonntag arbeiten darf!“ So sehr war er vom quasi-sakralen Charakter seiner Kuh überzeugt, dass er fand, die St. Pöltner Kirchenzeitung sollte darüber berichten und seine Erkenntnisse einem größeren Publikum zugänglich machen. Tatsächlich schickte er einen entsprechenden Beitrag an die Redaktion, der allerdings unbeachtet blieb. Über diese Ignoranz ärgerte sich Pfarrer Gapp so sehr, dass er kurzerhand die Zusendung der St. Pöltner Kirchenzeitung an die Pfarre stornierte und seinen Pfarrkindern nur noch die Wiener Kirchenzeitung zumuten wollte. Anmerkung der Redaktion: Vielleicht wirft Pfarrer Anton Gapp vom Himmel aus den einen oder anderen Blick in „Kirche bunt“ und freut sich, dass wir nach rund 50 Jahren nun doch dieses „Versäumnis“, über seine „heilige Kuh“ zu berichten, hiermit nachgeholt haben.


 

Das Buch


In Zeit und Ewigkeit. Melker Anekdotensammlung. Thesaurus Mellicensis 4; aufgezeichnet und herausgegeben von Gottfried Glaßner OSB mit Zeichnungen von Thomas Strohmaier; 277 Seiten; 24,90 Euro; erhältlich im Stifts-Shop und unter .

Prof. P. Dr. Gottfried Glaßner OSB, geboren 1950 in Leopolds (Pfarre Kottes), trat 1969 in das Benediktinerstift Melk ein und wurde am 29. Juni 1976 zum Priester geweiht. Seit 1980 betreut er die Melker Stiftsbibliothek, seit 1998 doziert er an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten Hebräisch und Altes Testament.